Pflegekräfte kommen zu uns – Deutsche Lebenserwartung sinkt
Laut einer neuen Studie ist die Sterblichkeit in deutschen Spitälern an der Schweizer Grenze gestiegen, weil Pflegekräfte zum Arbeiten in die Schweiz kommen.

Das Wichtigste in Kürze
- In den grenznahen deutschen Spitälern ist die Sterblichkeit um 4,4 Prozent gestiegen.
- Grund dafür ist der Abgang der Pflegekräfte in Richtung Schweizer Spitäler.
- Deutsche Spitäler müssen Patienten nach ihren medizinischen Bedürfnissen priorisieren.
Die Schweiz profitiert im Gesundheitswesen immer wieder von Fachkräften aus Deutschland – so auch in der Pflege. Gerade weil das Arbeiten in der Schweiz lukrativer ist.
Eine neue Studie zeigt jetzt, welche Konsequenzen das vor allem für deutsche Spitäler nahe der Schweizer Grenze hat: Die Abwanderung von Pflegekräften hat die Sterblichkeit in grenznahen deutschen Spitälern um 4,4 Prozent steigen lassen.
Auswirkungen vor allem auf ältere Patienten und Notfälle
Das hat die Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) aus Mannheim und des Münchner Ifo-Instituts ergeben. «Der Fachkräftemangel wirkte sich vor allem auf ältere Patientinnen und Patienten sowie Notfälle aus. Bei ihnen erhöhte sich die Sterberate», erklärt Studienautor Oliver Schlenker.
Er ergänzt: «Damit verbunden ist eine stagnierende Lebenserwartung in den betroffenen Grenzregionen zur Schweiz – während diese im Rest Deutschlands stieg.»
Demnach hätten im Jahr 2011 viele in Grenznähe lebende deutsche Pflegekräfte begonnen, in der Schweiz zu arbeiten. Ein Grund: Der konstant starke Schweizer Franken.
Kombiniert mit der hohen Nachfrage nach Pflegefachkräften bei uns und stagnierenden Löhnen in deutschen Spitälern seien so Stellenwechsel attraktiv geworden. Dies gelte vor allem für examinierte Pflegefachkräfte.
Zahl nicht dringlicher Operationen gesenkt
Die grenznahen deutschen Spitäler haben laut der Studie im Durchschnitt zwölf Prozent ihres Pflegepersonals verloren im Vergleich zu ähnlichen Landeskreisen im Landesinnern. «Bei Patienten mit Sepsis und Herzinfarkt erhöhte sich die Sterblichkeit um 11,6 und 17,7 Prozent», erklärt Schlenker.
«Die Lebenserwartung in der Grenzregion sank um etwa 0,3 statistische Lebensjahre im Vergleich zu ähnlichen Kreisen im Landesinneren.» Deutsche Spitäler nahe der Schweizer Grenze hätten zudem damit begonnen, Patienten nach ihren medizinischen Bedürfnissen zu priorisieren. Und die Zahl nicht dringlicher Operationen zu senken.
Die Studie konzentrierte sich auf alle stationären Spitalfälle über den Zeitraum von 2006 bis 2017.

















