Stadt lädt zum Empfang beim Bümplizer Dorfbrunnen
Aus Anlass des 100-Jahre-Jubiläums des Zusammenschlusses mit Bümpliz lädt die Stadt Bern am 6. Januar 2019 zu einem Empfang am Dorfbrunnen.

Den Brunnen schenkte die Stadt 1919 ihrem dazugewonnenen Stadtteil als Willkommenspräsent.
Die 100-Jahr-Feier für geladene Gäste, unter ihnen Regierungsrätin Evi Allemann sowie die Gemeindepräsidien der umliegenden Gemeinden, bildet den Auftakt für verschiedene Anlässe und Beiträge im Jubiläumsjahr 2019.
So erscheint im Januar unter dem Titel «Timeline» ein reich bebildertes Magazin mit den wichtigsten Ereignissen der Bümplizer Geschichte der vergangenen 100 Jahre. Dazu gehört auch ein Kapitel zu zwei Charakterköpfen aus Bümpliz: dem Schriftsteller Carl Albert Loosli (1877-1959) und dem Buchdrucker Albert Benteli (1867-1944).
Carl Albert Loosli gegen Alteingesessene
Die höchst ungleichen Persönlichkeiten - der scharfzüngige Philosoph und der schöngeistige Unternehmer - arbeiteten als Redaktor und Verleger des "Berner Boten" zusammen. Loosli sprach sich in seinen Artikeln strikt gegen den Machtmissbrauch von Politikern und Behörden aus.
Auch verurteilte der Schriftsteller jegliche Bevormundungen durch den Staat, wie er diese als ehemaliges Verdingkind selbst schmerzlich erfahren hatte. Nicht zuletzt wegen des angriffigen Tons seines Redaktors habe Verleger Benteli die Herausgabe des "Berner Boten" einstellen müssen, schreibt Stadtarchivar Roland Gerber im Magazin "Timeline".
Benteli und Loosli setzten sich beide für den Zusammenschluss von Bümpliz mit Bern ein - an Seite der Gewerbetreibenden, die sich gegen die alteingesessenen Bauern und Grundbesitzer stellten.
Politischer Coup an Gemeindeversammlung
Schon zehn Jahre vor der Eingemeindung landeten die beiden 1908 an einer Gemeindeversammlung einen politischen Coup: Gegen den Widerstand der alteingesessenen Bauern erreichten sie die Verschiebung der Versammlungen von Samstag- auf Sonntagnachmittag.
So konnten in der Folge auch Angestellte und Arbeiter, die damals an Samstagen noch arbeiten mussten, ohne Lohneinbussen an der Gemeindeversammlung teilnehmen.
Bei den Alteingesessenen sass der Schrecken nach verlorener Abstimmung so tief, dass sie gegen den "Drahtzieher" Loosli Strafanzeige wegen Verleumdung einreichten. "Die längst überfällige Demokratisierung und Modernisierung von Bümpliz konnten sie mit diesem Störmanöver jedoch nicht mehr aufhalten", schreibt der Stadtarchivar.
Die legendäre Gemeindeversammlung vom 26. Dezember 1908 findet sich auch in Looslis ca. 1945 entstandenem Roman "Es starb ein Dorf". Darin schildert der Schriftsteller den krisenhaften Niedergang des ehemaligen Pfarr- und Bauerndorfs Wydenau - unverkennbar ist Bümpliz gemeint - zum unselbständigen Vorort Berns.






