«Stiller Killer»: Schweizer unterschätzen Gefahr durch Hitze
Die Schweiz steuert nach der jüngsten Hitzewelle bereits auf die nächste zu. Eine Expertin erklärt, warum die Hitze für den Körper so gefährlich ist.

Das Wichtigste in Kürze
- Nach der jüngsten Hitzewelle steht der Schweiz bereits die nächste bevor.
- Hitze belastet Herz, Kreislauf und Organe und gilt als tödlichste Naturgefahr der Schweiz.
- Viele Menschen unterschätzen laut einer Expertin ihr persönliches Gesundheitsrisiko.
Kaum ist die erste grosse Hitzewelle des Sommers überstanden, rollt bereits die nächste auf die Schweiz zu.
Meteorologen erwarten in den kommenden Tagen erneut Temperaturen von deutlich über 30 Grad. Insbesondere im Flachland dürfte es wieder drückend heiss werden.
Bereits in den vergangenen rund zwei Wochen kletterte das Thermometer vielerorts auf Rekordwerte. Für weite Teile der Schweiz galt zeitweise die höchste Hitzegefahrenstufe.
Über 1300 Hitzetote in zehn Tagen
Auch europaweit hatte die Hitzewelle dramatische Folgen: Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurden seit dem 21. Juni mehr als 1300 zusätzliche Todesfälle im Zusammenhang mit den hohen Temperaturen registriert.
Wie viele Menschen in der Schweiz an den Folgen der Hitze gestorben sind, ist derzeit noch nicht bekannt. Nau.ch berichtete über zusätzliche belastete Notfallstationen.
Fest steht aber: Hitze ist längst nicht nur unangenehm, sondern kann für den menschlichen Körper zur ernsthaften Gefahr werden.
«Oftmals wird das Risiko unterschätzt oder gar nicht als solches erkannt.» Das sagt Martina Ragettli vom Schweizerischen Tropen- und Public Health-Institut (Swiss TPH) im Gespräch mit Nau.ch.
Eine repräsentative Befragung aus dem Jahr 2023 habe gezeigt: Rund die Hälfte der über 50-Jährigen nimmt Hitze nicht als Risiko für die eigene Gesundheit wahr.
Besonders alarmierend: Selbst in den eigentlichen Risikogruppen schätzten viele ihre Gefährdung falsch ein.

Laut Ragettli hielt sich rund ein Drittel der Menschen ab 75 Jahren nicht für besonders gefährdet. Das Gleiche gilt für die Gruppe der über 50-Jährigen mit chronischen Erkrankungen.
Hitze setzt Herz und Kreislauf unter Druck
Doch: Ab Temperaturen von 35 Grad gerät der Körper zunehmend unter Stress. Um sich abzukühlen, muss das Herz deutlich mehr arbeiten und der Organismus verliert über das Schwitzen Flüssigkeit.
Dadurch würden Herz-Kreislauf-System und andere Organe zusätzlich belastet, erklärt Ragettli.
Vor allem bei älteren Menschen oder Personen mit Vorerkrankungen könnten sich Herz-Kreislauf-, Atemwegs- oder Nierenerkrankungen verschlimmern. Auch Menschen mit Demenz oder Diabetes gehörten zu den besonders gefährdeten Gruppen.
Doch verschont bleiben auch Jüngere nicht. «Auch jüngere, gesunde Menschen können bei extremer Hitze gesundheitliche Probleme entwickeln. Insbesondere bei körperlicher Anstrengung oder wenn sie zu wenig trinken», erklärt die Expertin.
Die Folgen von Hitze reichen generell von einer verminderten Leistungsfähigkeit bis hin zu Notfall-Spitaleintritten. Jedes Jahr seien in der Schweiz mehrere Hundert Todesfälle auf Hitze zurückzuführen.
Damit sei sie die Naturgefahr mit den meisten Todesopfern im Land. Weil ihre Auswirkungen oft nicht unmittelbar sichtbar seien, werde Hitze auch als «stiller Killer» bezeichnet.
Diese Menschen tragen das grösste Risiko
Besonders gefährdet sind laut Ragettli ältere Menschen.
Zur Risikogruppe zählen ausserdem pflegebedürftige Personen, Menschen mit chronischen Krankheiten, Schwangere und kleine Kinder. Sowie Menschen, die beruflich draussen unter der prallen Sonne arbeiten.
Für sie können bereits wenige Tage mit extremer Hitze erhebliche gesundheitliche Folgen haben. Mit ganz einfachen Verhaltensanpassungen lassen sich jedoch gesundheitliche Folgen vermeiden: Körperliche Anstrengungen meiden, Hitze fernhalten – Körper kühlen, viel trinken, leicht essen.
Sport lieber früh am Morgen
Trotz Temperaturen von über 30 Grad waren während der Hitzewelle Jogger und andere Freizeitsportler in der prallen Sonne unterwegs.
Wer Sport treiben wolle, sollte dies möglichst in den frühen Morgenstunden tun. Die intensive Sonneneinstrahlung zwischen 11 und 15 Uhr sowie die heisseste Tageszeit zwischen 15 und 18 Uhr sollten gemieden werden.
Zudem empfiehlt sie, möglichst im Schatten zu trainieren sowie eine Kopfbedeckung zu tragen. Und: Sonnencreme zu verwenden und regelmässig Trinkpausen einzulegen.
Schlechter Schlaf macht müde und unkonzentriert
Nicht nur tagsüber, sondern auch nachts belastet die Hitze den Körper. Bleiben die Temperaturen hoch, leidet oft der Schlaf.

«Wenn Nächte zu warm sind, schläft man oft schlechter und weniger tief», sagt Ragettli.
Am nächsten Tag fühlten sich viele Menschen müde, könnten sich schlechter konzentrieren und seien schneller gereizt. Auch Leistungsfähigkeit und Reaktionsgeschwindigkeit liessen nach.
Zur Abkühlung empfiehlt das Bundesamt für Gesundheit kühles oder lauwarmes Wasser. Eiskalte Duschen seien dagegen weniger sinnvoll, weil der Körper anschliessend wieder Energie aufwende, um sich auf seine normale Temperatur aufzuwärmen.











