Industriechemikalien verzögern Heilung der Ozonschicht – um 7 Jahre

Keystone-SDA
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Dübendorf,

Einige Ozonabbauenden Stoffe entweichen stärker in die Atmosphäre als bisher vermutet. Deshalb könnte sich die Heilung der Ozonschicht um rund 7 Jahre verzögern.

Ozonschicht
Bestimmte Industriechemikalien belasten die Ozonschicht stärker als bisher angenommen. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Heilung der Ozonschicht könnte sich laut einer Studie um bis zu 7 Jahren verzögern.
  • Dies, weil bestimmte Stoffe stärker in die Atmosphäre entweichen als bisher vermutet.
  • Ein Grossteil dieser Emissionen werde in Südostasien produziert, hauptsächlich in China.

Ein Loch im Ozonschutz-Abkommen: Bestimmte Industriechemikalien werden stärker freigesetzt als gedacht. Das verzögert die Heilung der Ozonschicht um Jahre und heizt das Klima an.

Die vollständige Erholung der Ozonschicht werde sich voraussichtlich erst um das Jahr 2073 vollziehen, teilte die Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) am Donnerstag mit. Bisherige Prognosen gingen vom Jahr 2066 aus.

«Wenn sich die Schliessung des Ozonlochs verzögert, könnte das zu vielen Hautkrebsfällen führen, die andernfalls vermeidbar wären», sagte Studienleiter Stefan Reimann zur Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

Die Verzögerung ist auf anhaltende Emissionen sogenannter Feedstock-Chemikalien zurückzuführen, wie eine internationale Studie unter Leitung der Empa zeige. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal «Nature Communications» publiziert.

Unterschätzte Lecks

Diese ozonabbauenden Stoffe, wie Tetrachlorkohlenstoff oder bestimmte Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW), sind als Ausgangsstoffe für industrielle Prozesse weiterhin erlaubt.

Im 1987 beschlossenen Montreal-Protokoll, einem internationalen Abkommen über Stoffe, die zu einem Abbau der Ozonschicht führen, sind diese Chemikalien ausgenommen.

Damals ging die Industrie davon aus, dass nur etwa 0,5 Prozent der produzierten Mengen in die Atmosphäre entweichen. Globale Messungen, unter anderem an der Empa-Messstation auf dem Jungfraujoch, zeichnen heute ein anderes Bild.

Demnach gelangen bei Produktion und Weiterverarbeitung durchschnittlich drei bis vier Prozent der Chemikalien in die Atmosphäre. Bei dem besonders schädlichen Tetrachlorkohlenstoff liege die Emissionsrate sogar bei über vier Prozent.

Steigende Produktion

Die Emissionen steigen nicht nur wegen höherer Verluste, sondern auch wegen einer zunehmenden Nutzung. Seit dem Jahr 2000 nahm die Produktion von Feedstock-Chemikalien um rund 160 Prozent zu.

Sie werden unter anderem zur Herstellung von modernen Kältemitteln (HFO) und Kunststoffen wie Teflon oder Polyvinylidenfluorid (PVDF) benötigt. Letzteres ist ein wichtiges Material, das zum Beispiel in Lithium-Ionen-Batterien in Elektroautos genutzt wird.

«Die Mengen dieser Chemikalien werden in naher Zukunft nicht zurückgehen – zumindest in den kommenden Jahren ist vielmehr mit einem weiteren Anstieg zu rechnen», so Reimann. Ein Grossteil dieser Emissionen werde in Südostasien produziert, hauptsächlich in China.

In der Schweiz werden keine Produkte hergestellt, die solche ozonabbauenden Substanzen als Ausgangsprodukt benötigen.

Doppelter Schaden für Umwelt

Die freigesetzten Stoffe schädigen nicht nur die Ozonschicht, sondern wirken auch als starke Treibhausgase.

Ohne eine Reduktion der Emissionen könnten diese bis Mitte des Jahrhunderts einen Klimaeffekt von rund 300 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten pro Jahr erreichen, heisst es von den Forschenden.

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Dies entspreche den jährlichen CO2-Emissionen von Frankreich oder England. Eine kurzfristige Senkung dieser Emissionen ist laut Reimann schwierig.

Langfristig könnte man versuchen, die problematischen Stoffe durch andere Stoffe zu ersetzen. Letztlich sei es aber eine politische Entscheidung.

Kommentare

User #6481 (nicht angemeldet)

Das sagen vermutlich Experten.

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