St. Gallen lockt mit neuen Plätzen die Camper an
Der Wohnmobilstellplatz im Pfauengässli in St. Gallen wird von drei auf acht Plätze erweitert. Rolf Järmann erklärt, welches Potenzial darin steckt.

Drei Stellplätze gibt es derzeit im Pfauengässli in St. Gallen. Noch stehen die Wohnmobile auf einer eher kleinen Fläche hinter einem Gebäude. Doch genau hier soll sich in den nächsten Wochen einiges verändern.
Fünf zusätzliche Plätze kommen dazu. Damit können künftig acht Wohnmobile gleichzeitig mitten in der Stadt übernachten. Rolf Järmann, Geschäftsführer von Wohnmobilland Schweiz, steht auf dem bestehenden Stellplatz und erklärt, wie es weitergeht.
«Das ist der aktuelle Stellplatz Pfauengässli. Hier haben wir gerade drei Plätze. Der neue wird hinter dem Gebäude sein.» Die drei bestehenden Plätze gibt es erst seit dem 1. April dieses Jahres. Trotzdem zeigen die ersten Monate bereits, dass das Angebot auf Interesse stösst.
«Im September hatten wir eine Auslastung von 50 Prozent. Obwohl wir nur drei Plätze hatten, kamen wir allein im September auf 45 Übernachtungen», sagt Järmann. Auch die Stadt St. Gallen sei auf die Entwicklung aufmerksam geworden. Im Sommer sei sie auf Wohnmobilland Schweiz zugegangen und habe weitere Flächen angeboten.

«Die Stadt hat uns gesagt, das sei schon eine gute Idee und sie hätten noch mehr Platz zur Verfügung.» Gemeinsam sei nach einer Lösung gesucht worden. Die Baubewilligung für die Erweiterung liegt laut Järmann seit Freitag vor.
Bevor die Wohnmobilisten auf die neuen Plätze fahren können, müssen allerdings noch die bisherigen Mieter auf der Fläche umgesiedelt werden. Danach werden die Stellplätze markiert und beschriftet. Der Zeitplan ist ambitioniert.
«Ziel wäre, die Eröffnung am 1. November zu feiern», sagt Järmann. Gleichzeitig hält er fest: «Wir sind auch schon zufrieden mit dem 1. Januar, wenn es dann klappt.»
29 Franken für eine Nacht
Das Angebot richtet sich an Wohnmobilisten, die St. Gallen besuchen und dabei möglichst zentral stehen möchten. Eine Übernachtung kostet 29 Franken. Darin ist die Gästetaxe bereits enthalten.
Diese wurde von der Stadt St. Gallen in diesem Sommer erhöht und beträgt mittlerweile sieben Franken für zwei Personen. Zusätzlich erhalten die Gäste ein ÖV-Ticket. Damit können sie den öffentlichen Verkehr nutzen und beispielsweise bis nach Rorschach an den Bodensee fahren.
«Wir hätten es eigentlich gerne günstiger gehabt», sagt Järmann über den Preis. In einer Innenstadt sei das jedoch kaum möglich. Zum Vergleich verweist er auf die Kosten für das Parkieren in der Stadt.
Wer mit dem Wohnmobil nach St. Gallen komme, einkaufe und eine Nacht bleibe, könne mit dem Stellplatzangebot eine Alternative zum normalen Parkieren nutzen. Järmann ist überzeugt, dass die Stadt damit auch Gäste erreicht, die sonst möglicherweise gar nicht mit dem Wohnmobil nach St. Gallen fahren würden.
«Es kommen sicher Touristen in die Stadt, die sonst nicht kommen würden, wenn sie nicht wissen, wo sie parkieren können.» Für Wohnmobilland Schweiz hat das Projekt deshalb eine besondere Bedeutung. Der Verein wurde 2020 gegründet und setzt sich dafür ein, dass in der Schweiz mehr Stellplätze für Wohnmobile entstehen.
«Für uns ist das ein wichtiges Zeichen», sagt Järmann. Gerade in urbanen Zentren gebe es zu wenige Möglichkeiten. «In Schweizer Städten werden die Autos immer mehr verbannt. Hier in St. Gallen dürfen wir 150 Meter von der Fussgängerzone entfernt einen Stellplatz haben. Das ist sensationell.»

Mit dem Wohnmobil direkt in die Stadt fahren, einkaufen, essen gehen und danach zu Fuss zurück zum Fahrzeug: Genau diese Möglichkeit mache den Platz attraktiv. Ein Leuchtturmprojekt Dass Wohnmobilland Schweiz den Stellplatz selbst betreibt, ist allerdings eine Besonderheit. Eigentlich sei dies nicht das Ziel des Vereins gewesen.
«Wir als Verein betreiben eigentlich keinen Stellplatz», sagt Järmann. Als das Angebot aus St. Gallen gekommen sei, habe man es aber nicht ausschlagen wollen. «Als wir das Angebot bekamen, kam es für uns nicht infrage, dass dieses Angebot einfach verfällt.» Deshalb kümmert sich der Verein nun auch um den Betrieb.
Dafür wurden Mitglieder aus St. Gallen angeschrieben. Gesucht wurden Personen, die regelmässig beim Stellplatz nach dem Rechten sehen. Inzwischen haben sich fünf Vereinsmitglieder bereit erklärt, diese Aufgabe zu übernehmen.
Sie kontrollieren unter anderem, ob die Übernachtungen bezahlt wurden und ob auf dem Platz alles in Ordnung ist. Das funktioniere bereits bei den drei bestehenden Stellplätzen gut. «Wir investieren viel Zeit in den Platz. Wir lernen dabei viel und können Dinge anpassen.»
Finanziell sei das Projekt trotz des kleinen Umfangs bisher ebenfalls positiv. «Obwohl wir neu sind und nur drei Plätze haben, machen wir auf keinen Fall Verlust», sagt Järmann. Überrascht habe ihn vor allem, wie gut der bestehende Platz angenommen werde. Das, obwohl das Rangieren dort nicht ganz einfach sei. Beim neuen Standort soll dies einfacher werden.
«Boom wird grösser»
Dass die Nachfrage nach Stellplätzen weiter steigen dürfte, davon ist Järmann überzeugt. «Der Boom wird immer grösser. Es werden immer mehr Wohnmobile verkauft. Die Leute wollen individuell unterwegs sein und individuell Ferien machen.» Allein in der Schweiz seien aktuell rund 120’000 Wohnmobile zugelassen.
«Die werden nicht mehr verschwinden, sie wechseln höchstens den Besitzer.» Demgegenüber stehen laut Järmann rund 480 Stellplätze in der Schweiz. Insgesamt gebe es damit Platz für etwa 4800 Wohnmobile.
«Es gibt noch zu wenig Stellplätze.» St. Gallen sei deshalb ein wichtiges Beispiel dafür, wie eine Stadt mit dem wachsenden Bedürfnis umgehen könne. Järmann spricht von einem «Leuchtturmprojekt». Besonders bemerkenswert sei der Standort mitten in der Stadt.
Auch das Bach-Areal bleibt
In St. Gallen gibt es allerdings noch eine weitere Möglichkeit für Wohnmobilisten: das Bach-Areal. Rolf Järmann unterscheidet die beiden Angebote klar. «Das Bach-Areal ist ein privates Areal der SBB. Wir haben mit dem den Verantwortlichen des Areals gesprochen und stellen dort eine Entsorgungsstelle für Grau- und Abwasser zur Verfügung.»
Wohnmobilland Schweiz unterstützt diese Entsorgungsstelle mit 5000 Franken. Mit dem eigentlichen Stellplatz auf dem Bach-Areal habe der Verein ansonsten nichts zu tun. Dort gibt es laut Rolf Järmann einen Platz mit Vollausstattung für Camper.
Das Pfauengässli richtet sich dagegen an jene Wohnmobilisten, die möglichst nahe am Stadtzentrum stehen möchten. Voraussetzung ist allerdings ein eigenes WC im Wohnmobil. Wer keines hat, muss auf das Angebot beim Bach-Areal ausweichen.
Ganz dauerhaft ist das Angebot allerdings nicht. Das Areal «Stellplatz Pfauengässli» ist als temporärer Stellplatz vorgesehen, weil die HSG dort bauen soll. Der Vertrag von Wohnmobilland Schweiz für die Fläche läuft vorerst bis 2029.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst in den «St. Galler Nachrichten» erschienen.








