Schweizer Städte wollen prekäre Lage von Künstlern verbessern
Die Schweizer Städte wollen den sozialen Schutz der Kulturschaffenden stärken, die oft mit atypischen Berufsverläufen konfrontiert sind. Sie fordern insbesondere Anpassungen bei der AHV und der zweiten Säule sowie eine gerechtere Entlöhnung im Kultursektor.

Der Schweizerische Städteverband (SSV) und die Kulturkonferenz der Städte (KKS) setzen sich in einer am Dienstag veröffentlichten gemeinsamen Erklärung für bessere Arbeitsbedingungen ein. Eine «angemessene Vergütung» und eine «gute soziale Absicherung» seien notwendig, um die Kontinuität des kulturellen Schaffens zu gewährleisten, so ihre Einschätzung.
Den Städten kommt in diesem Bereich eine wichtige Rolle zu: Sie beherbergen laut eigenen Angaben rund 75 Prozent der Kulturinstitutionen und stellen etwa die Hälfte der öffentlichen Kulturförderung in der Schweiz bereit. Sie wollen daher «ihre Verantwortung wahrnehmen» und gleichzeitig die Kantone und den Bund zum Handeln auffordern.
Konkret könnten die Städte ihre Unterstützung für Kulturprojekte und -institutionen an die Einhaltung angemessener Löhne und die Zahlung von Sozialabgaben knüpfen. Ein Grossteil von ihnen befindet sich jedoch noch in der Planungsphase solcher Massnahmen, wie Benjamin Fröhlich vom Städteverband der Nachrichtenagentur Keystone-SDA am Dienstag sagte.
Einige haben diesen Schritt bereits vollzogen. Yverdon-les-Bains schreibt seinen Institutionen die Einhaltung der Lohnempfehlungen vor. Bern hat die Subventionen für bestimmte Projekte erhöht, um die Finanzierung von Löhnen und Sozialabgaben zu ermöglichen.
Lausanne hat einen Mindestlohn als Bedingung für die Gewährung von Subventionen ab 100'000 Franken eingeführt. Auch Zürich und Genf beabsichtigen laut Medienmitteilung, die Einhaltung der Lohnempfehlungen durch die von ihnen unterstützten Einrichtungen sicherzustellen.
Eine nachhaltige Verbesserung erforderte gemeinsame Anstrengungen auf allen staatlichen Ebenen, betonen beide Verbände in ihrer Mitteilung. Insbesondere die Kantone, die rund 40 Prozent der öffentlichen Kulturfinanzierung gewährleisteten, werden aufgefordert, diesem Beispiel zu folgen.
Die Städte wollen zudem die Bundesgesetzgebung an die «für den Kultursektor typischen atypischen Berufsverläufe» anpassen. Sie fordern mehr Zeit, um Lücken bei den AHV-Beiträgen zu schliessen, sowie einen erleichterten Zugang zur zweiten Säule durch die Senkung der Eintrittsschwelle.
Schliesslich fordern sie eine bessere soziale Absicherung der Selbstständigen, insbesondere in Bezug auf die berufliche Vorsorge, Unfälle und Taggelder im Krankheitsfall. Ziel ist es, Fachkräfte besser zu schützen, deren Einkommen oft unregelmässig ist und aus mehreren Tätigkeiten stammt.






