Matterhorn

    Hüttenwart: «Leute klettern auf allen vieren aufs Matterhorn»

    Simon Ulrich
    Simon Ulrich

    Oberwallis,

    Fachleute kritisieren schlecht vorbereitete Berggänger und Social-Media-Jagd. Viele Zermatter Bergführer führen kaum noch Unbekannte auf den Gipfel.

    Matterhorn
    Hüttenwart und Bergführer Martin Lehner (r). klagt über gefährliche Besteigungen des Matterhorns. - Screenshot SRF/keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Die Hitze macht Hochtouren in den Alpen deutlich gefährlicher.
    • Am fast eisfreien Matterhorn steigt die Steinschlaggefahr besonders.
    • Fachleute kritisieren unerfahrene Bergsteiger und riskantes Verhalten.

    Die Hitze der vergangenen Wochen macht Hochtouren in den Alpen gefährlicher. Grund ist die sogenannte Ausaperung, das Abschmelzen einer Schnee- oder Eisdecke.

    «Die Ausaperung ist schon sehr weit fortgeschritten. Dadurch werden viele Hochtouren risikoreicher und technisch anspruchsvoller», erklärt Rita Christen, Präsidentin des Schweizer Bergführerverbands SBV, gegenüber SRF.

    Besonders deutlich zeigt sich das am Matterhorn. Der 4478 Meter hohe Berg ist derzeit fast vollständig schnee- und eisfrei. Dadurch fehlt der natürliche Halt, der sonst loses Gestein bindet. Die Steinschlaggefahr steigt.

    Am Sonntag starben am Matterhorn zwei Alpinisten. Sie stürzten beim Abstieg über den Hörnligrat aus noch ungeklärten Gründen ab.

    Rettungsspezialist warnt unerfahrene Berggänger

    Robert Andenmatten, Rettungsspezialist bei der Air Zermatt, warnt besonders unerfahrene Berggänger.

    Das Matterhorn sei «der gefährlichste Berg, den wir auf unserem Planeten haben», warnt er gegenüber SRF. Seit der Erstbesteigung starben dort mehr als 600 Menschen.

    Fachleute sehen das Hauptproblem aber nicht nur in der Natur, sondern auch im Verhalten vieler Bergsteiger.

    Hüttenwart
    Hüttenwart und Bergführer Martin Lehner. - Screenshot SRF

    Andenmatten sagt, viele beherrschten das Gehen am kurzen Seil nicht. Lange schleifende Seile könnten Steine lösen und andere Seilschaften gefährden.

    Auch Hüttenwartin Edith Lehner kritisiert fehlenden Respekt. «Wir haben nicht mehr nur Alpinisten am Berg, sondern Touristen. Aber das Matterhorn ist kein Disneyland.» Viele würden den Berg für Bilder auf Social Media besteigen.

    Hüttenwart und Bergführer Martin Lehner ergänzt: «Wir wissen, wie man auftreten muss und wie man gehen muss. Aber in den oberen Bereichen des Matterhorns sieht man Alpinisten, die stellenweise auf allen vieren unterwegs sind. Dabei treten sie Steine los oder machen sie mit den Händen locker.»

    Bergführer vermitteln weniger Touren

    Die Zermatter Bergführer reagieren deshalb. Sie vermitteln vorübergehend keine Touren mehr an ihnen unbekannte Gäste.

    Viele führen derzeit nur noch langjährige Privatgäste aufs Matterhorn oder verzichten ganz auf Besteigungen.

    Würdest du das Matterhorn besteigen?

    Martin Lehner bringt langfristig eine Begrenzung ins Spiel. Rund 30 gut vorbereitete Personen am Berg könnten die Gefahr reduzieren.

    Eine behördliche Sperrung lehnen die Bergführer aber ab. Die Berge seien offen für alle.

    Mehr zum Thema:

    Kommentare

    User #6430 (nicht angemeldet)

    Runter kommen sie alle wieder. in freiem Flug, im Leichensack am Helikopter hängend, mit der Rega, manchmal auch am Kletterseil. Aber immer die grosse Klappe haben

    User #3894 (nicht angemeldet)

    Ihr Walliser seid selber schuld. Erst macht ihr Werbung bis zum geht nicht mehr, ladet Influenzer ein und nun habt ihr den Salat. Zudem gibt es keine leichten 4000er wie es immer wieder zu hören ist.

    Weiterlesen

    Wanderung
    Über Berg und Tal
    Zermatt
    Am Matterhorn

    MEHR MATTERHORN

    Matterhorn
    160 Interaktionen
    Sonst weiss
    Hörnlihütte Matterhorn Zermatt
    14 Interaktionen
    Matterhorn
    rettung
    Am Matterhorn
    mattherhorn
    76 Interaktionen
    Nach Felssturz

    MEHR AUS WALLIS

    FC Sion
    Fussball
    2 Interaktionen
    Brandkatastrophe
    FC Sion
    Fussball
    Wolf
    57 Interaktionen
    Sitten