Rümlang ZH: Feuerwehr sucht neue Mitglieder
Die Feuerwehr Rümlang sucht neue Mitglieder. Ein Übungsabend zeigt, was hinter dem Engagement steckt.

Vor dem Feuerwehrdepot an der Oberdorfstrasse herrscht reger Betrieb. Einsatzfahrzeuge stehen bereit, Feuerwehrleute tauschen sich aus und bereiten sich auf den bevorstehenden Übungsabend vor.
Um 19.30 Uhr begrüsst Kommandant Guido Buchli die Mannschaft – welche längst nicht nur aus Männern besteht. Auch Frauen gehören selbstverständlich dazu – etwa Stabsoffizierin Sandra Riedi, die einer Gruppe gerade die «nigelnagelneuen» Schwimmwesten erklärt.
Diese seien bei Einsätzen an Gewässern «immer zu tragen», betont sie. «Die eigene Sicherheit ist bei uns das oberste Gebot», erinnert sie das Team. Wenig später macht sich die Gruppe auf den Weg zur Glatt, wo eine Ölsperren-Übung stattfindet.
Dort angekommen, geht es direkt zur Sache. Mit Wurfsäcken wird ein Rettungsseil über den Fluss gespannt. Sollte bei einem Ernstfall jemand ins Wasser fallen, kann er sich am Seil, welches über die Glatt gespannt ist, festhalten.

Anschliessend wird die Ölsperre ausgerollt und vorbereitet. Im Ernstfall würde sie verhindern, dass ausgelaufenes Öl oder Schadstoffe ungehindert flussabwärts treiben.
Die Feuerwehr zählt aktuell knapp 40 Mitglieder, aufgeteilt auf zwei Züge. «Das ist praktisch», sagt Buchli. Wer eine Übung in seinem Zug verpasst, könne diese im anderen Zug vor- oder nachholen. Unterstützt werden die Mannschaften von sechs Offizieren, die gemeinsam mit den Unteroffizieren die Übungen planen und durchführen.
Die Zusammensetzung der Feuerwehr ist dabei vielfältig. «Wir haben Landwirte, Hauswarte, Büroangestellte, Automechaniker, Bauarbeiter, Schreiner oder aber auch welche, die im Rettungswesen oder bei der Polizei arbeiten in unseren Reihen», erzählt Buchli.
Auch der Nachwuchs wird gefördert. In der Jugendfeuerwehr engagieren sich derzeit acht Jugendliche. Mädchen und Jungen können ab 13 Jahren mitmachen.
Für Buchli ist das eine Herzensangelegenheit – schliesslich begann auch seine eigene Feuerwehrkarriere dort. Heute ist der 42-Jährige, der hauptberuflich als Hauswart auf der Gemeinde- und Schulanlage Rümlang arbeitet, seit anderthalb Jahren Kommandant der Feuerwehr.
Mehr als Blaulicht
Zurück auf einem weiteren Übungsplatz mit der anderen Gruppe, welche ein anderes Thema hat, wird eine Holzleiter an einen Balkon gestellt. Vier Personen tragen die rund 100 Kilogramm schwere Leiter gemeinsam.
Wenig später folgt die nächste Übung: In einem Garten brennt ein Geräteschuppen – künstlich wird Rauch simuliert. Die Mannschaft arbeitet konzentriert und routiniert zusammen.
Bei der Einsatzbesprechung mit der Mannschaft gibt es eine kleine Abkühlung durch ein Getränk – bei den sommerlichen Temperaturen eine willkommene Erfrischung. Dabei wird die Übung besprochen:
Was lief gut? Was kann verbessert werden? Danach wechseln die Gespräche zu privaten Themen. Schnell wird deutlich, was viele Mitglieder besonders schätzen.
«Die Kameradschaft bei uns ist sehr hoch und geht über die Feuerwehr hinaus», sagt Buchli. Freundschaften entstehen oft über Jahre hinweg. Einige Mitglieder seien schon sehr lange dabei.
Dass die Gemeinschaft ein wichtiger Faktor ist, bestätigen auch zahlreiche Angehörige der Mannschaft. Sie sprechen von einem «tollen Kollegen-Zusammenhalt», von abwechslungsreichen Übungen und Einsätzen sowie von einem idealen Ausgleich zum Berufsalltag.
Gerade für Neuzuzüger sei die Feuerwehr eine hervorragende Möglichkeit, Menschen kennenzulernen und im Dorf anzukommen.
Dabei kommt auch die Spannung nicht zu kurz. Im Schnitt leistet die Feuerwehr Rümlang ungefähr 65 bis 75 Einsätze pro Jahr.
Aufgrund der zahlreichen Hotels und Industriegebäude in Rümlang haben sie auch immer mal wieder Brandmeldealarme (BMA). Daneben rückt die Feuerwehr auch für Brandbekämpfungen, Elementarereignisse, technische Hilfeleistungen (zum Beispiel Unterstützung Sanität), Ölwehr-Einsätze oder Verkehrsregelungen aus.
Wer bei der Feuerwehr mitmachen möchte, braucht keine besonderen Vorkenntnisse. Entscheidend seien Motivation und Einsatzbereitschaft. «Man muss wollen und mit Herzblut dabei sein», betont der Kommandant. Rund 80 Prozent der Übungen sollten besucht werden.
«Man soll ein Helfersyndrom haben, sonst ist man hier am falschen Ort.» Wenn der Pager auch mal am Sonntag oder um drei Uhr morgens läute, müsse die Bereitschaft da sein, auszurücken.
Der Aufwand hält sich dabei in Grenzen. Für die Mannschaft stehen jährlich 16 Übungen auf dem Programm – zehn reguläre Übungen und sechs Atemschutzübungen.
Im Durchschnitt findet alle drei Wochen ein Übungsabend von 19.30 bis 22 Uhr statt. Hinzu kommen verschiedene Weiterbildungskurse sowie ein jährlicher Fitnesstest für Atemschutzträger.

Neue Mitglieder laufen bei der Mannschaft im regulären Übungsbetrieb mit. «Im ersten Jahr, in dem sie bei uns sind, absolvieren sie noch einen Grundkurs. Nach diesem Jahr erhalten sie dann ihren Pager, um an realen Einsätzen teilnehmen zu können.»
Neben der Ausbildung stellt die Feuerwehr die komplette Ausrüstung zur Verfügung. Zudem gibt es eine Entschädigung für Übungen und Einsätze.
Den Abschluss des Übungsabends bildet eine Personenrettung vor der Heuelhalle. Eine Puppe simuliert eine Person unter einem Auto, während der fiktive Fahrzeuglenker sein schauspielerisches Talent unter Beweis stellt.
Zwischen konzentrierter Rettungsarbeit und einigen Schmunzlern zeigt sich einmal mehr, was die Feuerwehr ausmacht: Ernsthaftigkeit, wenn sie gefragt ist – und Spass, wenn die Situation es zulässt.
Nach der Schlussbesprechung im Depot geht ein weiterer Übungsabend zu Ende. Zurück bleibt der Eindruck einer engagierten Truppe, die nicht nur Einsätze bewältigt, sondern auch Gemeinschaft lebt.
Die Feuerwehr Rümlang freut sich über jedes neue Mitglied. Wer mitmachen oder einfach einmal vorbeischnuppern möchte, kann sich auf der Webseite www.fwruemlang.ch anmelden und sich dort weiter über die Feuerwehr informieren.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst im «Rümlanger» erschienen.












