Ostschweizer auf Abenteuerfahrt durch den Balkan

Benjamin Schmid
Benjamin Schmid

Gossau,

Die beiden Ostschweizer Lukas Scheiwiller und Dominik Pfister sind zurück von ihrer Low-Budget-Rallye durch Osteuropa. Hinter ihnen liegen über 6500 Kilometer.

Lukas Scheiwiller (l.) und Dominik Pfister
Lukas Scheiwiller (l.) und Dominik Pfister. - zVg

Zwei Wochen ununterbrochene Partymusik im improvisierten Mercedes-Benz Vito 638 hinterlassen Spuren im Gehörgang. Nach Tausenden von Kilometern durch unwegsames Gelände schalteten der Gossauer Lukas Scheiwiller und der Züberwangener Dominik Pfister das Radio schliesslich für einen Moment aus, um einfach nur dem vertrauten Schnurren ihres Dieselmotors zu lauschen.

Die beiden Mechaniker haben das berüchtigte Pothole Rodeo auf dem Balkan erfolgreich hinter sich gebracht. Hinter ihnen liegt eine anspruchsvolle Reise, die Mensch und Maschine an die Grenzen brachte, das Team aber als Einheit noch enger zusammengeschweisst hat.

Reparatur bei 38 Grad

Der modifizierte, ehemals fahruntüchtige Kastenwagen, den das Duo liebevoll als «wahre Perle» bezeichnet, überstand die harten Schlaglochpisten Osteuropas erstaunlich gut. Auf der gesamten, rund 6500 Kilometer langen Strecke floss kein einziger Tropfen Öl nach, während das Fahrzeug an die 800 Liter Diesel in Leistung und Rauch auflöste.

Schlagloch-Hölle: Ostschweizer kämpfen sich durch den Balkan
Mit dem Vito ins Balkan-Abenteuer. - zVg

Komplett pannenfrei blieb die Tour durch den Süden dennoch nicht. Auf der Strecke gab schliesslich die vordere linke Antriebswelle den Geist auf. Dank ihrer Fachkompetenz als Automobilmechatroniker und Diagnostiker stellten die Ostschweizer jedoch ihr handwerkliches Geschick unter Beweis.

«Bei drückenden 38 Grad im Schatten wechselten wir das passende Ersatzteil direkt auf einem staubigen Kiesplatz aus», sagt Scheiwiller. Dass sie die richtige Welle im Gepäck mitführten, verbuchten die beiden Mechaniker prompt als einen der schönsten Momente der gesamten Reise.

Begegnung mit Bären

Neben den technischen Tücken forderte die Geografie ihren Tribut, da die Offroad-Pisten meistens sehr schmal und dicht mit Bäumen besiedelt waren, was dem Vito etliche zusätzliche Kratzer im Lack einbrachte.

B?r am Strassenrand
Die beiden Ostschweizer sahen unterwegs auch Bären. - zVg

Weil der Handy- und GPS-Empfang in den entlegenen Gebieten zudem kaum ausgeprägt war, kamen die Abenteurer um regelmässige Wendemanöver nicht herum. Belohnt wurden die Mühen durch die enorme Hilfsbereitschaft der lokalen Bevölkerung und unvergessliche Erlebnisse in der freien Wildnis.

«Der landschaftliche Höhepunkt war die rumänische Route DN66A, deren Kehrwenden einen wunderschönen Ausblick boten», erzählt Pfister und Scheiwiller ergänzt: «In Rumänien ging schliesslich auch ein grosser Traum von mir in Erfüllung, als wir am Strassenrand echten Bären begegneten.»

Zurück in die Heimat

Nach zwei Wochen, die das eingespielte Duo konstant in Flip-Flops im heissen Klima verbrachte, bedeutete die Rückkehr in die Schweiz eine massive Umstellung.

Im Gepäck führten die Rückkehrer neben bleibenden Erinnerungen auch eine kuriose Souvenir-Trophäe mit: Zwei rumänische Bambusbesen, die sie eines Abends im Ausgang erworben hatten. Wieder zu Hause schätzen die beiden nun Dinge, die im Alltag oft untergehen.

Gossauer Mechaniker auf 6500-Kilometer-Abenteuerfahrt
Lukas Scheiwiller und Dominik Pfister meisterten mit ihrem Mercedes-Vito 6500 Kilometer durch den Balkan. - zVg

Ganz besonders betrifft das das saubere Trinkwasser direkt aus der Leitung, das man in der Schweiz viel zu wenig beachtet. Das Kapitel Pothole Rodeo ist für das Duo nach einer Rallye im nasskalten Norden und dem staubigen Trip in den Süden nun endgültig beendet.

Unternimmst du gerne Abenteuer?

Ihr treuer Mercedes-Vito steht bereits zum Verkauf und sucht einen neuen Besitzer. «Das Pothole Rodeo Balkan war für uns das Abenteuer des Lebens, weil wir in so kurzer Zeit so viele verschiedene Länder und Kulturen kennenlernten», resümieren die Mechaniker zufrieden.

Die gesammelten Eindrücke, so betonen sie im Gespräch mit dieser Zeitung mit einem Augenzwinkern, erleichtern nun zumindest die zukünftige Ferienplanung ungemein.

Hinweis

Dieser Artikel ist zuerst in den «Gossauer Nachrichten» erschienen.

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