Sozialhilferisiko für über 46-Jährige hat stark zugenommen

    Keystone-SDA
    Keystone-SDA

    Bern,

    Schon ab 46 Jahren steigt das Risiko, in der Sozialhilfe zu landen. Auch für Personen ohne Ausbildung wird es immer schwieriger, ein Einkommen zu erzielen.

    Sozialhilfe
    Gegen die vorzeitige Entsorgung älterer Menschen Arbeitsmarkt: Kundgebung von Aktivisten und Aktivistinnen des Vereins «50plus» im April 2015 in Bern. Schon ab Mitte 40 steigt in der Schweiz das Risiko, in er Sozialhilfe zu landen. (Archivbild) - sda - KEYSTONE/LUKAS LEHMANN

    Das Wichtigste in Kürze

    • Über 46-Jährige haben ein klar höheres Risiko, zu Sozialhilfebezügern zu werden.
    • Auch wer keine Berufsausbildung absolviert hat, landet zunehmend in der Sozialhilfe.
    • Im Jahr 2018 waren die Sozialhilfequoten generell stabil.

    Wer ohne Berufsabschluss oder über 46 Jahre alt ist, hat ein deutlich höheres Risiko, in der Sozialhilfe zu landen. 54 Prozent der Sozialhilfebezüger in den 14 Schweizer Referenzstädten haben keine Berufsausbildung. Generell waren die Sozialhilfequoten 2018 stabil.

    Dies zeigt die Langzeitbetrachtung der Städteinitiative Sozialpolitik zum 20-jährigen Bestehen des Monitorings. Sie hat die neusten Kennzahlen zur Sozialhilfe in der Schweiz am Dienstag in Bern vorgestellt. In 8 der 14 Referenzstädte blieb die Sozialhilfequote im letzten Jahr stabil, in 6 Städten ging sie zurück (siehe Extra).

    Sozialhilfe
    Eine Seniorin bei der Schuldenberatung (Symbolbild). - Keystone

    Die Langzeitbetrachtung zeigt, dass es für Personen ohne Berufsabschluss immer schwieriger wird, ein sicheres Einkommen zu erzielen. Sie landen deshalb zunehmend in der Sozialhilfe. Die Wirtschaft verlangt vermehrt nach hoch qualifizierten Personen.

    Risiko für über 46-Jährige zugenommen

    Im vergangenen Jahrzehnt hat das Sozialhilferisiko bei den 46- bis 55-Jährigen von 4,9 auf 5,7 Prozent zugenommen; bei den 56 bis 64-Jährigen sogar stark, von 3,3 auf 4,8 Prozent. Dagegen ist das Risiko für die 18- bis 35-Jährigen in den letzten zehn Jahren kontinuierlich gesunken.

    Für die 46- bis 64-Jährigen kommen laut Städteinitiative verschiedene Problembereiche zusammen: sie fallen dem Strukturwandel in der Wirtschaft zum Opfer, finden generell nicht mehr so leicht eine Stelle in diesem Alter, haben keine oder eine nicht mehr passende Berufsbildung oder kämpfen mit gesundheitlichen Problemen.

    Sozialhilfe
    Für Personen ohne Berufsausbildung wird es zunehmend schwerer, ein Einkommen zu generieren. (Symbolbild) - Keystone

    Angesichts dieser Befunde begrüsst die Städteinitiative Sozialpolitik die vom Bundesrat vorgeschlagene Überbrückungsleistung für ausgesteuerte Personen ab 60 Jahren, wie sie in ihrer Mitteilung zum Medienanlass schreibt. Dies sei ein kleiner, aber wichtiger Schritt und könne eine Lücke im Sozialsystem schliessen.

    Durchschnittliche Bezugsdauer von 46 Monaten

    Auch ein Vorstoss des Solothurner FDP-Nationalrats und Städteverbandspräsidenten Kurt Fluri zielt für die Städteinitiative in die richtige Richtung. Die Motion verlangt, dass der Bund 40 Millionen Franken zur Verfügung stellt, um Grundkompetenzen und berufliche Qualifizierung von Sozialhilfebeziehenden zu fördern.

    Zwar sinkt der Anteil neuer Sozialhilfebezüger in den Städten tendenziell, wer aber Sozialhilfe bezieht, ist länger darauf angewiesen, wie die neusten Kennzahlen zeigen. Die durchschnittliche Bezugsdauer liegt bei 46 Monaten.

    Kommentare

    Weiterlesen

    ergänzungsleistungen
    154 Interaktionen
    Ergänzungsleistungen
    d
    654 Interaktionen
    Nach Kritik
    d
    1'003 Interaktionen
    Nach SVP-Kritik

    MEHR AUS STADT BERN

    Die 27-jährige Flügelstürmerin Josephine Afua Kyerewaa Bonsu. - Daniel Zaugg
    2 Interaktionen
    Neu bei YB
    Kuratorin Kathleen Bühler.
    Kunstmuseum Bern
    Fribourg-Gottéron SC Bern
    National League
    26 Interaktionen
    «Wichtige Entlastung»