Patienten verscherbeln sogar ihr eigenes Zahngold
Viele Schweizerinnen und Schweizer sind so aufs Gold erpicht, dass sie nun sogar ihre Goldzähne zu Geld machen. Das freut nicht alle.

Das Wichtigste in Kürze
- Ein Goldankäufer berichtet, dass Kundinnen sogar Zahngold im Laden abgeben.
- Teilweise geschieht das direkt nach dem Zahnarzttermin – mit Zahnfleisch noch dran.
- Auch Goldbarren werden vermehrt zu Geld gemacht.
Die Szene in einem Goldlädeli in der Ostschweiz wirkt fast surreal. Eine ältere Frau will ihre Goldzähne zu Geld machen und bringt sie darum im Laden vorbei.
«Die Zähne waren frisch entfernt worden, man sah auch noch Teile vom Zahnfleisch dran», erzählt gegenüber Nau.ch ein Ankäufer.

Laut einem Online-Rechner wiegt eine durchschnittliche Zahnkrone aus Gold zirka zwei bis fünf Gramm.
Bei 10 Karat entsprechen fünf Gramm einem Marktwert von 297 Dollar (237 Franken) bei 24 Karat sogar 710 (566 Franken). In Ankaufläden wird allerdings oftmals deutlich weniger dafür bezahlt.
Klar ist aber: Gold zieht weiter an. Im Januar hat der Preis gleich mehrere Rekorde gebrochen.
Und mit dem Höhenflug kommen Leute auf seltsame Gedanken. Der Ankäufer sagt, solche Besuche nähmen zu. Viele wollen aus allem noch einen Wert machen, weil Gold als Anlage wieder überall Thema sei.
Vom Zahngold zum Goldbarren
Im Laden bleibt es nicht bei kleinen Stücken. «Neben Zahngold und Schmuck bringen mir Leute auch Goldbarren in den Laden», sagt der Ankäufer.
Doch ab da wird es kompliziert. «Schwierig wird es, wenn das Zertifikat oder andere Unterlagen fehlen. Viele kommen dann nicht zur Bank, sondern direkt zu mir, weil sie weniger Hürden erwarten.»
Und er betont: «Anonym ist das trotzdem nicht, wir nehmen bei Verkäufen Name und Adresse auf.»
Banken kaufen nicht einfach jeden Barren
Bei den Banken ist der Rahmen klarer definiert. Die ZKB schreibt: «Die Zürcher Kantonalbank kauft Gold in Form von Barren oder Münzen grundsätzlich nur von ihren Kundinnen und Kunden.»
Eine Ausnahme gibt es bei eigenen Barren: «Diese können auch von Personen verkauft werden, die keine Kundinnen oder Kunden der Zürcher Kantonalbank sind.»

Dann ist der Ankauf aber eingeschränkt. «In diesem Fall ist der Ankauf jedoch ausschliesslich in den ZKB-Filialen Zürich City und Winterthur möglich.» Und ohne Papier läuft es nicht: «Grundsätzlich muss für den Ankauf sämtlicher Goldbarren ein Zertifikat vorhanden sein.»
Wann Bank Geldwäscherei-Meldung prüft
Auch Raiffeisen knüpft den Ankauf an Vorgaben. Die Bank schreibt: «Die Raiffeisen Gruppe kauft und verkauft ausschliesslich Goldbarren, die die Good Delivery Standards der London Bullion Market Association (LBMA) erfüllen.»
Dabei handelt es sich um strenge Qualitäts-Standards, die unter anderem die Reinheit und den Anteil des Golds betreffen.
Dazu heisst es bei Raiffeisen: «Der Umfang der Abklärungen und allfälliger zusätzlicher Unterlagen hängt von den konkreten Umständen im Einzelfall ab.»
Eine Verdachtsmeldung an die Meldestelle für Geldwäscherei prüft Raiffeisen, wenn ein begründeter Verdacht besteht. Etwa dann, wenn nicht ausgeschlossen werden kann, dass Goldbarren aus einem Verbrechen oder qualifizierten Steuervergehen stammen.
Viele wollen ihr Zahngold gar nicht haben
Die Zahnfleisch-Schilderung des Ankäufers überrascht die Schweizerische Zahnärzte-Gesellschaft SSO. Sie hat eine andere Sicht auf den üblichen Ablauf bei Zahngold-Entfernungen.
«Zahnärztinnen und Zahnärzte übergeben das Altgold gereinigt (in Alkohol eingelegt), zum Beispiel in einem kleinen Zippbeutelchen.»
Die SSO schreibt auch: «Neun von zehn Patienten wollen entferntes Zahngold aber gar nicht haben.» Dann besteht die Möglichkeit, das Zahngold zu spenden.












