Pendler verwirrt: «In zweiter Klasse hat's mehr Platz als in erster»
Ein unvorteilhaftes Pendler-Phänomen: Die erste Klasse ist überfüllter als die zweite Klasse. Die SBB klärt gegenüber Nau.ch auf, woran das liegt.

Das Wichtigste in Kürze
- Auf der Strecke Bern-Zürich via Aarau ist die erste Klasse im Zug plötzlich komplett besetzt.
- In der günstigeren zweiten Klasse hätte es mehr Platz, amüsiert sich ein Pendler.
- Jetzt klärt die SBB auf, was zu einer solchen Auslastung führen kann.
Mittwochabend, kurz nach 16 Uhr. Auf den Perrons herrscht Feierabendstimmung, Pendler strömen in die Züge. Für Mark S.* beginnt die Heimreise im Bummler von Bern über Aarau nach Zürich.
Eigentlich setzt er dabei auf die erste Klasse. Mit seinem Billett findet er selbst zu Stosszeiten meist problemlos einen Platz. Doch weit gefehlt: Die Waggons sind bis auf den letzten Platz gefüllt, die Menschen schieben sich durch die Gänge.
«In der zweiten Klasse hat es mehr Platz als in der ersten», ruft ein anderer Pendler amüsiert und schmunzelt. Erst in Aarau lichtet sich das Gedränge wieder merklich.
Dass die Luxusklasse voller ist als die günstigere, erstaunt. Denn: Die Kosten von Bern nach Aarau, ohne Halbtax betragen 58 Franken in der 1. Klasse. In der zweiten ist es viel billiger: 34 Franken.
Eher Ausnahme als Alltag
Trotzdem ist das kein ungewöhnliches Pendler-Phänomen, wie die SBB gegenüber Nau.ch bestätigt. «Punktuell kann es vorkommen, dass die erste Klasse stärker ausgelastet ist als die zweite», schreibt SBB-Sprecherin Carmen Hefti.
Dies sei jedoch eher Ausnahme als Regel. Grundsätzlich sei die zweite Klasse stärker belegt.
Wer die Strecke kennt, weiss: Hier sind an Werktagen vor allem Geschäftsreisende unterwegs. Und diese erhalten vom Arbeitgeber oftmals ein GA für die 1. Klasse.
Heft sagt: «Besonders in den Stosszeiten sind die Züge sowohl in der ersten wie auch in der zweiten Klasse sehr gut ausgelastet.» Dies sei insbesondere an Werktagen zwischen 17 und 18 Uhr der Fall.
Vor allem auf stark frequentierten Verbindungen könne es deshalb durchaus vorkommen, dass sich die Verhältnisse kurzfristig umkehren. «Insgesamt variiert die Auslastung je nach Zug, Strecke und Nachfrage», sagt Hefti.
Reisende verteilen sich ungleichmässig
Für solche Situationen gebe es verschiedene Erklärungen.
Hefti erklärt: «Etwa eine ungleichmässige Verteilung der Reisenden im Zug, unterschiedliche Nachfrage auf einzelnen Streckenabschnitten oder kurzfristige Anpassungen bei der Zugskomposition.»
«Auch spontane Klassenwechsel von Reisenden können eine Rolle spielen», betont die Sprecherin.
Um Engpässe möglichst zu vermeiden, wertet die SBB laufend Daten zur Auslastung ihrer Züge aus. So entscheide man, wie viele Wagen und welche Sitzklassen ein Zug auf einer bestimmten Strecke zu einer bestimmten Uhrzeit brauche.
«Die Daten werden ergänzend auch als Kundeninformation genutzt», sagt Hefti. Wer vor Abfahrt einen Blick in die SBB-App oder den Online-Fahrplan wirft, erhält dort bereits eine Prognose zur erwarteten Auslastung.
* Name der Redaktion bekannt













