Schweizer trinken immer mehr Biomilch – Engpass droht!
43 Prozent der verkauften Schweizer Milch ist Bio. Die Nachfrage wächst schneller als die Produktion. Schon bald drohen Engpässe.

Das Wichtigste in Kürze
- Biomilch wird bei Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten immer populärer.
- Der Bioanteil bei Milch im Detailhandel liegt bereits bei 43 Prozent.
- Derzeit kann die Nachfrage gedeckt werden. Doch schon bald könnten Engpässe drohen.
Schweizerinnen und Schweizer trinken immer mehr Biomilch. Fast jeder zweite verkaufte Liter Milch ist aus biologischer Produktion.
Im Detailhandel liegt der Bioanteil bei Milch bereits bei 43 Prozent. Das zeigen aktuelle Marktdaten des Bundesamts für Landwirtschaft für Januar 2026, die das Amt kürzlich kommunizierte.
Auch verarbeitete Milchprodukte wie Joghurt, Butter oder Käse sind immer häufiger Bio. Je nach Kategorie von wenigen bis über 20 Prozent.
Schweizer haben mehr Vertrauen in Biomilch
Frederike Hänni von der Genossenschaft «Mooh» mit 3600 Milchproduzenten erklärt den Bio-Hype bei Nau.ch: «Themen wie Tierwohl, Nachhaltigkeit, regionale Produktion und Transparenz gewinnen zunehmend an Bedeutung.»
Dazu komme: «Bio-Produkte geniessen in der Schweiz ein hohes Vertrauen, was dazu geführt hat.»
Entsprechend habe man den Absatz an biologischer Milch in den letzten Jahren steigern können – im Gegensatz zu konventioneller Kuhmilch.
Preise bei Bio-Milch stabiler
Auch die Preisentwicklung spielt der Biomilch in die Karten. «Während sich der Biomilchpreis vergleichsweise stabil hält, steht der konventionelle Milchmarkt stärker unter Druck», erklärt Hänni.
Dadurch dürfte sich die Preisdifferenz zwischen Bio- und konventioneller Milch wieder vergrössern.
Doch kaum ein Bauer dürfte die Produktion jetzt deshalb auf Bio umstellen. Eine direkte Verdrängung sei kaum zu erwarten.
Denn: «Die Anforderungen und Regularien im Bio-Bereich sind anspruchsvoll und mit einer mehrjährigen Umstellungsphase verbunden. Das stellt eine hohe Hürde dar.»
Aktuell könne die Nachfrage nach Biomilch gedeckt werden. Es gibt sogar Überschüsse.
Im Sommer könnte Biomilch, die zu Frische- und Molkereiprodukten verarbeitet wird, jedoch knapp werden. Grund: Das saisonale Milchaufkommen ist nicht konstant.
«Viele Biobetriebe sind in Berggebieten, die ihre Milch im Sommer direkt auf den Alpen zu Käse verarbeiten. Im milchreichen Frühjahr gibt es hingegen auch bei der Biomilch Milchspitzen, die eine Herausforderung darstellen.»
Mit Folgen: «Auch in diesem Jahr muss die überschüssige Biomilch vermehrt im Export abgesetzt werden.»
Zentralschweizer Milchproduzenten warnen vor Bio-Knappheit
Langfristig könne die Deckung der Nachfrage eine Herausforderung darstellen – insbesondere saisonal.
Zusätzlich erschweren die Umstellungsdauer sowie die Anforderungen im Bio-Bereich eine kurzfristige Ausweitung der Produktion.
Temporäre oder regionale Engpässe seien daher möglich. Ein struktureller Mangel sei bei vorausschauender Planung jedoch nicht zwingend zu erwarten.
Die Zentralschweiz muss sich hingegen auf Engpässe einstellen.

André Bernet von den Zentralschweizer Milchproduzenten warnt bei Nau.ch: «Wir gehen davon aus, dass die Biomilch knapp werden könnte. Da in den vergangenen Jahren nur noch sehr wenige Milchproduzenten auf Biomilch umgestellt haben.»
Mehr noch: «Wenn man davon ausgeht, dass die Nachfrage nach Biomilch weiter wächst, könnte die Biomilch schon bald knapp werden.»
Neben der Bereitschaft, auf Bio umzustellen, macht Bernet auch verschärfte Fütterungsvorschriften dafür verantwortlich.
Bio-Joghurts dürfen keine Aromastoffe enthalten
Entwarnung gibt dafür die Bio-Molkerei Biedermann aus Bischofszell TG, eine Zweigniederlassung von Emmi. «Ein Engpass ist nicht in Sicht», sagt Verkaufsleiter Daniel Knill zu Nau.ch.
Und er nennt noch weitere Gründe für den Boom von Bio-Milch: «Für Biomilchprodukte gelten strengere Richtlinien bei der Herstellung und Verarbeitung der Milch. Zum Beispiel dürfen bei einem Bio-Fruchtjoghurt keine Aroma- oder Farbstoffe eingesetzt werden.»
Und generell seien Milchprodukte im Aufwind, etwa durch den Boom des proteinreichen Skyrs. «Dieser Effekt ist auch im Bio-Segment spürbar», so Knill.











