Brandgefahr in Zürich: «Dauerregen nötig, damit sich Wald erholt»
Die anhaltende Trockenheit führt im Kanton Zürich vielerorts zu Waldbrandgefahr. Ein Experte schätzt die aktuelle Lage ein.

Hitze, zu wenig Regen und keine Entspannung in Sicht führen vielerorts zu Feuerverboten. Wir haben zur aktuellen Waldbrandgefahr den Betriebsleiter des Forstbetriebs Altberg-Lägern, Daniel Dahmen, befragt.
Redaktion: Viele Gemeinden haben ein Feuer- und Feuerwerksverbot erlassen, für Sie als Förster beruhigend, hinsichtlich des 1. Augustes?
Daniel Dahmen: Ja, es ist ein nachvollziehbarer Entscheid, um das Risiko von Flur- und Waldbränden einzuschränken.
Redaktion: Welche Auswirkungen hatten die vergangenen Wochen mit Hitze und Trockenheit auf den Wald?
Dahmen: Warme Temperaturen und Sonnenschein wirken sich grundsätzlich positiv auf das Pflanzenwachstum aus. Dies so lange den Bäumen genügend Wasser zur Kühlung durch Transpiration zur Verfügung steht.
Wenn ein Baum aus Wassermangel oder wegen zu heisser Temperaturen mehr Wasser verdunstet, als er aufnehmen kann, schwächt dies den Baum und kann zu vorzeitigem Laubfall, Grünastabbrüchen und dem Absterben von Ästen, Kronenteilen oder ganzer Bäume führen.
Aktuell ist zudem die Streuschicht (abgestorbene Blätter, Nadeln, Zweige und Äste auf dem Boden) sehr trocken und leicht entzündlich.

Redaktion: Mussten Sie in diesem Jahr wegen kleineren Bränden auch schon ausrücken?
Dahmen: Nein.
Redaktion: Gibt es im Moment besonders gefährdete Waldgebiete in unserer Region?
Dahmen: Die Wahrscheinlichkeit für einen Waldbrand kann kleinräumig, je nach Exposition und Waldbestand, variieren. Das Risiko ist derzeit überall hoch.
Redaktion: Welche Folgen hätte ein grösserer Waldbrand für Tiere, Pflanzen und die Forstwirtschaft?
Dahmen: Für die Individuen, die den Flammen zum Opfer fallen, ist es tragisch. Für die Natur an sich, jedoch kein Problem. Ein Waldbrand, zum Beispiel durch einen Blitz ausgelöst, ist ein natürlicher Prozess, der neuen Lebensraum für Pionierarten schafft und die Biodiversität erhöhen kann.
Für die Forstwirtschaft und die Waldbesitzenden bedeutet es einen Holz- und Wertverlust. Es entsteht ein gemeinwirtschaftlicher Schaden, da der Wald vorübergehend seine Funktionen als Schutz- oder Erholungswald nicht erfüllen kann.

Redaktion: Was kann jeder Einzelne dazu beitragen, einen Waldbrand zu verhindern?
Dahmen: Sich an das aktuell geltende Feuerverbot halten und keine brennenden Streichhölzer oder Zigaretten wegwerfen, wobei diese das ganze Jahr über in einen Aschenbecher gehören.
Redaktion: Welche Rolle spielt der Klimawandel bei der steigenden Waldbrandgefahr?
Dahmen: In den vergangenen Jahrzehnten haben die Phasen mit Hitze und Trockenheit bereits zugenommen und dieser Trend wird sich gemäss den meisten Modellen weiter verstärken. Das wird dazu führen, dass auch nördlich der Alpen, wie im Tessin, ein Feuerverbot im Wald und in Waldesnähe im Sommer zur Normalität wird und die Waldbrände zunehmen werden.
Redaktion: Haben Sie ein Notfallszenario bei einem eventuellen Waldbrandausbruch?
Dahmen: Bei einem Waldbrand übernimmt die Feuerwehr die Leitung. Die Feuerwehren im Kanton Zürich haben sich in den letzten Jahren intensiv mit dem Thema Waldbrand auseinandergesetzt und ihre Mitglieder geschult.
Wir unterstützen, wenn nötig, mit Ortskenntnis, Personal und forstlichen Geräten.
Redaktion: Was sollte jemand tun, wenn er Rauch oder ein Feuer im Wald entdeckt?
Dahmen: Wenn jemand feststellt, dass gegen das geltende Feuerverbot verstossen wird, kann man auf das Feuerverbot aufmerksam machen und zum Löschen des Feuers auffordern. Nützt dies nicht, soll man sich an die Polizei wenden.
Wenn jedoch ein Brand oder Rauchentwicklung festgestellt wird, soll man sich an die Feuerwehr wenden.
Redaktion: Woran erkennen Spaziergänger, dass die Waldbrandgefahr besonders hoch ist?
Dahmen: Anhand der Gefahrenkarte auf www.waldbrandgefahr.ch. Diese wird durch die Kantone regelmässig aktualisiert. Dort werden ebenfalls die aktuell geltenden Massnahmen von keiner Massnahme über Vorsichtsgebot bis hin zum absoluten Feuerverbot publiziert.
Wenn lokal viel trockenes Laub, Nadeln und Astmaterial herumliegen, erhöht dies das Risiko.
Redaktion: Wie lange müsste es nun am Stück regnen, um die Gefahr für einen Wald- oder Flurbrand zu reduzieren?
Dahmen: Damit sich der Wald erholen kann, sind ein anhaltender Dauerregen von ein bis zwei Wochen und tiefere Temperaturen nötig.
Redaktion: Was möchten Sie den Menschen mit auf den Weg geben, damit unsere Wälder diesen und auch weitere Sommer sicher bleiben?
Dahmen: Der Wald ist ein Ökosystem, in dem es keine absolute Sicherheit gibt. Ich wünsche mir, dass sich die Waldbesuchenden der waldtypischen Gefahren bewusst sind und sich aufmerksam und rücksichtsvoll im Wald bewegen.
Bei Sturm, Schnee oder Trockenheit können auch gesunde Äste, Kronenteile oder ganze Bäume umstürzen.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst im «Furttaler» erschienen.








