Ozonwerte steigen deutlich in der Zentralschweiz!
Die sommerlichen Temperaturen lassen die Ozonwerte in die Höhe steigen.

Das Wichtigste in Kürze
- Die Ozonwerte in der Zentralschweiz sind derzeit deutlich erhöht.
- Auch der Kanton Zug ist betroffen, wobei es sich um ein überregionales Phänomen handelt.
- Verantwortlich dafür sind die anhaltenden sonnigen und heissen Sommertage.
Die anhaltende Sommerhitze lässt die Ozonwerte in der Zentralschweiz deutlich ansteigen. Davon betroffen ist auch der Kanton Zug. Besonders an sonnigen Nachmittagen werden die gesetzlichen Grenzwerte regelmässig überschritten.
Das Amt für Umwelt spricht jedoch von einem typischen Sommerphänomen und rechnet in den kommenden Tagen bereits mit einer Entspannung der Lage. Während der aktuellen Hitzewelle ist die Ozon-Belastung in der ganzen Zentralschweiz kontinuierlich angestiegen.
Luftmessungen zeigen, dass der Stundenmittelgrenzwert von 120 Mikrogramm pro Kubikmeter vor allem am Nachmittag weiträumig überschritten wird. Gemäss Luftreinhalte-Verordnung dürfte dieser Wert lediglich einmal pro Jahr überschritten werden.
Auch im Kanton Zug werden derzeit erhöhte Ozonwerte gemessen. Für Roland Krummenacher, Leiter des Amts für Umwelt des Kantons Zug, handelt es sich dabei jedoch nicht um ein lokales Problem.

«Die aktuelle Situation ist überregional einzuordnen», erklärt er. Die höchsten Belastungen würden jeweils am Nachmittag auftreten. Besonders betroffen seien dabei höher gelegene Gebiete in den Zuger Berggemeinden.
Die Ursache für die erhöhten Werte liegt in den sommerlichen Wetterbedingungen. Intensive Sonneneinstrahlung und hohe Temperaturen fördern die Bildung von bodennahem Ozon.
Dieses entsteht nicht direkt, sondern bildet sich aus sogenannten Vorläuferstoffen wie Stickstoffdioxid und flüchtigen organischen Verbindungen. Diese gelangen beispielsweise durch den Verkehr, Industrieanlagen, Farben oder Lösungsmittel in die Atmosphäre und reagieren unter Sonneneinstrahlung zu Ozon.
Eine Entspannung der Situation zeichnet sich nach Einschätzung des Amts für Umwelt bereits ab. «Mit den etwas tieferen Temperaturen und erhöhter Gewitterneigung erwarten wir einen Rückgang der Ozon-Belastung», sagt Krummenacher.
Sport besser am Morgen oder am Abend
Besonders vorsichtig sollten derzeit Personen sein, die empfindlich auf Luftschadstoffe reagieren. Dazu gehören Kinder und Jugendliche, ältere Menschen sowie Personen mit Atemwegs-, Herz- oder Kreislauferkrankungen.
Kinder und Jugendliche gelten als besonders gefährdet, da sich ihre Atemwege noch entwickeln und sie sich häufig im Freien bewegen. «Ihre Atemwege sind empfindlicher und sie sind oft körperlich aktiv im Freien», erklärt Krummenacher.
Auch ältere Menschen reagierten empfindlicher auf Luftschadstoffe und Hitze. Hohe Ozonwerte können zu gereizten Augen, Husten, Atembeschwerden oder einer verminderten körperlichen Leistungsfähigkeit führen.
Bei empfindlichen Personen können sich bestehende Erkrankungen zusätzlich verschlechtern. Das Amt für Umwelt empfiehlt deshalb, anstrengende körperliche Aktivitäten möglichst in die Morgen- oder Abendstunden zu verlegen.
Besonders Sport im Freien sollte während der höchsten Belastung am Nachmittag vermieden werden. Zudem wird empfohlen, Wohnräume vorzugsweise am Morgen zu lüften und längere Aufenthalte im Freien während der Nachmittagsstunden zu reduzieren.

Diese Empfehlungen gelten nicht nur für den Kanton Zug. Erhöhte Ozonwerte treten regelmässig in weiten Teilen der Schweiz auf, insbesondere während längerer Schönwetterperioden im Sommer.
Spitzenwerte sind heute deutlich tiefer
Trotz der aktuell erhöhten Messwerte zeigt sich langfristig eine positive Entwicklung. Die höchsten Ozonspitzen sind in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zurückgegangen.
«Spitzenbelastungen über 240 Mikrogramm pro Kubikmeter treten heute kaum mehr auf», sagt Krummenacher. Die Entwicklung ist unter anderem auf strengere Vorschriften bei Fahrzeugen, Industrieanlagen und anderen Emissionsquellen zurückzuführen.
Die Behörden überwachen die Luftqualität kontinuierlich und versuchen durch Vorschriften und Kontrollen die Vorläuferschadstoffe zu reduzieren. Dazu gehören insbesondere Stickoxide und flüchtige organische Verbindungen.
Ozon ist nicht gleich Ozon
In der öffentlichen Wahrnehmung wird das Thema Ozon heute deutlich weniger diskutiert als noch in den 1980er- und 1990er-Jahren. Damals stand vor allem das sogenannte Ozonloch im Mittelpunkt der Berichterstattung.
Zwischen dem Ozonloch und den aktuell erhöhten Ozonwerten in Bodennähe besteht jedoch kein Zusammenhang. «Das bodennahe Ozon hat mit dem Ozonloch keinen Zusammenhang», betont Krummenacher.
Während das Ozon in Bodennähe als Luftschadstoff gilt und die Gesundheit belasten kann, befindet sich die schützende Ozonschicht in einer Höhe von etwa 10 bis 50 Kilometern.
Diese Ozonschicht absorbiert einen grossen Teil der schädlichen ultravioletten Strahlung der Sonne und schützt Menschen, Tiere und Pflanzen. Das bodennahe Ozon hingegen entsteht durch chemische Reaktionen in der unteren Atmosphäre und kann bei hohen Konzentrationen gesundheitliche Beschwerden verursachen.
Die Entwicklung der Ozonwerte hängt stark von den Wetterbedingungen ab. Sinken die Temperaturen und nehmen Gewitter zu, gehen die Konzentrationen in der Regel wieder zurück.
Für den Kanton Zug rechnet das Amt für Umwelt deshalb in den kommenden Tagen mit einer Entspannung der Situation.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst in der «Zuger Woche» erschienen.








