Rekord-Juni: So viele Notfälle verzeichnen Spitäler wegen Hitze
Die Hitzewelle rollt über die Schweiz. Erste Spitäler melden mehr hitzebedingte Notfälle. Besonders betroffen sind ältere Menschen.

Das Wichtigste in Kürze
- Das Kantonsspital Aarau behandelte am Wochenende rund 20 hitzebedingte Notfälle.
- Häufige Beschwerden sind Dehydrierung, Schwindel, Kreislaufprobleme und Ohnmachten.
- Basel und Bern melden bisher keine aussergewöhnliche Zunahme von Hitze-Notfällen.
Die aktuelle Hitzewelle sorgt in der Schweiz und weiten Teilen Europas für ungewöhnlich hohe Temperaturen. Einige Juni-Rekorde wurden bereits geknackt, weitere Werte könnten im Verlauf der Woche purzeln.
Während die Sonne viele Menschen ins Freie lockt, bringt die anhaltende Wärme auch gesundheitliche Risiken mit sich. Insbesondere für ältere Menschen, Personen mit Vorerkrankungen sowie Menschen, die sich körperlich stark belasten.
Flüssigkeitsmangel, Kreislaufprobleme und Schwindel können auftreten
Hohe Temperaturen können den Körper stark beanspruchen. Häufige Folgen sind Flüssigkeitsmangel, Kreislaufprobleme, Schwindel, Übelkeit oder allgemeine Schwäche.
In schweren Fällen drohen Hitzeerschöpfung oder sogar ein Hitzschlag, der lebensbedrohlich werden kann.
Das Universitätsspital Basel weist darauf hin, dass bei einem Hitzschlag die Körpertemperatur über 40 Grad steigen kann.
Betroffene schwitzen oft nicht mehr, die Haut ist heiss und trocken, zudem können Bewusstseinsstörungen auftreten. Als weitere hitzebedingte Beschwerden nennen die Basler Ärzte Hitzekrämpfe, Hitzekollaps oder Sonnenstich.
Auch bestehende Erkrankungen können durch hohe Temperaturen verschlimmert werden. Das Inselspital Bern beobachtet, dass Hitze unter anderem Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Lungenerkrankungen oder Diabetes negativ beeinflussen.
Aarau meldet rund 20 hitzebedingte Notfälle
Am deutlichsten zeigen sich die Auswirkungen derzeit am Kantonsspital Aarau (KSA). Dort wurden am vergangenen Wochenende rund 20 Patienten behandelt, deren Beschwerden direkt mit den hohen Temperaturen zusammenhingen.
Betroffen waren laut Dr. med. Sonja Guglielmetti, Chefärztin des interdisziplinären Notfallzentrums, vor allem ältere Menschen.
Zu den häufigsten Symptomen gehörten Verwirrtheit, Schwindel, Ohnmachtsereignisse sowie Störungen des Flüssigkeits- und Elektrolythaushalts.
«Es waren deutlich mehr als an einem normalen Sommerwochenende, aber für uns nicht ausserordentlich», sagt Guglielmetti. Fast alle Betroffenen konnten nach der Behandlung wieder nach Hause entlassen werden.
Schwere Hitzeschläge blieben beim Aarauer Stadtlauf am Wochenende aus. Anders sah die Situation allerdings bereits eine Woche zuvor beim Aare Halbmarathon aus.
Damals mussten laut KSA mehrere junge und trainierte Teilnehmende mit schwersten Dehydratationen und Körpertemperaturen von über 41 Grad behandelt werden.
Basel und Bern beobachten Lage genau
Am Universitätsspital Basel ist die Situation derzeit weniger angespannt. Eine deutliche Zunahme von Notfällen, die direkt auf die Hitze zurückzuführen wäre, verzeichnet das Spital aktuell nicht.
Allerdings registrierte das Notfallzentrum am Wochenende und am Montagmorgen ein höheres Patientenaufkommen. Dies sei jedoch für die Sommermonate nicht ungewöhnlich.
Mehr Freizeitaktivitäten sowie Ferienabwesenheiten von Hausärztinnen und Hausärzten würden regelmässig zu einer stärkeren Auslastung beitragen.
Auch das Inselspital Bern berichtet von einigen Patientinnen und Patienten mit hitzebedingten Beschwerden: Behandelt wurden insbesondere Personen mit Kreislaufproblemen sowie vereinzelt Personen mit Symptomen eines Hitzeschlags.
Die Betroffenen konnten in der Regel rasch stabilisiert werden, heisst es. Die Gesamtbelegung bewege sich derzeit im üblichen Rahmen.
Ähnlich äussern sich die Solothurner Spitäler. Hitzewellen führten zwar grundsätzlich zu einem erhöhten Patientenaufkommen auf den Notfallstationen, genaue Zahlen hat es aber nicht.
Die Beschwerden hätten meist mehrere Ursachen und könnten nicht eindeutig auf die Hitze allein zurückgeführt werden.
Wann ein Notfallbesuch nötig wird
Die Experten raten, bei ersten Anzeichen von Hitzeproblemen rasch zu reagieren. Betroffene sollten einen kühlen Ort aufsuchen, körperliche Anstrengungen vermeiden, ausreichend trinken und den Körper aktiv kühlen.
Ein Besuch auf dem Notfall sei insbesondere dann angezeigt, wenn Beschwerden trotz Ruhe und Flüssigkeitszufuhr anhalten oder sich verschlimmern.
Die Warnzeichen: Starke Schwäche, Schwindel, Übelkeit, Kopfschmerzen oder Kreislaufprobleme.
Sofort medizinische Hilfe nötig ist bei Verdacht auf einen Hitzschlag. Etwa bei Körpertemperaturen über 40 Grad, Verwirrtheit, Bewusstlosigkeit oder anderen Bewusstseinsstörungen.














