Run auf Skiferien-Wohnungen lässt Familien verzweifeln

Karin Aebischer
Karin Aebischer

Oberwallis,

60 Mails hat der Familienvater Erich (44) geschrieben – und nur Absagen für eine Skiferien-Wohnung erhalten. Die Situation habe sich verschärft, so ein Experte.

Bettmeralp
Wer auf der Bettmeralp VS eine Wohnung für die Sportferien will, muss schnell sein oder Vitamin B haben. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Februar ist bei vielen Schweizern für Sportferien reserviert.
  • Entsprechend gross ist die Nachfrage nach Wohnungen in dieser Zeit.
  • Doch es wird immer schwieriger, überhaupt eine Unterkunft zu finden.

Erich Zosso* aus Düdingen FR hat viel Zeit in die Suche nach einer Ferienwohnung für die Skiferien investiert. «Ich habe 60 Mails geschrieben, an private Vermieter, Verwaltungen oder andere Anbieter. Doch es kam entweder eine Absage oder gar keine Antwort», erzählt er Nau.ch.

Und dies ein Jahr im Voraus.

Seine Verzweiflung ging so weit, dass er in seiner Wunsch-Destination Bettmeralp VS bei diversen Häusern klingelte und nachfragte, ob etwas frei wäre. Doch auch so kein Treffer.

Seine Situation wird dadurch erschwert, dass Freiburg als katholischer Kanton die Sportferien an den Feiertagen ausrichtet. Und sich die Woche somit von Jahr zu Jahr verschiebt.

«Sehr viele Leute reservieren die Ferienwohnung grad für die nächsten zehn Jahre in derselben Kalenderwoche. Das können wir leider nicht», so der Vater zweier Töchter.

Auch sein Budget hat Grenzen. «Hätte ich 7000 Franken für eine Woche bezahlt, hätte ich schon noch eine Wohnung gefunden.» Für ein Paar sei die Suche zudem sicher einfacher als für vier Personen, so Erich.

Schwieriger, wenn Ostern früh ist

Der Walliser Ferienort Bettmeralp bestätigt, dass die Suche nach einer freien Wohnung eine Herausforderung sein kann.

«In der Sportferienzeit sind die Ferienwohnungen in der Aletsch Arena jeweils sehr gut besetzt. Viele Familien sind treue Stammgäste und buchen direkt nach den Ferien für das Folgejahr», so die Aletsch Arena AG, zu der Bettmeralp, Riederalp und Fiescheralp zählen.

Und weiter: «Ist Ostern früh, fallen die Sportferienwochen auf einen kürzeren Zeitraum – Entsprechend schwieriger ist es, eine Ferienwohnung zu finden.»

Das spüren auch die Buchungs-Portale. «Die Nachfrage nach Skiorten hat sich in den vergangenen Jahren konstant gesteigert», sagt Jonas Upmann, Reiseexperte und Sprecher der HomeToGo Gruppe. Zu dieser gehören e-Domizil, HomeToGo und Interhome.

Die Nachfrage nach Ferienhäusern und -wohnungen für Check-Ins in der Schweiz seien in den Kalenderwochen 7 und 8 um 3,2 Prozent über dem Vorjahr gelegen.

Das Angebot werde aber nicht per se überstiegen, so Upmann. Er empfehle, die flexible Reisedaten-Funktion einzugeben. Zum Beispiel für «1 Woche im Februar».

Dynamische Preise verschärfen Problem

Erich Zosso hat diese Flexibilität mit schulpflichtigen Kindern nicht. Dank Vitamin B fand er schliesslich doch noch eine Ferienwohnung auf der Bettmeralp. «Diese konnten wir nun auch gleich für nächstes Jahr reservieren», freut er sich.

Dass die Kapazitäten in beliebten Destinationen knapp und die Preise höher sind, sei in der Hochsaison schon immer so gewesen, sagt Jürg Stettler. «Mit den nachfrageabhängigen Preisen von immer mehr Anbietern hat sich das Problem aber deutlich verschärft», betont der Leiter des Instituts für Tourismus und Mobilität an der Hochschule Luzern.

Wieviel bist du bereit für eine Ferienwohnung zu bezahlen?

Ohne frühzeitige Buchung riskiere man somit, dass man keine zahlbare Unterkunft finde.

Hinzu kämen die vielen «Dauermieter», die immer von einem Jahr aufs nächste wieder reservieren und somit einen fixen zugesagten Platz hätten. Das erschwere es zusätzlich.

Höhere Preise wegen Magic Pass und Co.?

Auch nicht zu unterschätzen: Die Auswirkungen der immer beliebter werdenden Ski-Verbundspässe.

Tourismus-Experte Stettler sagt: «Die Verbundabos wie der Magic Pass oder der Alps Pass können zu einer Verschiebung der Nachfrage oder zu einer zusätzlichen Nachfrage führen.»

Das sorge an diesen Orten «zu einer zusätzlichen Verknappung des Angebots und damit auch zu höheren Preisen.»

Jürg Stettler
Jürg Stettler ist an der Hochschule Luzern Vizedirektor des Wirtschaftsdepartements und Leiter des Instituts für Tourismus und Mobilität.. - zvg

Flexibilität und Frühzeitigkeit seien beim Buchen der Skiferien somit entscheidend. Doch Stettler räumt ein: «Die zeitliche Flexibilität ist bei Familien oft nicht gegeben.»

Damit bleibe nur die Flexibilität in Bezug auf den Ort und die Art der Unterkunft. «Und entscheidend ist, so frühzeitig wie möglich zu buchen.»

*Name von der Redaktion geändert.

Kommentare

User #3892 (nicht angemeldet)

Weiter Mitte Links wählen dann erledigt sich das Problem weil man es sich bei sinkenden Löhnen und Arbeitslosigkeit gar nicht mehr leisten kann

User #4821 (nicht angemeldet)

Und das ganze Airbnb ( Pseudo-Hoteliers ) ist auch nicht hilfreich 🙈🙈

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