Die Corona-Pandemie hat gemäss dem Gewerkschaftsdachverband Travail.Suisse die Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern in der Arbeitswelt verschärft.
Rentensystem Schweiz
Das Vorsorgesystem der Schweiz landet im Vergleich mit 43 Ländern auf Platz 11. In allen Regionen der Welt gebe es signifikante Geschlechterunterschiede bei den Vorsorgeleistungen. (Archivbild) - sda - KEYSTONE/DPA/STEPHAN SCHEUER

Das zeigt die Umfrage «Barometer Gute Arbeit», welche die Institution jährlich durchführt. In allen befragten sechs Teildimensionen seien die Frauen im Jahr 2021 deutlich weniger zufrieden gewesen als die Männer, schreibt der Verband zur Publikation der Umfrageergebnisse des Jahres 2021.

Im Jahr 2017 sei dies nur beim Kriterium «Stress» der Fall gewesen, sagte Travail.Suisse-Vizepräsidentin und Nationalrätin Léonore Porchet (Grüne/VD) vor den Medien.

Männer hingegen hätten die Entlastungen aufgrund der Corona-Pandemie wie etwa längere Ruhezeiten, Massnahmen zum Gesundheitsschutz und eine verbesserte Ausstattung und Arbeitsumgebung - zum Beispiel die Möglichkeit, von zu Hause aus zu arbeiten - stärker wahrgenommen als Frauen.

Coronavirus hat Diskriminierung von Frauen verstärkt

Jede fünfte befragte Person sei zudem der Ansicht, dass Frauen und Männer nicht dieselben Aufstiegschancen in Leitungsfunktionen hätten. Auch bei der Lohngleichheit gebe es noch markante Unterschiede. Die Covid-19-Krise habe die Diskriminierung, «die das Leben und die Karriere von Frauen bereits vorher stark beeinträchtigt» habe, noch verstärkt, schreibt Travail.Suisse.

Der Barometer zeigt nach Ansicht des Gewerkschaftsdachverbands deutlich, dass für die Verwirklichung der Gleichstellung viel ehrgeizigere politische Massnahmen ergriffen werden müssen. Verbandspräsidenten Adrian Wüthrich erklärte vor den Medien, die Löhne müssten deutlich angehoben werden, vor allem in den sogenannten Frauenberufen, die für das Funktionieren des Systems von grundlegender Bedeutung seien. Die Antworten auf die Umfrage zeigten, dass viele Menschen davon ausgehen würden, dass die Arbeitsbelastung «in naher Zukunft» erheblich zunehme.

Arbeitnehmende oft zu erschöpft für Privatleben

In der Umfrage wurde auch beleuchtet, wie Arbeitnehmende den Beruf mit anderen Lebensbereichen vereinen können. Demnach gaben mehr als drei Viertel der Arbeitnehmenden an, dass sie ihre Arbeit gut mit ihrem Privatleben vereinbaren können. Ein Drittel sei aber oft oder sehr oft zu erschöpft, um sich noch um private Angelegenheiten zu kümmern.

Dieses Problem mache sich besonders in Haushalten mit Kindern oder bei Personen, die noch Angehörige pflegten, bemerkbar. Es fehle weiterhin an passenden Strukturen für familien- und schulergänzende Kinderbetreuung und angesichts der alternden Bevölkerung auch in der Unterstützung von pflegenden Angehörigen. Hier werde gemäss der Umfrage nur ein Drittel von den Arbeitgebern unterstützt.

Ohnehin sei der Stress der Arbeitnehmenden auf einem «besorgniserregenden Niveau». Fast 45 Prozent der Arbeitnehmenden würden sich durch ihre Arbeit häufig gestresst fühlen. Die Arbeitgebenden müssten die Arbeitsintensität senken, damit die Gesundheit ihrer Angestellten nicht leide, fordert Travail.Suisse.

Arbeitsbedingungen besser bewertet als in Vorjahren

Insgesamt deute die siebte Befragung «Barometer Gute Arbeit» 2021 in den meisten Bereichen zwar daraufhin, dass die Arbeitsbedingungen besser bewertet wurden als in früheren Jahren. Etliche Kriterien seien durch die Arbeitnehmenden signifikant besser beurteilt worden als in den Vorjahren.

Allerdings führt Travail.Suisse dies auf den Befragungszeitpunkt zurück. Die Umfrage sei im Juni 2021 durchgeführt worden, als viele Massnahmen zum Schutz vor dem Corona-Virus gelockert wurden. Es sei daher etwa wenig überraschend, dass die Umfrageteilnehmenden bei der Frage über die Angst um den Arbeitsplatz die kurzfristige Perspektive und damit die Arbeitsplatzsicherheit deutlich besser beurteilt hätten als in den Vorjahren. Beinahe die Hälfte der Arbeitnehmenden befürchte aber weiterhin, dass sie bei einem Stellenverlust keine vergleichbare Stelle mehr finden würde.

Arbeitsort dient auch sozialen Zwecken

Ein ähnliches Phänomen macht Travail.Suisse bei der Befragung zum Thema Gesundheitsschutz aus. Es scheine plausibel, dass als Folge der Covid-19-Situation die Massnahmen zum Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz als verbessert eingeschätzt worden seien - und dass die Arbeitnehmenden weniger häufig krank zur Arbeit erschienen seien. Es bleibe aber abzuwarten, ob es sich dabei um eine nachhaltige Veränderung handle.

Die Befragten äusserten sich auch zum Thema Homeoffice. Demnach wurde rund die Hälfte der Befragten während der Pandemie regelmässig ins Heimbüro geschickt. Dabei zeige sich: Der Arbeitsplatz sei ein sozialer Ort und nicht nur der Ort der Arbeitsverrichtung. Denn gerade die Nachteile von Homeoffice seien nach der langen Zeit negativer eingeschätzt worden als im vorangehenden Jahr, nämlich insbesondere wegen der fehlenden sozialen Kontakte.

Travail.Suisse fordert nun neue Regeln im Umgang mit Homeoffice. Es müsse klar geregelt werden, dass die Arbeitgebenden für die Kosten geradestehen müssten und dass die Arbeitnehmenden ein Recht darauf hätte, nicht erreichbar zu sein. Zudem müsse der Anteil des Homeoffice auf die Hälfte des Arbeitspensums beschränkt werden. Für das Barometer liess der Verband rund 1500 Personen zwischen 16 und 64 Jahren befragen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Corona-Krise hat die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern verstärkt.
  • Zu duesme Schluss kommt die Umfrage «Barometer Gute Arbeit».
  • Aber: Die Arbeitsbedingungen seien generell besser als in den Vorjahren.

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