Schweiz kickt in der Nacht – so flexibel sind die Städte
Erst um drei Uhr morgens kämpft die Nati um den Einzug ins WM-Halbfinal. In Schweizer Städten gelten spezielle Regeln.

Das Wichtigste in Kürze
- Der WM-Viertelfinal zwischen der Schweiz und Argentinien findet in der Nacht auf Sonntag statt.
- Die Stadt Zürich und der Kanton Bern gewähren eine Freinacht.
- Die Stadtpolizei Zürich erhöht zudem das Polizeiaufgebot.
Nach über 70 Jahren hat es die Schweizer Nati geschafft: Sie steht an der WM im Viertelfinal. Die WM in den USA, Kanada und Mexiko ist für die Schweiz bisher ein einziges Highlight. Bitter für die Fans ist hingegen erneut die Spielzeit.
Erst um drei Uhr morgens am Sonntag kickt die Schweiz gegen Argentinien. Der Match findet in Kansas City im US-Bundesstaat Missouri statt, wo die Zeitverschiebung rund sieben Stunden beträgt. Im Stadion ist es dann gerade einmal 20 Uhr.
Schweizer Städte wollen aber keine Spielverderber sein.
Mitfiebern in Zürich, Lugano und Baden
Am meisten Stimmung mitten in der Nacht dürfte es in Lugano geben. Bis zu 10’000 Menschen können in der Nacht auf Sonntag auf der Piazza Grande den Match verfolgen.
Die Stadt Zürich reagiert auch flexibel auf den WM-Kracher. Sie gewährt eine Freinacht im Innern von Gastwirtschaftsbetrieben auf Stadtgebiet. Auch Public Viewings, Gartenwirtschaftsbetriebe auf privatem Grund und Boulevard-Cafés auf öffentlichem Grund dürfen das Spiel draussen zeigen.
In Luzern dürfen Public Viewings und Restaurants mit Bewilligung das Spiel sowohl drinnen als auch draussen übertragen.
Auch in Baden AG können Fans um drei Uhr morgens an den Public Viewings mitfiebern. Die Stadt verweist auf die Bedingungen, die sie Ende Juni mitgeteilt hat. Demnach gelten für Spiele mit Schweizer Beteiligung keine zeitlichen Einschränkungen.
Nachtruhe in St.Gallen
Gut möglich ist, dass die Stadt Bern nachzieht. Die dafür zuständige Orts- und Gewerbepolizei werde am Donnerstag «zum freudigen Ereignis» öffentlich kommunizieren. Dies teilt die Sektionsleiterin auf Anfrage mit.
Der Kanton Bern derweil hat den Gastgewerbebetrieben eine Freinacht bewilligt. Der Kanton appelliert an die Fans, Rücksicht auf die Anwohnenden zu nehmen. Laut dem Amt für Wirtschaft entscheiden die jeweiligen Gemeinden, ob die Freinacht auch für Veranstaltungen im Freien gilt.
Auch die Kantone Genf und Jura haben eine Freinacht erklärt.
In St. Gallen bleiben die Lichter der Public Viewings aus. «In Aussenbereichen gelten die Bestimmungen zur Nachtruhe», sagt ein Mediensprecher der Stadtpolizei. Deshalb sei eine Übertragung des Spiels dort nicht möglich.
Für den Innenbereich hingegen haben Betriebe die Möglichkeit, ein entsprechendes Gesuch einzureichen. Am Mittwochmittag registriert die Stadtpolizei bislang zwei Lokale, die sich bei ihr gemeldet haben.
«Werden mit zusätzlichem Aufgebot im Einsatz sein»
Mit Fussball-Partys mitten in der Nacht haben die Städte bereits Übung. Nachdem sich die Nati Dienstagnacht ins Viertelfinal gekickt hatte, feierten Fans ausgelassen.
In Zürich boten sie ein Hupkonzert und wurden teilweise auch übermütig. Etwa sprangen Fans auf einem Autodach herum, das dadurch stark beschädigt wurde. Andere stiegen in einen Lieferwagen, der mit E-Scootern beladen war, und warfen Akkus hinten raus. Die Stadtpolizei Zürich schritt danach ein.
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«Aufgrund der Erkenntnisse aus den letzten Spielen werden wir mit einem zusätzlichen Aufgebot im Einsatz stehen.» Dies bestätigt ein Mediensprecher der Stadtpolizei Zürich. «Lagebedingt wird es auch zu Sperrungen und zu Umleitungen des Verkehrs kommen.»
Für die Stadtpolizei sei das richtige Augenmass in dieser Angelegenheit genauso wichtig wie konsequentes Einschreiten.
Klagen seien die Ausnahme
Die Kantonspolizei Bern rechnet in der Nacht auf Sonntag mit einem höheren Fanaufkommen. «Die Kantonspolizei Bern wird wie üblich mit einer entsprechenden Präsenz vor Ort sein», sagt eine Mediensprecherin. «Und die Lage laufend beurteilen.»
Die Kantonspolizei Aargau verfolgt die «Devise von Augenmass», was den Umgang mit Nachtruhestörungen im Zusammenhang mit der WM betrifft.
Sie setzten Rücksichtnahme und ein gewisses Verständnis für spontane Begeisterung, sagt ein Mediensprecher. «Ohnehin bilden Klagen über Nachtruhestörungen aktuell eher die Ausnahme.»













