Ragekit: Zuwachs für schrumpfende Westschweizer Medienlandschaft
Die schrumpfende Westschweizer Medienlandschaft bekommt Zuwachs. In Lausanne berichtet das Video-Medium Ragekit über aus seiner Sicht vernachlässigte Themen. Es arbeitet mit dem Deutschschweizer Recherchekollektiv WAV und mit der «Wochenzeitung» zusammen.

Für die einen ein Medienunternehmen, für die anderen ein Netzwerk der extremen Linken, versteht sich das im Januar 2025 gegründete Kollektiv Ragekit als engagiert. Das Medium verzeichnet rund zwei Millionen Aufrufe pro Monat. Zudem gibt es nach eigenen Angaben mehrere Zehntausend Abonnentinnen und Abonnenten auf den verschiedenen Plattformen: 70'000 auf Instagram, 37'000 auf Tiktok, 22'000 auf Facebook und 11'000 auf YouTube.
Ragekit erreicht hauptsächlich die 18- bis 35-Jährigen. Mit einer Crowdfunding-Kampagne hat das Medium fast 110'000 Franken gesammelt.
Ein Teil der sozialen Realitäten bleibe in den traditionellen Medien weitgehend unberücksichtigt, sagt einer der sieben Freiwilligen in der Ragekit-Redaktion im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Dazu gehörten der Gang zur Sozialhilfe, Gefängnis, Sucht, Obdachlosigkeit, komplizierte Migrationsgeschichten und die Schweiz in Verbindung mit Imperialismus und Rohstoffhandel.
Die Zusammenarbeit mit der «Wochenzeitung» (WOZ) in Zürich begann Anfang 2026 mit einer ersten Serie von fünf Videos, eines davon mit dem Titel «Warum alle die Deutschschweizer hassen». Es bediente sich bewusst eines provokanten Titels, um die wirtschaftlichen und politischen Unterschiede zwischen den Sprachregionen zu beleuchten.
Dieses Projekt über den Röstigraben hinweg ist ungewöhnlich. Für die WOZ spielt die Konzentration in der Schweizer Medienlandschaft eine Rolle bei der zunehmenden Distanz zwischen den beiden grossen Sprachregionen des Landes.
«Die Westschweizer Medien haben sich stark abgeschwächt und gehören oft Unternehmen aus der Deutschschweiz. Dadurch finden Themen aus der Romandie seltener Eingang in die deutschschweizerischen Debatten», sagte der WOZ-Journalist Renato Beck zu Keystone-SDA.










