Reiche erhielten illegale Steuervorteile: 202 Millionen fehlen
Zwölf Jahre lang wurden Vermögende im Kanton Waadt zu tief besteuert. Nun beziffert die Steuerverwaltung den Ausfall auf 202 Millionen Franken.

Das Wichtigste in Kürze
- Der Kanton Waadt beziffert die Folgen von Steuervergünstigungen auf 202 Millionen Franken.
- Fast 3000 Steuerzahlende profitierten davon, rund 2000 ohne rechtliche Grundlage.
- Das Geld kann nicht zurückgefordert werden, die Staatsanwaltschaft ermittelt.
Die Waadtländer Steuerverwaltung hat zwölf Jahre lang vermögende Bürgerinnen und Bürger illegal zu tief besteuert. Nun liegt erstmals eine Schätzung vor, wie teuer diese Praxis den Kanton zu stehen kam.
Wären die betroffenen Personen korrekt besteuert worden, hätte der Kanton Waadt von 2009-2021 rund 202 Millionen Franken zusätzlich eingenommen. Das hat die Steuerverwaltung ausgerechnet.
Lange hatte sich die Regierung geweigert, den finanziellen Umfang des Falls zu beziffern. Sie verwies dabei auf das Steuergeheimnis. Nachdem der politische Druck zunahm, wurde die Höhe der mutmasslich entgangenen Einnahmen nun dennoch eruiert.
3000 Personen profitierten, 2000 davon illegal
Von einem eigentlichen Verlust will die Waadtländer Regierungspräsidentin und Finanzdirektorin Christelle Luisier Brodard allerdings nicht sprechen. Die Zahl sei lediglich theoretischer Natur.
Es lasse sich nicht sagen, wie die betroffenen Steuerzahlenden reagiert hätten, wenn ihnen die Steuervergünstigungen nicht gewährt worden wären. Denkbar sei etwa, dass einzelne den Kanton verlassen hätten.
Von den umstrittenen Steuererleichterungen profitierten laut den Behörden knapp 3000 Personen. Rund 2000 von ihnen hätten allerdings gar keinen Anspruch auf die Vergünstigungen gehabt.
Trotz der festgestellten Rechtswidrigkeit bleibt der Fall für die Betroffenen ohne finanzielle Folgen. Die zu wenig bezahlten Steuern können nach Angaben des Kantons nicht mehr nachträglich eingefordert werden.
Nun ermittelt die Justiz
Die fragliche Praxis fällt grösstenteils in die Amtszeit des damaligen Finanzdirektors Pascal Broulis (FDP), der heute im Ständerat sitzt.
Luisier Brodard will jedoch keine politischen Verantwortlichkeiten festlegen. Die Klärung der Hintergründe sei Sache der Justiz.
Aufgedeckt worden war der Missstand von der damaligen Finanzdirektorin Valérie Dittli (Mitte). Ihr entzog die Waadtländer Regierung im März 2025 allerdings das Finanzdepartement. Zuvor war es zu Konflikten zwischen Dittli und der Führung der Steuerverwaltung gekommen.
Inzwischen hat die Staatsanwaltschaft ein Strafverfahren eröffnet. Sie soll nun untersuchen, wie es über Jahre hinweg zu den widerrechtlichen Steuervergünstigungen kommen konnte.















