SVP-Nationalrätin würde als Bundesratskandidatin einspringen
Der Run auf den freiwerdenden Bundesratssitz bleibt aus. SVP-Nationalrätin Vroni Thalmann-Bieri würde in die Bresche springen.

Das Wichtigste in Kürze
- «Mami» ist der Spitzname der Luzerner SVP-Nationalrätin Vroni Thalmann-Bieri.
- Sie unterstützt die Bundesratskandidatur von Amtskollegin und Mutter Céline Amaudruz.
- Eine eigene Kandidatur schliesst die Luzernerin trotzdem nicht aus.
Céline Amaudruz ist bisher die einzige Favoritin der SVP, die Guy Parmelin im Bundesrat beerben will. Die Zürcher Regierungsrätin Natalie Rickli, der Nationalrat Pascal Schmid oder die Ständerätin Esther Friedli haben abgesagt.
SVP-Nationalrätin Vroni Thalmann-Bieri unterstützt Céline Amaudruz’ Bereitschaft. «Ich habe sie als sehr zielstrebig, aufgeschlossen und als Vize-Präsidentin der SVP Schweiz sehr engagiert erlebt.» Dies sagt sie zu Nau.ch über die Genferin.
Mit ihrer Kandidatur hat Amaudruz eine Debatte über ihre Rolle als Mutter ausgelöst. Denn: Obwohl sie zwei kleine Kinder hat, traut sich die 47-Jährige das strenge Amt zu. Die Zeit, in denen sie für ihre Töchter da sein kann, dürfte im Falle einer Wahl spärlich sein.
«Wofür hat man denn Kinder?»
«Mami» ist einer von Vroni Thalmann-Bieris Spitznamen. Dies verrät sie im Steckbrief auf ihrer Website. Nicht nur deshalb überrascht auf den ersten Blick, dass sie ihre Amtskollegin unterstützt.
«Ich brachte vielleicht weniger in die Arbeitswelt ein. Dafür bot ich meinen Kindern noch Nestwärme», sagte die Luzernerin vor rund einem Jahr. Im damaligen Artikel kritisierte sie, dass Eltern ihren Kindern nicht mehr viel vorleben könnten, weil sie nicht zu Hause seien.
«Ich habe nie die Haltung gehabt, dass Frauen zu Hause am Herd bleiben sollen», stellt Thalmann-Bieri nun klar. Auch die SVP unterstütze Frauen, die Karriere machten. «Es ist ein Vorurteil, dass die SVP ihre Frauen nicht fördert.»
Ob die Mutter oder der Vater zu den Kindern schaue, sei egal, sagt sie. «Aber jemand von beiden muss für die Kinder da sein.»
Es sei schlimm, wenn Kinder dauernd fremdgehütet würden. «Wofür hat man denn Kinder? Um sie abzugeben?», platzt es aus ihr heraus.
«Würde mir eine Kandidatur überlegen»
Die 57-jährige Bäuerin ist Mutter dreier erwachsener Kinder im Alter zwischen 28 und 32 Jahren und zweifache Grossmutter. Selber hätte sie mit kleinen Kindern jedoch nicht für den Bundesrat kandidiert. «Zusammen mit der Arbeit auf dem Bauernbetrieb wäre es für mich ein No-Go gewesen.»
In die Politik sei sie auch erst eingestiegen, «als ich Luft hatte». Seit 2004 ist sie Sozialvorsteherin der Gemeinde Flühli-Sörenberg LU. Von 2007 bis 2023 war sie Kantonsrätin im Kanton Luzern. Den Sprung in den Nationalrat schaffte sie vor drei Jahren.
Am Freitag läuft die Anmeldefrist für die Bundesratskandidaturen ab. Erst am Mittwoch kam mit dem Solothurner SVP-Nationalrat Rémy Wyssmann eine zweite Kandidatur dazu. Der Run auf das hohe Amt bleibt damit auch kurz vor Ablauf der Frist aus.
Vroni Thalmann-Bieri sagt auf Anfrage, sie habe keine Bundesratsambitionen. Schliesslich sei sie erst seit drei Jahren im Nationalrat. «Ich sage aber niemals nie.»
Sie verfüge über mehr als 20 Jahre Exekutiverfahrung, sagt Thalmann-Bieri. Auch habe sie als Sozialvorsteherin mit Asylthemen, Sozialwesen und Gesundheit zu tun.
«Ich könnte mir jedes Departement vorstellen.» Sie habe in ihrer Gemeinde das ganze Spektrum auf dem Tisch. «Und eine Menge Lebenserfahrung dazu.»

Neben Céline Amaudruz hätte sie aber am liebsten einen Mann auf dem Bundesratsticket. «Sollte die Partei plötzlich mich aufs Ticket nehmen wollen, würde ich mir eine Kandidatur überlegen.» Dies sagt sie mit einem Augenzwinkern. «Jetzt haben wir unser Land ja verpachtet.»
«Es braucht ein Miteinander wie in jeder Familie»
In die Bresche zu springen, ist sich das «Mami» gewohnt. «Ich sei das ‹Mami› von denen, die nicht wüssten, was zu machen sei», erklärt Thalmann-Bieri ihren Spitznamen.

Ob in der Politik, in den Vereinen oder der Verwandtschaft heisse es oft «s Vroni macht’s», sagt sie. Sie könne verlieren, ohne nachtragend zu sein.
Es brauche eine Auswahl an Kandidierenden, findet sie. «Und wenn es noch gelingt, dann packe ich es an.» Überhaupt suche sie Lösungen und hole bei Konflikten alle an einen Tisch. «Es braucht nicht ein Gegeneinander, sondern ein Miteinander wie in jeder Familie.»
Zumindest in dieser Hinsicht dürfte sie punkten. Denn auch im Bundesrat dürfte Harmonie nicht schaden. «Auf alle Fälle werde ich die eingegangenen Bewerbungen prüfen und mich dann entscheiden», sagt die Nationalrätin.
























