Gastronomie

    Wirbel um QR-Codes in der Zürcher Gastronomie

    Clarissa Rohrbach
    Clarissa Rohrbach

    Zürich,

    In immer mehr Zürcher Restaurants kann mittels QR-Code bestellt und bezahlt werden. Menschen mit geringen digitalen Kompetenzen kritisieren die Automatisierung.

    Das Café Lochergut will mit der Bestellung via QR-Code Digital Natives ansprechen.
    Das Café Lochergut in Zürich will mit der Bestellung via QR-Code Digital Natives ansprechen. - Clarissa Rohrbach

    Das Wichtigste in Kürze

    • Der QR-Code erobert die Zürcher Gastronomie.
    • In immer mehr Restaurants kann damit bestellt und bezahlt werden.
    • Das kommt jedoch nicht überall gut an – vor allem bei Personen mit geringen digitalen Kompetenzen.

    Leserin Marlies Staub staunte nicht schlecht, als sie letzthin am Flughafen Zürich einen Kaffee bestellen wollte. «Darf ich bitte bestellen?», sagt sie der Kellnerin. «Klar, hier!», antwortet diese und deutet auf einen Würfel auf dem Tisch mit einem QR-Code.

    «Was hier?», sagt die 75-jährige Kundin. «Hier bestellen», erklärt die Bedienung. Sie sei nur für das Bringen der Ware und das Abräumen zuständig.

    Nur nach hartnäckigem Bitten nimmt sie widerwillig die Bestellung auf. Dafür sei eigentlich der QR-Code da. «Für mich war das eine Zumutung. Wo bleibt da die Gastfreundschaft, wenn die Technologie die Menschen ersetzt?», sagt Staub, die ihr Handy nur zum Telefonieren braucht.

    So wie Staub geht es vielen anderen: In der Schweiz haben 1,25 Millionen Menschen geringe oder wenige digitale Kompetenzen, das sind 22 Prozent der erwachsenen Bevölkerung.

    Pandemie als Auslöser

    Dass QR-Codes die Menükarte ersetzen, hat sich seit Corona etabliert. Während der Pandemie mussten Gastronomen die Speisekarte nach jedem Gast putzen und desinfizieren. Deswegen haben sie eine elektronische Karte eingeführt, zu der man nur durch das Scannen des QR-Codes gelangt.

    QR-Codes die Menükarte
    Dass QR-Codes die Menükarte ersetzen, hat sich seit Corona etabliert. (Symbolbild) - keystone

    Neu ist nun jedoch, dass in Zürcher Restaurants auch digital bestellt und bezahlt werden kann, so wie eben am Flughafen. «Gäste können so schnell und unkompliziert bestellen und bezahlen. Gerade am Flughafen ist Zeit ein wichtiger Faktor, da es viele eilig haben», sagt Sprecherin Livia Caluori.

    Es handle sich um ein zusätzliches, freiwilliges Angebot, Gäste könnten sich weiterhin an das Servicepersonal wenden. Gäste profitierten so von kürzeren Wartezeiten, der freien Wahl des Zahlungsmittels und mehr Flexibilität. Auch für die Mitarbeitenden gebe es Vorteile.

    Digitale Lösungen könnten diese entlasten und Abläufe effizienter machen. «Die Digitalisierung ist für uns ein Weg, das Gästeerlebnis zu verbessern, nicht ein Ersatz für den persönlichen Service.»

    Auch im Café Lochergut im Zürcher Kreis 3 stehen Schildchen mit einem QR-Code auf den Tischen. «Wir haben viel Kundschaft, die eine schnelle Verpflegung braucht. Mit dieser Möglichkeit kommen wir diesem Bedürfnis entgegen», sagt Mitinhaber Adil Pajaziti.

    Die Digitalisierung verringere den Papierverbrauch und sei eine einfache Bestellmöglichkeit, die dem Nutzungsverhalten vieler Digital Natives entspreche. «Wichtig ist uns dabei, dass die Kunden nach wie vor die Wahl haben, ob sie beim Servicepersonal bestellen wollen.»

    Findest du das Bestellen per QR-Code im Restaurant praktisch?

    Auch im Café Europa an der Europaallee, das von den gleichen Gastronomen betrieben wird, wird eine Bestellung mittels QR-Code nahegelegt.

    Bei der Familie Wiesner Gastronomie, die unter anderem das Nooch, das Miss Miu oder das Negishi betreibt, kann in allen 34 Restaurants per QR-Code bezahlt werden. Digitale Bestellungen hingegen sind nur im Kitchen Republic möglich.

    «Am Mittag sind alle gestresst, weil sie zurück ins Büro müssen, da möchten alle gleichzeitig bezahlen», sagt Co-Geschäftsführer Daniel Wiesner. In dieser Zeit wird das Angebot von 40 Prozent der Gäste genutzt, am Abend seien es 30 Prozent, Tendenz steigend.

    «Die Leute schätzen beim Zahlen via QR-Code die Flexibilität, sie wollen nicht zehn Minuten auf die Rechnung warten», sagt Wiesner. Auch für das Personal sei das eine Entlastung. Digitale Lösungen könnten Abläufe vereinfachen und mehr Zeit schaffen für das, was die Gastronomie eigentlich ausmacht: Gäste beraten, präsent sein und ein gutes Erlebnis schaffen.

    Doch Wiesner weiss, dass die Digitalisierung für manche eine Herausforderung ist. «Digitale Lösungen sollen das Gästeerlebnis sinnvoll ergänzen und nicht zum Hindernis werden.»

    Die Automatisierung sei kein Selbstzweck, obwohl sie Teil der Zukunft der Gastronomie sei, sie sei vielmehr ein Werkzeug, das Mitarbeitende in ihrer Arbeit unterstützt. Für echte Gastfreundschaft mache immer noch der Mensch den Unterschied.

    Grenzen des Wachstums

    Die meisten Lokale in Zürich arbeiten für die digitale Bestellung und Zahlung mit der App Yoordi zusammen. Das Zürcher Start-up hat bereits jetzt mehrere Hundert Restaurants in der Schweiz und in einigen EU-Ländern als Kunden.

    Prostatakrebs Kaffee Luzern
    Ein Kaffee steht in einem Restaurant auf einem Tisch. (Symbolbild) - keystone

    «Wir sind vom Wachstumspotenzial überzeugt, niemand wartet gerne auf die Rechnung, das beeinträchtigt den Restaurantbesuch», sagt Chefin Elisa Chiarelli. Sie plant, mehrere Tausend weitere Lokale an Bord zu holen. Dies helfe auch beim Personalmangel in der Gastronomie.

    Mit der Auslagerung des Bestell- und Bezahlprozesses gewinne man als Gastgeber einiges an Zeit. Doch Chiarelli sieht auch die Grenzen des Wachstums. «Ein Durchbruch hängt nicht von der Offenheit der Betriebe ab, sondern auch von den Gästen und ihrer Fähigkeit, ein Smartphone zu benutzen.»

    Die digitale Lösung sei nicht für jede Zielgruppe ideal. «Die Dorfbeiz mit ihren älteren Stammgästen wird wohl auch künftig ohne QR-Code auskommen.»

    Hinweis

    Dieser Artikel ist zuerst im «Tagblatt Zürich» erschienen.

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