Skibeiz nimmt keine Reservationen mehr an – wegen Magic-Pass
Mehrere Skigebiete, die neu dem Magic Pass beigetreten sind, ziehen eine positive Festtagsbilanz. In Gstaad wurden 35 Prozent mehr Ersteintritte registriert.

Das Wichtigste in Kürze
- Verschiedene Skigebiete ziehen eine positive Festtagsbilanz.
- Vor Weihnachten und nach Silvester kamen deutlich mehr Gäste nach Gstaad als im Vorjahr.
- Ein Bergrestaurant verzichtet – auch wegen des Magic Pass – auf Tischreservationen.
Die Festtage bescherten den Skigebieten zwar Traumwetter, doch vielerorts fehlte der Schnee. Wer auf den Skipisten unterwegs war, musste fast überall auf Kunstschnee ins Tal fahren. Von Naturschnee und weichen Pisten konnte in den allermeisten Skigebieten nur geträumt werden.
Immerhin zeigte sich das Wetter in den Bergen während der Hochsaison von seiner besten Seite. Während sich im Flachland der Nebel hartnäckig hielt, herrschten in den Bergen tagelang blauer Himmel und strahlender Sonnenschein.
Ist der Magic Pass schuld am Gästeandrang?
Das machte sich auch auf den Pisten der Destination Gstaad im Berner Oberland bemerkbar. Wie eine Nau.ch-Leserin berichtet, seien über die Festtage extrem viele Schneesportlerinnen und Schneesportler unterwegs gewesen.
Sie ist überzeugt: «Das hat bestimmt auch mit dem Magic Pass zu tun.»
Gstaad ist dem Tarifverbund Magic Pass erst im vergangenen Frühling beigetreten. Der günstige Skipass kostet im Vorverkauf für ein ganzes Jahr nur 419 Franken. Fast 100 Skistationen sind in dem Pass inbegriffen.
Die Bergbahnen Destination Gstaad (BDG) bestätigen den Gästeandrang über die Festtage und sagen gegenüber Nau.ch: «Auffällig war, dass insbesondere in der Zeit vor Weihnachten sowie am Wochenende nach Silvester die Ersteintritte gesteigert werden konnten. Und dies um über 35 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.»
Ein Ersteintritt wird gezählt, wenn ein Gast an einem Tag das erste Mal durch ein Drehkreuz geht.
Magic Pass spricht neue Gästegruppen an
Dies deute darauf hin, dass der Magic Pass vor allem neue Gästegruppen anspreche. Jedoch ohne die Gesamtfrequenz während der eigentlichen Festtage deutlich zu erhöhen. Die Gesamtgästezahl über Weihnachten und Neujahr habe sich nämlich auf einem vergleichbar hohen Niveau wie im Vorjahr bewegt.
Aufgrund des Schneemangels konnten bislang nicht alle Anlagen und Pisten geöffnet werden. «Dies führte dazu, dass sich die Gäste stärker auf die verfügbaren Anlagen und Pisten konzentrierten», schreibt die BDG. «Dadurch entstand punktuell der Eindruck eines erhöhten Gästeaufkommens.»

Nebst den vollen Pisten fielen der Nau.ch-Leserin auch volle Restaurants, Terrassen und Picknickräume auf. Sie schildert: «Ich wollte in einem Bergrestaurant fürs Mittagessen reservieren, doch am Telefon hiess es, man nehme keine Reservationen mehr an.»
Die Begründung sei dann gewesen: «Mit den vielen Leuten, die der Magic Pass bringt, können wir das nicht mehr machen.»
Tische werden reserviert, Gäste kommen aber nicht
Nau.ch hat beim betroffenen Betrieb nachgefragt. Und tatsächlich: Das Berghotel Hornberg in Saanenmöser bei Gstaad verzichtet inzwischen auf Reservationen. Der Entscheid stehe jedoch nicht ausschliesslich im Zusammenhang mit dem Magic Pass, betont das Restaurant.
«Es ist immer wieder vorgekommen, dass Tische reserviert wurden, dann aber leer blieben», begründet die Besitzerfamilie den Entscheid. Dass Gäste einfach nicht erschienen seien, sei «sehr ärgerlich». Mit der laufenden Wintersaison zeigt man sich jedoch zufrieden: «Die Saison war bis jetzt sehr gut!»

In Gstaad rechnete man bereits vor dem Start der Wintersaison mit einem Gästezuwachs durch den Beitritt zum Magic Pass. Entsprechend sei in den vergangenen Monaten gezielt in die Infrastruktur investiert worden.
«Es wurden zusätzliche Parkplätze realisiert und das Parkplatzkonzept insgesamt optimiert», heisst es. Zudem seien Investitionen in die technische Beschneiung erfolgt und das Angebot des öffentlichen Verkehrs sei ausgebaut worden.
Wer früh auf die Piste möchte, profitiert in Gstaad seit dieser Saison zudem von einem früheren Betriebsstart: Bereits um 8.30 Uhr fährt die erste Bahn, zuvor startete der Betrieb erst um 9 Uhr.
Positive Festtagsbilanz auch in anderen Skigebieten
Auch andere Skigebiete, die sich neu dem Magic Pass angeschlossen haben, ziehen eine positive Festtagsbilanz.
Bettina Hübscher, Geschäftsführerin der Sportbahnen Melchsee-Frutt, sagt gegenüber Nau.ch: «Aufgrund der guten Schnee- und Wetterverhältnisse konnten wir das Gebiet bereits eine Woche früher eröffnen. Und wir durften seitdem viele Schneesportlerinnen und Schneesportler bei uns begrüssen.»
Die Auslastung über die Weihnachts- und Neujahrstage entspreche ziemlich genau dem Vorjahr und den Erwartungen.
Der Magic Pass habe im Dezember lediglich zu rund fünf Prozent mehr Gästen geführt, teilt Hübscher mit. An einzelnen Spitzentagen sei es zwar zu mehr Andrang gekommen, grössere Engpässe konnten jedoch vermieden werden.
Auch am Hasliberg lasse sich ein direkter Zusammenhang zwischen Magic Pass und höherem Gästeaufkommen nicht eindeutig feststellen.
«Das ist über einen so kurzen Zeitraum schwierig zu beurteilen», heisst es seitens Simon Schmid. Er ist Leiter Marketing und Verkauf bei den Bergbahnen Meiringen-Hasliberg. Entscheidend seien über die Festtage vor allem Wetter, Schneeverhältnisse und die Lage der Feiertage gewesen.


















