Drei Mitglieder des russischen Punk-Kollektivs Pussy Riot wurden wegen einem Anti-Kriegs-Graffiti in Köniz BE verhaftet. Die Gemeinde hat es schon entfernt.
Pussy Riot Videodreh
Die drei Mitglieder von Pussy Riot. - Twitter/NME
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Das Wichtigste in Kürze

  • Drei Mitglieder von Pussy Riot sind am Montagabend in Bern festgenommen worden.
  • Die regierungskritische Musikgruppe aus Russland sprayte ein Anti-Kriegs-Graffiti.
  • Am Dienstagabend gibt Pussy Riot in der Mühle Hunziken ein Konzert.
  • Die Gemeinde Köniz BE hat das Graffiti auf seinem Boden nun schon wieder entfernt.

Am Dienstag soll das russische Punk-Kollektiv Pussy Riot in der Mühle Hunziken in Rubigen BE auftreten. Wirbel um die regierungskritische Gruppe gibt es aber schon vor dem Konzert.

Wie Pussy Riot auf Facebook schreibt, wurden am Montagabend drei Mitglieder in Wabern BE festgenommen. Der Grund: Sie sprayten ein Anti-Kriegs-Graffiti an eine Strassenmauer. Einem Bericht von «Mediazona» zufolge sind sie mittlerweile wieder frei.

Bei den Verhafteten handelt es sich den Angaben zufolge um Masha Alekhina, Lucy Shtein und Taso Pletner. Sie seien mit Handschellen abgeführt worden. Die Polizei habe gesagt, dass ihnen eine Busse oder gar die Ausweisung drohe.

Kapo Bern rückte nach Meldung aus

Ramona Mock von der Kantonspolizei Bern sagte auf Anfrage von Keystone-SDA, dass es sich um drei Frauen im Alter von 25, 26 und 34 Jahren handle. Sie liess offen, ob es sich dabei um Mitglieder des Frauenkollektivs Pussy Riot handelt. Die Polizei mache aus datenschutzrechtlichen Gründen keine näheren Angaben.

Pussy Riot
Pussy Riot spielte in Basel. - Keystone

Laut Mock war die Polizei am Montagabend nach Wabern (Gemeinde Köniz) ausgerückt. Grund war eine Meldung, wonach mehrere Personen am Sprayen seien. Am Frischingweg wurden drei Frauen angehalten und für weitere Abklärungen auf die Wache gebracht.

Die Frauen trugen Spraydosen auf sich, wie Mock sagte. Sie wurden nach der Befragung wieder auf freien Fuss gesetzt. Ob es zu einer Strafanzeige kommt, ist noch offen, das liege im Ermessen des Eigentümers. Die besprayte Mauer liegt auf öffentlichem Grund und gehört damit der Gemeinde Köniz BE, wie diese auf Anfrage bestätigt.

Graffiti schon am Dienstag wieder entfernt

Am Dienstag ist das Anti-Kriegs-Graffiti bereits nicht mehr zusehen, wie Bilder auf Twitter zeigen.

Der für Strassen und Verkehr zuständige Könizer Gemeinderat Christian Burren erklärt gegenüber Nau.ch: «Das entspricht dem ordentlichen Vorgehen bei solchen Graffitis.» Schmierereien auf dem Gemeindegebiet, die in folgende drei Kategorien fallen, würden immer schnellstmöglich entfernt: sexistisch, ehrverletzend sowie politische Botschaften.

Dabei wurde die Gemeinde Köniz erst am Dienstagmorgen von der Kantonspolizei Bern über das Graffiti informiert. Daraufhin seien die Gemeindemitarbeiter ausgeschickt worden, um sich um dieses zu kümmern.

Graffitis in europäischen Städten

Pussy Riot ist ein russisches, feministisches Punk-Kollektiv, das sich regierungs- und kirchenkritisch gibt. Mit oft spontanen Auftritten haben sie in der Vergangenheit in Russland für viel Wirbel gesorgt.

Vor zehn Jahren wurde die Gruppe durch ein Konzert in einer Moskauer Kirche gegen Machthaber Wladimir Putin schlagartig weltweit bekannt. Zwei der Frauen wurden deswegen 2012 zu zwei Jahren Straflager verurteilt. Ende 2013 wurden sie begnadigt und kamen frei. Die eine Frau geriet aber immer wieder ins Visier der Strafverfolgungsbehörden.

Die Spray-Aktion führt Pussy Riot auch in anderen europäischen Städten durch. Auf dem Graffiti sollte unter anderem zu lesen sein, wie viele Kilometer der russische Angriffskrieg auf die Ukraine entfernt ist.

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