Nach dem Gleis-Mord in Frankfurt schieben SBB und Bund die Sicherheits-Frage der Politik ab. Diese sehen vor allem bei der Polizei Änderungs-Bedarf.
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Passanten stehen am Gleis 7 des Frankfurter Hauptbahnhofs vor einem Meer aus Blumen und Kuscheltieren. - dpa-infocom GmbH
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Das Wichtigste in Kürze

  • Deutschland will nach dem Gleis-Mord am Hauptbahnhof Frankfurt die Sicherheit verbessern.
  • Bei SBB und Bund sind erhöhte Sicherheits-Massnahmen derzeit kein Thema.
  • Sicherheitspolitiker sehen besonders bei der Polizei Bedarf.

Der Gleis-Mord von Frankfurt mit einem in Zürich wohnhaften mutmasslichen Täter dominiert die Schlagzeilen. Doch während die Attacke in Deutschland eine regelrechte Sicherheits-Diskussion entflammt hat, ist man in der Schweiz äußerst zurückhaltend.

SBB
Wegen seiner Hautfarbe alleine darf niemand kontrolliert werden. Es brauche mehr Details, sagt Stefan Blättler. - Keystone

Von mehr Polizeikontrolle oder technischen Schranken an den Gleisen will kaum jemand etwas wissen. Sowohl Bund, wie auch SBB schieben die Frage ab. Über konkrete, zusätzliche Massnahmen müsse die Politik entscheiden, erklärt etwa das Bundesamt für Verkehr BAV.

SVP will weniger Radar, mehr Patrouillen

Bei der Sicherheitspolitischen Kommission (SiK) des Nationalrats scheint die Sicherheits-Frage derzeit auch kein brennendes Thema zu sein. Präsident Werner Salzmann (SVP) spricht zwar von Betroffenheit.

SVP Präsidium Werner Salzmann
SVP-Nationalrat Werner Salzmann kandidiert nicht für das SVP Präsidium. - Keystone

Doch für technische Massnahmen sieht er schwarz. Eine Beschränkung des Zugangs zum Bahnhof sei schon «aus baulichen Gründen kaum kurz- oder mittelfristig denkbar.» Insbesondere «angesichts der Platzverhältnisse und der riesigen Pendlerströme.»

Jedoch fordert Salzmann genügend Mittel für die Polizei, «damit die Ressourcen auf Patrouillen fokussiert werden und weniger auf Radar etc.» Das seien Punkte, «die nicht sicherheitsrelevant sind.»

Kranke Täter nicht aufzuhalten

Skeptisch gibt sich auch BDP-Nationalrätin Rosmarie Quadranti, ebenfalls Mitglied der Kommission. «Ich glaube einfach, dass es so etwas wie die totale Sicherheit nicht gibt. In einem freien Land können kranke Täter auch leider immer wieder grosses Leid anrichten.»

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Nationalrätin Rosmarie Quadranti, BDP ZH. - keystone

Doch auch Quadranti sieht von verstärkter Polizeipräsenz nicht ab. Dies sei zwar Sache der Kantone. Doch: «Wenn das Sinn macht, dann kann man das tun.»

Tief betroffen ist auch SP-Nationalrätin Priska Seiler Graf. Der Vorfall sei furchtbar, «gerade auch als Mutter erschüttert einen dieses tragische Ereignis besonders.» Fragen zur Sicherheit an Bahnhöfen müsse man sicher stellen. Schwierig sei jedoch die Umsetzung.

Priska Seiler Graf
SP-Nationalrätin Priska Seiler Graf macht sich Gedanken über eine Fusion von Grünen und SP. - Nau

«Unsere Bahnhöfe sind offene Systeme, da lassen sich Perrontüren nicht so einfach realisieren wie in geschlossenen U-Bahn-Systemen.» Doch auch sie sieht bei der Polizei die Möglichkeit.

«Vermehrte Polizeipräsenz könnte vielleicht eine abschreckende Wirkung haben.» Wenn, dann aber an allen Bahnhöfen, was laut Seiler Graf wohl eher unrealistisch ist.

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