Tauben am Zürcher Bahnhof Stadelhofen werden «gekeult»
«Ethisch nicht vertretbar»: Eine Nau.ch-Leserreporterin ist schockiert. Sie wird Zeugin einer Tauben-Einfangaktion – mitten am Bahnhof Zürcher Stadelhofen.
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Das Wichtigste in Kürze
- Eine Nau.ch-Leserin beobachtet am Donnerstagmorgen eine Tauben-Einfangaktion.
- Etliche Tauben wurden in einen Käfig gelockt – und später entsorgt.
- Die Stadt Zürich bestätigt den Einsatz – und spricht von «Keulung».
Nau.ch-Lesereporterin Brigitte F.* traut ihren Augen kaum.
Am Donnerstagmorgen beobachtet sie eine verstörende Szene am Bahnhof Zürich Stadelhofen und zückt sogleich die Handy-Kamera. Sie wird Zeugin einer Tauben-Einfangaktion – Am helllichten Tag.
Was sie sieht, wirkt drastisch: Auf dem Video ist zu sehen, wie rund 15 bis 20 Tauben panisch in einer Falle flattern. Kurz darauf verschwinden Tiere und Käfige. Besonders schlimm: Es scheint ganz so, als wären diese getötet und in Säcke gepackt worden.
Brigitte F.* war am Donnerstagmorgen auf dem Weg zur Arbeit, als ihr die Aktion aufgefallen sei. «Zuerst sah ich die Tauben in der Falle noch herumflattern», sagt sie. Danach habe sie gesehen, wie der Wildhüter der Angestellten der Stadt eine Transportbox mit Löchern gegeben habe. «Dort packte sie alle Tauben rein.»
Etwa 15 bis 20 Tauben seien in die Box gepfercht worden. Von den Tauben sei darauf keine Spur mehr gewesen. «Ich sah nur noch schwarze Abfallsäcke. Dort wurden die Tauben womöglich entsorgt.»
Am Freitagmorgen beobachtete die Leserin eine wiederholte Aktion am Stadelhofen. «Wieder scheuchten sie mit dem Hund die Tauben von den Bäumen, Dächern und Laternen herunter», sagt sie. «Weil es zu regnen begann, brachen sie die Aktion aber ab.»
«Ethisch nicht vertretbar»
Die Kritik der Leserin ist deutlich: «Es ist ethisch absolut nicht vertretbar, Tauben einzufangen und zu töten», sagt sie. Die Taubenpopulationen könnten die Behörden stattdessen mit Taubenschlägen unter Kontrolle halten.
Sie schlägt das Augsburger Modell vor. Dabei werden gelegte Eier gegen Attrappen ausgetauscht. «Auf diese Weise lässt sich die Population auf natürliche Weise steuern.»
Auf Anfrage von Nau.ch bestätigt die Medienstelle von Grün Stadt Zürich den Einsatz am Stadelhofen – und verteidigt das Vorgehen. Die Stadt betont, man setze sich für «einen kleinen, aber gesunden Taubenbestand» ein.
An stark betroffenen Orten werde der Bestand gezielt reguliert, um Belastungen und «Dichtestress» der Tiere zu reduzieren. Die Medienstelle erklärt: «Dazu kommen jagdliche Massnahmen wie Schiessen oder das Fangen und Keulen der Tiere zum Einsatz.»
Konkret bestätigt die Stadt einen Einsatz am Donnerstagmorgen: «Am frühen Morgen des 9. April wurde am Stadelhofer Platz eine Grossfalle aufgestellt und die Tauben anschliessend gekeult.» Eine weitere Aktion am Freitagmorgen sei wetterbedingt abgebrochen worden, so die Medienstelle.
«Fachgerecht gekeult»
Zur Methode heisst es offen: «Entsprechend der gültigen Praxis wurden die Tauben nach einem Betäubungsschlag mit einem Genickbruch fachgerecht gekeult.»
Die Stadt sieht die Ursache des Problems weniger im Einsatz selbst, sondern beim Verhalten der Bevölkerung. Entscheidend sei die Fütterung, die im Kanton Zürich eigentlich seit 2023 verboten wäre.
«Vor allem am Stadelhofer Platz bringen mehrere Personen aber trotz Verbot in grossen Mengen Futter aus. Am Donnerstagmorgen konnte gegen eine Person Strafanzeige erstattet werden.»

Die Auswirkungen seien erheblich, so die Medienstelle: In Zürich fielen jährlich rund 80 Tonnen Taubenkot an.
«Dieser verursacht nicht nur optische Beeinträchtigungen, sondern kann Fassaden und Mauerwerk schädigen sowie technische Anlagen gefährden.» Zudem würde starker Taubenkot gesundheitliche Risiken bergen: «Insbesondere für Kinder, kranke und ältere Menschen.»
Taubenproblem in der Schweiz
Dass Stadttauben immer wieder für Diskussionen sorgen, ist nicht neu. Bereits im Dezember 2025 berichtete Nau.ch über tote Tauben auf dem Perrondach des Zürcher Hauptbahnhofs.
Auch an anderen Bahnhöfen kam es laut Beobachtungen regelmässig zu ähnlichen Vorfällen. Der Verein Stadttauben dokumentierte solche Fälle und zeigte auf Instagram Bilder und Videos von verendeten Tieren auf Bahnhofdächern.

Die SBB zeigte sich auf Anfrage von Nau.ch dennoch zurückhaltend. Man sehe aktuell keinen unmittelbaren Handlungsbedarf, hiess es. Es handle sich um «Einzelfälle». Gleichzeitig betonte das Unternehmen, dass man an stark frequentierten Bahnhöfen grundsätzlich Massnahmen gegen Tauben ergreife.
Die oft diskutierten Taubenschläge lehnt die SBB jedoch ab. Das Modell sei geprüft, aber als nicht tauglich eingestuft worden.













