Hüttenwart: «Leute klettern auf allen vieren aufs Matterhorn»
Fachleute kritisieren schlecht vorbereitete Berggänger und Social-Media-Jagd. Viele Zermatter Bergführer führen kaum noch Unbekannte auf den Gipfel.

Das Wichtigste in Kürze
- Die Hitze macht Hochtouren in den Alpen deutlich gefährlicher.
- Am fast eisfreien Matterhorn steigt die Steinschlaggefahr besonders.
- Fachleute kritisieren unerfahrene Bergsteiger und riskantes Verhalten.
Die Hitze der vergangenen Wochen macht Hochtouren in den Alpen gefährlicher. Grund ist die sogenannte Ausaperung, das Abschmelzen einer Schnee- oder Eisdecke.
«Die Ausaperung ist schon sehr weit fortgeschritten. Dadurch werden viele Hochtouren risikoreicher und technisch anspruchsvoller», erklärt Rita Christen, Präsidentin des Schweizer Bergführerverbands SBV, gegenüber SRF.
Besonders deutlich zeigt sich das am Matterhorn. Der 4478 Meter hohe Berg ist derzeit fast vollständig schnee- und eisfrei. Dadurch fehlt der natürliche Halt, der sonst loses Gestein bindet. Die Steinschlaggefahr steigt.
Am Sonntag starben am Matterhorn zwei Alpinisten. Sie stürzten beim Abstieg über den Hörnligrat aus noch ungeklärten Gründen ab.
Rettungsspezialist warnt unerfahrene Berggänger
Robert Andenmatten, Rettungsspezialist bei der Air Zermatt, warnt besonders unerfahrene Berggänger.
Das Matterhorn sei «der gefährlichste Berg, den wir auf unserem Planeten haben», warnt er gegenüber SRF. Seit der Erstbesteigung starben dort mehr als 600 Menschen.
Fachleute sehen das Hauptproblem aber nicht nur in der Natur, sondern auch im Verhalten vieler Bergsteiger.

Andenmatten sagt, viele beherrschten das Gehen am kurzen Seil nicht. Lange schleifende Seile könnten Steine lösen und andere Seilschaften gefährden.
Auch Hüttenwartin Edith Lehner kritisiert fehlenden Respekt. «Wir haben nicht mehr nur Alpinisten am Berg, sondern Touristen. Aber das Matterhorn ist kein Disneyland.» Viele würden den Berg für Bilder auf Social Media besteigen.
Hüttenwart und Bergführer Martin Lehner ergänzt: «Wir wissen, wie man auftreten muss und wie man gehen muss. Aber in den oberen Bereichen des Matterhorns sieht man Alpinisten, die stellenweise auf allen vieren unterwegs sind. Dabei treten sie Steine los oder machen sie mit den Händen locker.»
Bergführer vermitteln weniger Touren
Die Zermatter Bergführer reagieren deshalb. Sie vermitteln vorübergehend keine Touren mehr an ihnen unbekannte Gäste.
Viele führen derzeit nur noch langjährige Privatgäste aufs Matterhorn oder verzichten ganz auf Besteigungen.
Martin Lehner bringt langfristig eine Begrenzung ins Spiel. Rund 30 gut vorbereitete Personen am Berg könnten die Gefahr reduzieren.
Eine behördliche Sperrung lehnen die Bergführer aber ab. Die Berge seien offen für alle.














