Sachbeschädigungen und drei Festnahmen bei Anti-G7-Demo in Genf
Nach der Auflösung der Anti-G7-Demonstration vom Sonntag in Genf hat die Polizei 549 Personen kontrolliert und 28 zur Überprüfung auf die Polizeiwache gebracht. Drei Personen wurden im Anschluss vorläufig festgenommen und befragt, später aber wieder freigelassen. Sie stehen im Verdacht, pyrotechnische Gegenstände abgefeuert oder ein Polizeifahrzeug beschädigt zu haben.

An der Demonstration gegen den G7-Gipfel in Evian-les-Bains in Frankreich nahmen laut Polizei 20'000 Menschen teil, laut der Koalition No G7 waren es 30'000. Etwa 600 Aktivisten des Schwarzen Blocks, die sich in den Demonstrationszug eingeschleust hatten, begingen Sachbeschädigungen. Ein Polizist wurde beim Einsatz leicht verletzt.
Die Demonstration wurde am Sonntag gegen 18.20 Uhr von der Polizei aufgelöst. Dabei sei es darum gegangen, die «störenden Elemente, bestehend aus zwei Schwarzen Blöcken, einzudämmen», schrieb die Genfer Polizei in einer Mitteilung vom Montagnachmittag.
Gemäss der abschliessenden Bilanz der Polizei vom Montag wurden nach der Auflösung des Demonstrationszuges 549 Personen kontrolliert. Die Anwesenheit von Schaulustigen und friedlichen Demonstranten sowie die Taktik der Schwarzen Blöcke hätten die Kontrollen erschwert.
Die Randalierenden hätten sich im Umzug versteckt, im Park zerstreut und Kleider gewechselt.
Von den vor Ort kontrollierten Personen seien 28, darunter neun Frauen und 19 Männer, zur Fortsetzung der Identitätsüberprüfungen auf eine Polizeiwache gebracht worden; drei von ihnen seien vorläufig festgenommen, befragt und später wieder freigelassen worden. Die drei Festgenommenen stünden im Verdacht, pyrotechnische Gegenstände abgefeuert oder ein Polizeifahrzeug beschädigt zu haben. Eine Ermittlungsgruppe der Kriminalpolizei setze die Untersuchungen zur Identifizierung weiterer Täter fort.
Nach Angaben der Ordnungskräfte sind die Schäden im Verhältnis zur Zahl der entschlossenen Aktivisten der Schwarzen Blöcke «relativ gering», wie Polizeisprecher Alexandre Brahier am Mittag im Westschweizer Radio RTS Bilanz zog. Es gab insbesondere zerbrochene Fensterscheiben, zerstörte Bushaltestellen und ein in Brand gestecktes Auto, einen Tesla.
Die Polizei hatte am Sonntagabend zwischen dem Quai Wilson und der Avenue de France eine Absperrung errichtet, hinter der laut dem Komitee No G7 fast 300 Personen mehrere Stunden lang festgehalten wurden.
Zahlreiche von Teilnehmenden der Koalition No G7 gepostete Beiträge prangerten den Mangel an Wasser und Nahrung für die festgehaltenen Personen an. Das Komitee selber verurteilte in einer Mitteilung vom Montagmittag «eine unbeschreibliche Polizeiaktion».
Die Koalition No G7 wies auf zahlreiche Vorfälle von Provokationen und Polizeigewalt hin, zu denen es am Ende der Demonstration gekommen sei. Sie kritisierte zudem den wiederholten Einsatz von Tränengas gegen den Demonstrationszug.
Die polizeiliche Razzia löste auch empörte politische Reaktionen aus. Die SP Genf zeigte sich besorgt über die Bedingungen, unter denen diese Aktion stattgefunden habe. Hunderte von Menschen seien eine ganze Nacht lang festgehalten worden, obwohl viele weder an den Gewalttaten beteiligt gewesen seien noch im Verdacht stünden, Straftaten begangen zu haben«, schrieb die SP Genf und forderte eine umfassende Aufarbeitung.
Die Genfer SP-Staatsrätin und Polizeidirektorin Carole-Anne Kast verteidigte den Polizeieinsatz vom Sonntag. Ihrer Meinung nach war dieser «nahezu perfekt». In einem Interview mit der Zeitung «Le Temps» sagte sie, dass das Vorgehen der Polizei «sehr verhältnismässig» gewesen sei.
Kast verteidigte auch den massiven Einsatz von Sicherheitskräften im Kanton. Diese Polizeipräsenz habe dafür gesorgt, dass vor der Demonstration alles ruhig geblieben sei, «im Gegensatz zu 2003, als der Grossteil der Zerstörungen am Vorabend stattfand, ohne dass die Ordnungskräfte in der Lage waren, dies zu verhindern», so Kast.
Für den Einsatz standen rund 1000 Genfer Polizistinnen und Polizisten sowie Verstärkung aus anderen Kantonen und aus Frankreich bereit. Die Behörden wollten Ausschreitungen wie jene am Rande des G8-Gipfels von 2003 in Évian verhindern. Zahlreiche Geschäfte in der Genfer Innenstadt hatten ihre Schaufenster vorsorglich mit Schutzwänden gesichert.










