Pfarrei Hünenberg: Haben keine Mühe, Freiwillige zu finden

Mohan Mani
Mohan Mani

Region Zug,

Ohne Freiwillige würde vieles in der Pfarrei Hünenberg nicht funktionieren. Ihr Engagement geht weit über praktische Hilfe hinaus.

Der Kirchenchor singt am Chäppelifäscht.
Der Kirchenchor singt am Chäppelifäscht. - zVg

Wer an Freiwilligenarbeit denkt, hat oft das Bild von Vereinsvorständen, Samaritern oder Helfenden an Dorffesten im Kopf. Weniger sichtbar, aber ebenso zentral ist das Engagement in den Pfarreien.

Auch in Hünenberg tragen zahlreiche Freiwillige dazu bei, dass kirchliches Leben überhaupt stattfinden kann – Woche für Woche, oft still im Hintergrund und ohne grosses Aufsehen.

«Die Freiwilligen leisten einen wertvollen Beitrag zu unserem Pfarreileben, den wir sehr schätzen», sagt Nina Hübscher, Verantwortliche für Öffentlichkeitsarbeit sowie Kinder- und Familienpastoral der Pfarrei Hünenberg.

Deshalb werde den Helfer:innen auch bewusst Wertschätzung entgegengebracht: Einmal jährlich lädt die Pfarrei alle Freiwilligen zu einem gemeinsamen Dankesessen ein.

Viele Aufgaben, ein gemeinsames Ziel

Die Möglichkeiten, sich freiwillig zu engagieren, sind vielfältig. Besonders sichtbar wird dies im Gottesdienst selbst. Dort übernehmen Freiwillige ganz unterschiedliche Rollen.

Einige empfangen Besucherinnen und Besucher im Willkommensteam, andere wirken als Lektorinnen und Lektoren mit oder unterstützen als Ministrantinnen und Ministranten den Ablauf der Feier. Auch Angebote wie die Kinderkirche wären ohne ehrenamtliches Engagement kaum denkbar.

Das freiwillige Willkommensteam steht bereit. - zVg
Das freiwillige Willkommensteam steht bereit. - zVg

Gerade diese Vielfalt mache die Freiwilligenarbeit attraktiv, erklärt Hübscher. Nicht jede und jeder müsse im Vordergrund stehen. Manche engagierten sich lieber sichtbar im direkten Kontakt mit Menschen, andere eher organisatorisch im Hintergrund.

«Die individuellen Talente und Fähigkeiten können gezielt in unterschiedlichen Angeboten eingesetzt werden», sagt sie. Das Prinzip dahinter ist einfach: Wer sich einbringen möchte, soll einen Platz finden, der zu den eigenen Fähigkeiten und Interessen passt.

Damit entsteht eine Form von Engagement, die nicht auf Pflichtgefühl basiert, sondern auf persönlicher Motivation.

Engagement ohne starre Verpflichtungen

Anders als in vielen Vereinen gibt es in der Pfarrei keinen formellen Zusammenarbeitsvertrag. Das Engagement basiert auf Freiwilligkeit und gegenseitigem Vertrauen. «Grundsätzlich kann sich jede und jeder einbringen, solange es für die betreffende Person stimmig ist», erklärt Hübscher.

Ganz ohne Verbindlichkeit funktioniert das System allerdings nicht. Wer eine Aufgabe übernimmt, soll zuverlässig sein. Einsätze müssen wahrgenommen oder bei Verhinderung selbstständig organisiert werden.

Trotzdem bleibt das Modell flexibel: Ein- und Ausstiege seien unkompliziert möglich. Diese Offenheit entspricht auch gesellschaftlichen Entwicklungen.

Viele Menschen möchten sich zwar engagieren, scheuen aber langfristige Verpflichtungen oder starre Vereinsstrukturen. Flexible Formen der Freiwilligenarbeit gewinnen deshalb zunehmend an Bedeutung.

Die Pfarrei Hünenberg hat diesen Wandel erkannt.

Keine Spur von Freiwilligenmangel

Während zahlreiche Organisationen in der Schweiz Mühe haben, neue Freiwillige zu finden, erlebt die Pfarrei Hünenberg die Situation weniger dramatisch. «Nein, diesen Eindruck haben wir nicht», sagt Hübscher auf die Frage, ob die Bereitschaft zur Freiwilligenarbeit abnehme.

Hünenberg
Hünenberg ist eine von elf Gemeinden des Kantons Zug. - Gemeinde Hünenberg

Ein Grund dafür dürfte die starke lokale Verankerung sein. Hünenberg verfüge über ein gut funktionierendes Netzwerk und eine ausgeprägte Verbundenheit innerhalb der Dorfgemeinschaft.

Die Pfarrei setzt bewusst darauf, Menschen zu befähigen und ihnen Möglichkeiten zu bieten, ihre Fähigkeiten einzusetzen. Das zeigt sich auch daran, wie mit Rückmeldungen umgegangen wird.

Positive wie kritische Stimmen würden innerhalb der Teams offen besprochen. «So können Anliegen aufgenommen und die Zusammenarbeit laufend weiterentwickelt werden», erklärt Hübscher.

Diese Kultur der Offenheit scheint entscheidend zu sein. Denn Freiwilligenarbeit funktioniert langfristig nur dort, wo Menschen das Gefühl haben, ernst genommen und gebraucht zu werden.

Mehr als nur Hilfe

Der gesellschaftliche Wert von Freiwilligenarbeit lässt sich kaum in Zahlen messen. Zwar übernehmen Freiwillige konkrete Aufgaben und entlasten damit Institutionen finanziell und organisatorisch.

Engagierst du dich freiwillig in einem Verein oder einer Organisation?

Doch mindestens ebenso wichtig ist die soziale Wirkung ihres Engagements. Gerade in einer Zeit, in der viele Menschen über Einsamkeit und schwindenden gesellschaftlichen Zusammenhalt klagen, entstehen in der Freiwilligenarbeit Begegnungen und Beziehungen.

Menschen unterschiedlicher Generationen und Hintergründe arbeiten gemeinsam an einem Ziel. Sie erleben Zugehörigkeit, Verantwortung und Sinn. In der Pfarrei Hünenberg zeigt sich dies besonders deutlich.

Hier geht es nicht nur darum, Gottesdienste organisatorisch zu ermöglichen. Es geht darum, eine lebendige Gemeinschaft zu schaffen – eine Gemeinschaft, die Menschen auffängt, einbindet und miteinander verbindet.

Wer freiwillig mitarbeitet, gestaltet das Pfarreileben aktiv mit. Gleichzeitig prägt die Arbeit oft auch die Engagierten selbst. Viele erleben ihre Tätigkeit als Bereicherung, lernen neue Menschen kennen oder entdecken Fähigkeiten, die im Alltag sonst verborgen bleiben würden.

Eine stille Kraft der Gesellschaft

Freiwilligenarbeit erzeugt selten Schlagzeilen. Sie geschieht meist leise, unspektakulär und ohne grosse Bühne. Gerade deshalb wird ihre Bedeutung oft unterschätzt.

Dabei wären viele gesellschaftliche Bereiche ohne dieses Engagement kaum denkbar – von Sportvereinen über Kulturveranstaltungen bis hin zu sozialen und kirchlichen Angeboten. Die Pfarrei Hünenberg ist ein Beispiel dafür, wie Freiwilligenarbeit heute funktionieren kann: niederschwellig, flexibel und gemeinschaftlich.

Menschen bringen sich dort ein, wo ihre Talente gebraucht werden, ohne bürokratische Hürden und mit Raum für individuelle Möglichkeiten. Vielleicht liegt genau darin das Erfolgsrezept.

Nicht die Verpflichtung steht im Zentrum, sondern die Bereitschaft, gemeinsam etwas zu tragen. Oder, wie es Nina Hübscher formuliert: «Die wichtigste Voraussetzung ist die Bereitschaft, etwas Gutes zu tun und sich in die Gemeinschaft einzubringen.»

Hinweis

Dieser Artikel ist zuerst in der «Zuger Woche» erschienen.

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