Schweizer Kraftwerk wird mit Russen-Uran betrieben
Schweizer Atomkraftwerke sind stark von russischem Uran abhängig. Die Alternativroute für den Transport über Südostasien weist logistische Mängel auf.

Das Wichtigste in Kürze
- Schweizer Atomkraftwerke sind stark von russischem Uran abhängig.
- Die Umweltorganisation Greenpeace bedauert dies.
- Die Alternativroute über Südostasien weist jedoch logistische Mängel und Risiken auf.
Schweizer Atomkraftwerke sind bei ihrer Brennstoffversorgung nach wie vor stark von Russland abhängig. Russisches Uran durch kasachisches zu ersetzen, reicht laut Greenpeace nicht aus, die Abhängigkeit zu kappen.
Der Aargauer Energiekonzern Axpo habe eine Partnerschaft mit Kazatomprom angekündigt, dem führenden kasachischen Unternehmen im Uransektor. Ziel sei es, die Verbindungen zu Russland entlang der gesamten Lieferkette zu stoppen.
Bislang bezog Axpo den Brennstoff für die beiden Reaktoren des Kraftwerks Beznau vollständig aus Russland. Für den Reaktor in Leibstadt wurde zur Hälfte aus Russland bezogen.
Alternativroute ist geopolitischen Risiken ausgesetzt
Auch wenn sich die Abbauorte änderten, bleibe das russische Unternehmen Rosatom unverzichtbar. Die Umweltorganisation bedauert dies.
Denn der Grossteil des in kasachischen Minen geförderten Urans werde über eine Route durch Russland exportiert, die in St. Petersburg endet. Dort werde es auf russische Schiffe verladen und in europäische Häfen transportiert.
Die internationale transkaspische Transportroute – die von Südostasien nach Europa führt – könnte eine Alternative sein. Sie weise jedoch logistische Mängel auf und sei zudem erheblichen geopolitischen Risiken ausgesetzt, so Greenpeace.
Atomenergie «treibt uns in die Fänge Russlands»
Uran entziehe sich zudem jeglicher lückenlosen Rückverfolgbarkeit. Es sei austauschbar und werde im Anreicherungsprozess aus verschiedenen Quellen gemischt. Mehrere Lieferanten von Axpo verarbeiteten von Rosatom geliefertes Uran.
Die über Russland exportierten oder durch Russland transportierten Mengen machten das Land für die Branche unverzichtbar. Dies erkläre, warum seit Beginn des Krieges in der Ukraine noch kein Land Sanktionen gegen Rosatom verhängt habe.
Die Entscheidung für Atomenergie «treibt uns in die Fänge Russlands statt uns davon zu befreien».
Nur ein Übergang zu erneuerbaren Energien, ermögliche es, im Energiesektor vollständig unabhängig und souverän zu werden. Das folgert Florian Kasser, Experte für Nuklearfragen bei Greenpeace Schweiz.
Axpo hat Lieferkette diversifiziert
Die Brennstoffversorgung von Leibstadt und Beznau sei aufgrund von Reserven seit 2022 nicht mehr auf russische Quellen angewiesen. Das erklärte die Axpo am Mittwoch auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.
Axpo habe im Februar 2025 nach umfangreichen Verhandlungen die Lieferkette diversifiziert. Zudem habe man neue Verträge zur Brennstoffbeschaffung mit Uranförderunternehmen aus Kanada und Kasachstan abgeschlossen.

Weiterverarbeitet werde dieses Uran in Frankreich, Deutschland, den Niederlanden, dem Vereinigten Königreich sowie den USA.
Ausserdem gebe es seit Frühling 2026 keine laufenden Verträge mehr, die Uran aus Russland beinhalten würden.
Laut Axpo gibt es keine direkten oder indirekten finanziellen Flüsse nach Russland. Auch aus den Verträgen mit Kazatomprom fliesse kein Geld an russische Parteien.
Seco: Keine Sanktionen in Bezug auf Uran verhängt
Die Europäische Union hat bislang keine Sanktionen in Bezug auf Uran und Material für Kernkraftwerke verhängt. Das bestätigt das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) seinerseits.
Auch der Transit von Uran aus anderen Ländern (wie Kasachstan) durch russisches Hoheitsgebiet unterliege keinen Sanktionen.
Die Bundesgesetzgebung erlaubt es dem Bund nicht, eigenständig Sanktionen zu verhängen. Sollte die EU die Einfuhr von russischem Uran verbieten, würde der Bundesrat die betreffende Massnahme sorgfältig prüfen. Das teilt das Seco der Nachrichtenagentur Keystone-SDA weiter mit.

















