Abfallentsorgung in der Stadt Bern: Farbsäcke sind Geschichte!

Keystone-SDA Regional
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Bern,

Die Stadtregierung von Bern stoppt das umstrittene Farbsack-Trennsystem und setzt stattdessen auf die Container-Entsorgung.

Stadt Bern
Der Pilotversuch mit einem Farbsacktrennsystem läuft 2026 aus. - keystone

Die Berner Stadtregierung zieht bei der Abfallentsorgung die Reissleine: Die umstrittenen Pläne für ein stadtweites Farbsack-Trennsystem werden nicht weiterverfolgt. Das laufende Pilotprojekt soll per Ende März 2026 beendet werden.

Bern stoppt das Farbsack-Trennsystem. Richtige Entscheidung?

Wirtschaftliche und ökologische Gründe sprächen gegen das System, teilte der Gemeinderat am Freitag mit. Er setzt nun ganz darauf, möglichst grosse Abfallmengen in Containern zu entsorgen.

Matthias Aebischer
Gemeinderat Matthias Aebischer (SP). - Stadt Bern

Je mehr Abfall in Containern statt in Kehrichtsäcken bereitgestellt wird, desto besser für die Rücken der Müllmänner. «Jeder Container zählt», sagt Gemeinderat Matthias Aebischer (SP).

An der Containerpflicht für die Grundeigentümer hält die Stadtregierung deshalb grundsätzlich fest – allerdings nur dort, wo der Platz vorhanden ist und rechtlich nichts dagegen spricht.

«Flexibles und pragmatisches Vorgehen»

In einem ersten Schritt sollen Hauseigentümer im Stadtteil Mattenhof-Weissenbühl die kostenlosen Container erhalten.

Aebischer sprach von einem «flexiblen und pragmatischen Vorgehen». Das Ziel sei, rasch möglichst viele Container auszuliefern.

Zuerst würden jene Liegenschaften beliefert, für die ein geeigneter Container-Standort auf privatem Grund zweifelsfrei festgelegt werden könne. In einem zweiten Schritt folgten «komplexere Fälle».

Können auf einem Grundstück keine Container aufgestellt werden, muss der Hauseigentümer grundsätzlich eine Ersatzabgabe bezahlen. Für solche Fälle sollen aber sukzessive Möglichkeiten für Containerstandorte im öffentlichen Raum angeboten werden.

Nach dem Mattenhof folgt die Einführung des Konzepts in den übrigen Stadtteilen – mit Ausnahme der Unesco-geschützten Innenstadt.

Das Ende des Farbsack-Systems

Das Volk hatte 2021 Ja gesagt zu Containerpflicht und Farbsäcken. Die Umsetzung erwies sich aber als äusserst knifflig. Nun soll der Stadtrat das abgespeckte Konzept genehmigen.

Das erste Farbsacktrennsystem der Schweiz soll in der Stadt Bern während einem Jahr getestet werden - Keystone
Das Volk hatte 2021 Ja gesagt zu Containerpflicht und Farbsäcken. - Community

Das Parlament soll eine Million Franken für die Umsetzungsplanung und 1,1 Millionen Franken für Container sprechen.

Zudem soll der Stadtrat den Verzicht auf die Farbsack-Abfuhr absegnen. Die im Abstimmungsbüchlein von 2021 propagierte Idee war, dass die Einwohnerinnen und Einwohner ihren Separatmüll wie Glas, Büchsen, PET-Flaschen und Plastik zuhause in verschiedenfarbigen Säcken trennen und diese jederzeit in Containern vor ihrem Haus entsorgen können.

Der Pilotversuch war anfangs beliebt. Das Interesse sank aber stark ab April 2024, wie aus den Stadtratsunterlagen hervorgeht. Denn seither kosten die Säcke etwas.

Kostenfrage: Farbsäcke vs. Container

Damit die Farbsäcke ökologisch eine Wirkung hätten, müssten mehr als 20 Prozent der Bevölkerung mitmachen. Das scheint den Behörden aufgrund des Pilotversuchs unrealistisch.

Finanziell wäre das System nur mit sehr hohen Sackpreisen tragbar. Bei einer Teilnahme von 5 bis 10 Prozent müssten Rollen über hundert Franken kosten statt wie heute 4,95 Franken. Zudem wären zusätzliche Container nötig.

Der Verzicht aufs Farbsack-System bedeute zwar weniger Komfort für die Bevölkerung, räumt der Gemeinderat ein.

Dafür seien keine Extra-Touren und Extra-Säcke mehr nötig. Für Kunststoffe gebe es seit 2025 mit RecyPac ohnehin ein anderes Sammelsystem.

Kommentare

User #5319 (nicht angemeldet)

Da wurde vor 4 Jahren abgestimmt und das Volk sagt ja zum Farbsack! Und am Schluss machen sie, wie sie wollen. Dss ist unsere Politik! Gehst du am 28. Septwmber abstimmen?

User #8043 (nicht angemeldet)

Guter schachzug. Man muss ersatzabgabe zahlen, auch wenn der container aus platzgründen nicht aufgestellt werden kann. Ein weiterer raubzug auf unser portemonnaie. Also offiziell güselkonzept begraben, aber der bürger muss gleichwohl blechen. Neue steuer. Nach regenwassergebühr auch güselgebühr und zuletzt dann noch baumgebühr und zu allerletzt noch sonnengebühr. Erfinderisch diese stadtberner. Wählt sie und blecht.

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