Spirit of Bern 2026: Bildung für eine Zukunft voller Ungewissheit

Andrea Bauer
Andrea Bauer

Bern,

Ende Februar widmet sich der Spirit of Bern dem Schweizer Bildungssystem und seiner Bedeutung für die Zukunft der Schweiz.

BärnerBär Spirit of Bern
Freuen sich auf viele neue und spannende Impulse am Spirit of Bern 2026: Petra Joerg und Peter Stämpfli. - Daniel Zaugg

«Bildung Zukunft Schweiz» – unter diesem Leitmotiv widmet sich der Spirit of Bern am Donnerstag, 26. Februar 2026, dem Schweizer Bildungssystem und seiner Bedeutung für die Zukunft unseres Landes.

Bildung war schon immer mehr als Wissensvermittlung. In Zeiten tiefgreifender gesellschaftlicher und technologischer Umbrüche rückt sie jedoch ins Zentrum zentraler Zukunftsfragen: Wie gehen wir mit Unsicherheit um? Wie entwickeln wir Verantwortung, Urteilsfähigkeit und Gestaltungskraft?

Für ein rohstoffarmes Land wie die Schweiz sind gut ausgebildete, verantwortungsbewusste und innovative Menschen entscheidend. Das international anerkannte Bildungssystem mit Volksschule, dualer Berufsbildung und starken Hochschulen ist ein Erfolgsmodell – aber kein Selbstläufer.

Langfristige Wettbewerbsfähigkeit braucht verlässliche Rahmenbedingungen ebenso wie Freiräume für Innovation und Vielfalt. Der Spirit of Bern 2026 greift diese Herausforderungen auf und lädt dazu ein, Bildung neu zu denken: mutig, vernetzt und zukunftsgerichtet.

Im Vorfeld des Anlasses haben wir mit zwei der Referenten gesprochen und sie gefragt, was für sie beim Thema Bildung und Lernen besonders wichtig ist: mit Petra Joerg, CEO Rochester-Bern Executive Programs, und mit Peter Stämpfli, Verwaltungsratspräsident der Stämpfli Gruppe.

BärnerBär: Was muss sich gemäss Ihrer Einschätzung im Verständnis von Bildung verändern, damit Menschen in einer unsicheren Welt handlungsfähig bleiben?

Petra Joerg: Bildung hat in Demokratien wie der Schweiz seit jeher ein Ziel: Sie soll Menschen dazu befähigen, selbstständig zu denken und zu urteilen, verantwortungsvoll zu handeln und sich kontinuierlich weiterzuentwickeln. So legt sie die Basis, unsere Welt zu verstehen und sich erfolgreich und verantwortungsvoll in ihr zu bewegen. Dazu vermittelt Bildung Wissen, aber auch Können und Haltungen.

An diesem grundlegenden Verständnis ändert sich eigentlich nichts. Was sich aber ändert, und das schneller denn je, ist die Welt, in der wir leben.

Hochschulbildung, die auf diese Welt vorbereitet, fördert beispielsweise zunehmend die Praxis- und Kompetenzorientierung in ihren Studiengängen sowie eine interdisziplinäre Denkweise. Zudem wird ständige Weiterbildung wichtiger.

BärnerBär: Welche Kompetenzen sollten Bildungseinrichtungen heute fördern, die im klassischen Curriculum oft zu kurz kommen?

Joerg: Ich möchte drei zentrale Kompetenzen und eine «neue» hervorheben: Erstens, in unsicheren Situationen Informationen einordnen, Handlungsoptionen abwägen und Entscheidungen treffen zu können – das ist heute entscheidend, fällt aber vielen (jungen) Menschen schwer.

Zweitens, Leben bedeutet permanente Anpassung, dafür braucht es Resilienz, Selbstreflexion und Lernfähigkeit. Scheitern ist kein Problem, wenn man reflektieren, aufstehen und weitermachen kann.

Und drittens: Ebenso wichtig sind das Verstehen unterschiedlicher Perspektiven, der Umgang mit Konflikten und die Führung von Menschen. Die «neue» Kompetenz ist der mündige Umgang mit KI: In einer Welt voller Desinformation müssen wir beurteilen können, was glaubwürdig ist, uns vor neuen Formen von Gewalt schützen und ethische Fragen reflektieren.

BärnerBär: Wo erleben Sie Bildung als echten Möglichkeitsraum?

Joerg: Ich erlebe Bildung als Möglichkeitsraum vor allem in der Weiterbildung bei Rochester-Bern. Dort greifen wir aktuelle Herausforderungen von Schweizer KMU auf und vermitteln Konzepte, die die Teilnehmenden direkt in ihren Unternehmen anwenden. Diese Anwendungen werden gemeinsam durchgespielt, mit Impulsen aus Forschung, Praxis und der Gruppe.

Ein ähnliches Vorgehen nutze ich in einem Workshop mit Masterstudierenden an der Universität Bern. Immer wieder höre ich, dass sich Studierende mehr solche Formate im Bachelor- oder Masterstudium wünschen. Hier gäbe es aus meiner Sicht noch ungenutztes Potenzial.

Hast du schon einmal eine Weiterbildung gemacht?

BärnerBär: Welche Verantwortung tragen Ihrer Ansicht nach Unternehmen heute für Bildung, über die eigene Organisation hinaus?

Peter Stämpfli: Unternehmen tragen eine gesellschaftliche Mitverantwortung. Berufsbildung gehört dazu. Es greift zu kurz, wenn jedes Unternehmen nur versucht, die eigenen Bedürfnisse abzudecken. Arbeitnehmende müssen in verschiedenen Unternehmen arbeiten können, Erfahrungen sammeln.

So ist jedes Unternehmen darauf angewiesen, Menschen mit einer guten Ausbildung und Erfahrung für sich gewinnen zu können. Das ist nur möglich, wenn sich alle für die Bildung im Rahmen ihrer Möglichkeiten einsetzen.

BärnerBär: Warum ist lebenslanges Lernen keine Option mehr, sondern eine Voraussetzung für Zukunftsfähigkeit?

Stämpfli: Lebenslanges Lernen war schon immer eine Voraussetzung, nur dass in den letzten Jahren die Geschwindigkeit technologischer und Marktveränderungen stark zugenommen haben.

Mit den Veränderungen umgehen, Prozesse gestalten und nutzen, in wechselnden Teams zusammenarbeiten und neue Technologien einbinden zu können, gewinnen an Bedeutung.

BärnerBär: Was können Bildungsinstitutionen von unternehmerischem Denken lernen und umgekehrt?

Stämpfli: Der Unterschied zwischen Unternehmen und Bildungsinstitutionen ist gar nicht so gross, wie bisweilen angenommen wird.

Beide müssen ihren Kunden (Kaufende oder Auszubildende) ein Angebot machen, für das die Zielgruppen bereit sind, Zeit und Geld zu investieren. Die Regeln guten Managements gelten sowieso für Unternehmen wie Bildungsinstitutionen.

Notwendig ist ein stärkerer Austausch zwischen den beiden, um Entwicklungen aus je unterschiedlichen Perspektiven frühzeitig erkennen und gewichten zu können.

Was ist der «Spirit of Bern»?

Die Stiftung SPIRIT OF BERN wurde 2015 mit dem Ziel gegründet, ein Forum des Dialogs zu etablieren. Dabei sollten aktuelle Probleme der Gesellschaft durch Vertreter und Vertreterinnen der Wirtschaft, Wissenschaft und Politik diskutiert und Lösungsansätze formuliert werden.

Der Anlass ging erstmals 2016 im Kursaal Bern über die Bühne und hat sich in den letzten zehn Jahren zu einem wahren Leuchtturm in Bern entwickelt, immer wieder gespickt mit hochaktuellen Themen und prominenten Gästen auf der Bühne.

Auch dieses Jahr. Das Thema BILDUNG ZUKUNFT SCHWEIZ stösst auf grosses Interesse, mit Bundespräsident Guy Parmelin ist zum vierten Mal in Serie ein Bundesrat zu Gast. Die Referentinnen und Referenten sind wieder hochkarätig, angeführt durch Thomas Zurbuchen von der ETH Zürich.

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