Schweizer (38) im Ukraine-Krieg: «Schoss dem Russen in den Kopf»

Karin Aebischer
Karin Aebischer

Zürich,

Der Schweizer Jona Neidhart kämpfte zweimal für die Ukraine an der Front. In der Schweiz wurde er verhört. Und beschreibt, wie er einen Russen erschoss.

Jona Neidhart
Jona Neidhart kämpfe zweimal während mehrerer Monate für die Ukraine im Krieg. - Screenshot Instagram

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Schweizer diente im Ukraine-Krieg.
  • Er erzählt, wie er in Konflikt mit dem Kriegsvölkerrecht geraten ist.
  • Auf dem Feld schoss er einem Russen in den Kopf.

Zweimal stand Jona Neidhart (38) in der Ukraine an der Kriegsfront: von März 2022 bis Dezember 2023 sowie von Januar bis Juni dieses Jahres.

Nun ist er im September von der Militärjustiz verhört worden. Dies, weil es strafbar ist, wenn ein Schweizer fremden Militärdienst leistet.

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Den Zeitungen von «CH Media» liegt das Protokoll des Verhörs vor. Darin erzählt Neidhart unter anderem, wieso er für die Ukraine gegen die Russen gekämpft hat: Er habe sich zum Helfen verpflichtet gefühlt.

Denn die Ukraine sei von Russland unschuldig angegriffen worden und habe die internationale Gemeinschaft um Hilfe gebeten. Er habe zudem familiäre Wurzeln mütterlicherseits in der Ukraine und sei Mitglied der Kirche Jesu Christi (Mormonen).

Wollte sicherstellen, dass er tot ist

Neidhart erzählt auch, wie schwierig es zuweilen war, nach der Genfer Konvention zu handeln. Also das Kriegsvölkerrecht nicht zu verletzen. Denn die Russen würden sich an nichts halten.

So habe er bei einem der Manöver auch einen Schuss abgesetzt.

Zwei Russen seien bis auf zehn Meter an ihre Stellung herangekommen, hätten Handgranaten geworfen und Schüsse abgesetzt. Zwei seiner Kameraden hätten einen Gegenstoss gemacht. Dabei starb einer der Russen, der andere sei verletzt in den Wald geflohen.

Sie hätten den Auftrag erhalten, diesen zu jagen. Und hätten ihn blutverschmiert unter einem Busch gefunden. Wussten jedoch nicht, ob er tot war.

Deshalb habe zuerst einer seiner Kameraden, ein Australier, 30 Schüsse auf den Russen abgefeuert. «Dann schoss ich ihm in den Kopf, um sicherzustellen, dass er tot ist.» Denn es sei immer wieder vorgekommen, dass sich Russen tot stellten, um dann im letzten Moment eine Granate zu werfen.

Der Schweizer sagt: «Das war der einzige Schuss in meiner Kriegszeit in der Ukraine, den ich auf einen sichtbaren Russen abfeuerte.»

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Der Russe habe ihm leidgetan. «Als wir ihn durchsuchten, sah ich seinen Ehering. Er war zwischen 30 und 40 Jahre alt und hatte wahrscheinlich Kinder.»

Dennoch bilanziert er gemäss «CH Media»: «Ich persönlich habe kein schlechtes Gewissen.»

Bereit, ins Gefängnis zu gehen

Jona Neidhart setzt sich nun in der Schweiz für eine Neutralitätspolitik der anderen Art ein.

Er findet, die Schweiz dürfe eigene Landsleute nicht bestrafen, wenn diese das moralisch Richtige täten. Und zwar, wenn sie sich für ein Land starkmachten, das völkerrechtswidrig angegriffen werde.

Er hofft auf eine Einstellung des Verfahrens. Wäre aber gemäss seinen Aussagen bereit, ins Gefängnis zu gehen.

Er könnte zu einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe verurteilt werden.

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