Pleitegeier kreist über St. Galler Restaurants
In St. Gallen müssen derzeit mehrere bekannte Gastronomiebetriebe schliessen. Die jüngsten Konkurse sorgen für Aufsehen.

Es kam zur abrupten Schliessung des traditionsreichen Ristorante Toscana an der Lämmlisbrunnenstrasse 41, das für seine italienische Gastfreundschaft bekannt war. Das renommierte Lokal bestand über dreissig Jahre. Gleichzeitig wurde das The Pinch an der Davidstrasse 20 nach sieben Jahren geschlossen.
Es servierte Menüs mit kalifornischem und australischem Einschlag. Über die Betreibergesellschaften der beiden Lokale, die The Zurich Trading Company GmbH von Sam Stephens und Mark Seman, wurde der Konkurs eröffnet.
Die beiden Gastronomen hatten 2022 auch die Pacht des ehemaligen Spanischen Klubhauses übernommen und dort eine qualitativ hochrangige Küche mit asiatischem Einschlag geführt.
Wegen weiterer Renovationsarbeiten wurde das Restaurant geschlossen. Ab Oktober 2025 war das Gebäude wieder betriebsbereit, doch das Gourmet-Restaurant öffnete nicht erneut. Eine Wiedereröffnung ist für kommenden November geplant.
Dafür wurde in den letzten Tagen die Klubhaus St. Gallen GmbH gegründet, an der Stephens und Seman allerdings nicht beteiligt sind.

Über ihre The Zurich Trading Company waren die beiden auch an der Betreiberin des indischen Spezialitätenrestaurants Radio Mumbai im ehemaligen Hörnli beteiligt, das eine längere Schliessungszeit hinter sich hat.
Auch die Cavallino Gastro GmbH wurde durch Liquidation und Konkurs als Rechtseinheit aufgelöst. Das Konkursverfahren wurde vom Konkursrichter mangels Aktiven eingestellt.
Das Restaurant Cavallino an der Langgasse war ein renommierter Betrieb mit gehobenem Angebot und zahlreichen Bestbewertungen auf Tripadvisor.
Auch Spitzenkoch betroffen
Letztes Jahr wurde das Restaurant Multertor im Globus-Gebäude, das vom Spitzenkoch Tobias Funke geführt wurde, auf behördliche Anweisung des Konkursamtes zwangsliquidiert und geschlossen. Über die Betreibergesellschaft Multertor Kulinarik AG wurde der Konkurs eröffnet.
Inzwischen hat ein anderer Gastronom das Lokal unter dem neuen Namen «Razzo» wiedereröffnet. Auch der Gastro- und Eventbetrieb «Collectiv» am Marktplatz geriet wegen unbezahlter Rechnungen in die Schlagzeilen. Das Konkursverfahren gegen die collectiv gastro GmbH wurde im April mangels Aktiven eingestellt.
Anschliessend wurde der Betrieb von einer anderen Aktiengesellschaft weitergeführt. Solche Übernahmen sind in der Gastronomieszene häufig: Liquidierte Unternehmen werden nicht selten unter gleichem Namen neu geführt.
Anspruchsvolle Aufgabe
Diese Ereignisse zeigen, dass auch Restaurants mit gehobener Küche nicht vor dem Scheitern gefeit sind. Die Führung solcher Lokale ist anspruchsvoll und erfordert ein gutes Management.
Allerdings zeigen sich in der gesamten St. Galler Gastronomiebranche Probleme mit der Wirtschaftlichkeit.
34 gegründet, 42 geschlossen
Im Konkursverzeichnis des Kantons ist die Gastronomie im Gegensatz zur Baubranche zwar keineswegs stark übervertreten. Die Zahlen von Business Monitor zeigen jedoch, dass viele neu eröffnete Betriebe rasch wieder aufgegeben werden, hauptsächlich wegen fehlender Rendite.

In den letzten zwölf Monaten wurden 34 Unternehmen gegründet und im gleichen Zeitraum 42 geschlossen. In den vergangenen zehn Jahren kam es zu 396 Neugründungen, von denen heute nur noch 71 aktiv sind.
Um über 24 Prozent gewachsen
Dennoch ist die Branche mit insgesamt 359 Restaurants in der Stadt in den letzten zehn Jahren um 24,7 Prozent gewachsen. Das darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass es in St.Gallen trotz sparsamer gewordener Gäste auch viele dauerhaft gut geführte Lokale gibt.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst in den «St. Galler Nachrichten» erschienen.








