Blatten: Philosoph verklagt Wallis wegen verschütteten Büchern
Das Dorf Blatten im Walliser Lötschental wurde Ende Mai 2025 von einem Bergsturz verschüttet. Nun verklagt ein Philosoph den Kanton auf Schadenersatz.

Das Wichtigste in Kürze
- Ein Bergsturz verschüttete im Mai 2025 das Dorf Blatten im Walliser Lötschental.
- Betroffen ist auch Jean-Marc Tétaz, dessen wertvolle Bücher verschüttet wurden.
- Er fordert vom Kanton Wallis nun rund 200'000 Franken Schadenersatz für seine Bibliothek.
Am 28. Mai 2025 ereignete sich im Walliser Lötschental das Unvorstellbare.
Das Dorf Blatten wurde von einem gewaltigen Bergsturz ausradiert. Betroffen waren rund 90 Prozent von Blatten.
Darunter auch die Kirche und circa 130 weitere Häuser. Was nicht von den Gesteinsmassen begraben wurde, ging im Anschluss in einem durch den Schutt aufgestauten See unter.
Immerhin: Wegen der bereits erfolgten Evakuation des Dorfes waren kaum Menschenleben zu beklagen. Einzig ein Schäfer, der nach seinen Tieren sehen wollte, gilt seit dem Bergsturz als vermisst.
Philosoph fordert Schadenersatz
Doch die vollständige Evakuation kam am 19. Mai 2025 dennoch überraschend und musste rasch geschehen. Das, obwohl bereits seit 2022 klar war, dass ein Bergsturz drohen und Blatten verschütten könnte.
Genau das moniert der Philosoph und Theologe Jean-Marc Tétaz. Er wirft den Behörden vor, zu wenig über die Risiken informiert zu haben. Und fordert laut «Le Temps» vom Kanton Wallis Schadenersatz.

Denn: Durch den Bergsturz von Blatten wurde seine gesamte Bibliothek mit 5000 Büchern komplett zerstört.
Memoiren des von Nazis verfolgten Grossvaters futsch
Laut einem beim Gemeinderichter in Sitten eingereichten Schlichtungsgesuch verlange Tétaz 211'900 Franken. Bei der Summe handelt es sich um nicht von der Haftpflichtversicherung gedeckte Schäden.
Unter ihnen sind Bücher, Manuskripte, Arbeitsnotizen sowie entgangene Einnahmen aus nicht vollendbaren Publikationsprojekten.
Tétaz erklärt gegenüber «Le Temps»: «Mein Grossvater, der vor dem Nazi-Regime floh, hatte seine Memoiren für mich verfasst. 700 handgeschriebene Seiten, die ebenfalls in der Katastrophe verschwunden sind.»
Kantonsgeologe beruhigte noch kurz vor Evakuation
Was dem Philosophen sauer aufstösst, ist die Tatsache, dass er für eine Evakuation nur zwei Stunden Zeit hatte. Zu wenig, um seinen wertvollen Besitz in Sicherheit zu bringen.
Das, während die gewaltigen Risiken eines Bergsturzes dem Kanton bereits seit 2022 bekannt gewesen seien.
Zudem erklärt Tétaz, er habe noch am Tag der Evakuation mit einem Kantonsgeologen gesprochen. Dieser habe ihm noch kurz vor der Evakuation erklärt, sein Chalet sei von einem möglichen Erdrutsch nicht bedroht.
Nun liegt der Schlichtungsantrag des Philosophen seit Mittwochmorgen bei den Walliser Behörden in Sitten. Der Kanton will sich derweil nicht zu laufenden Verfahren äussern.













