Diese Ostschweizer fuhren in 16 Tagen über 7500 km

Linda Bachmann
Linda Bachmann

Wil,

Vier Ostschweizer erzählen über ihre erste Rallyeerfahrung: Benzinpreise, Surströmming-Gestank und Nordkap-Enttäuschung.

Rallye
Samuel Wick mit Ramon Gschwend und Alfred Ehrbar mit Ivan Gschwend (v.l.) lagen bei der Auswertung der Challengepunktzahlen zum Schluss im Mittelfeld. - zVg

Das Wichtigste in Kürze

  • Von Hamburg bis ans Nordkap und zurück: Vier Autofans aus der Ostschweiz haben in 16 Tagen über 7500 Kilometer zurückgelegt.
  • Die Rallyefahrer erzählen, wie sie den «Baltic Sea Circle» erlebt haben und welche Herausforderungen sie dabei meistern mussten.

Neun bis zehn Stunden waren die beiden Rallyeteams aus der Ostschweiz in den letzten beiden Juniwochen täglich mit dem Auto unterwegs.

Insgesamt 7500 Kilometer haben Ivan Gschwend und Alfred Ehrbar im roten Jeep Wrangler YJ sowie Ramon Gschwend und Samuel Wick im dunkelgrünen Volvo 240 Classic zurückgelegt und dabei neun Ländergrenzen überquert.

Trotz der langen Fahrzeiten – langweilig wurde es den vier Rallyefahrern nie.

1300 Liter Benzin verbraucht

«Wir sind jeden Morgen zwischen 5.30 und 7 Uhr aufgestanden, trotzdem war es immer ganz schnell wieder Abend», so Ramon Gschwend. Der Grund dafür seien zum einen die faszinierenden Landschaften aber vor allem auch die Regeln der Rallye und deren Challenges gewesen.

Nordkap
Trotz der langen Fahrzeiten wurde es den vier Rallyefahrern nie langweilig. - zVg

Die Teilnehmenden durften während der Reise um die baltische See weder das Navi noch die Autobahn nutzen. Der Beifahrer sei jeweils mit Kartenlesen beschäftigt gewesen. «Die Strassen sind nicht überall so gut beschriftet wie in der Schweiz», erklärt Ramon Gschwend.

Auch die Beschaffenheit der Strasse habe oft nichts über deren Bedeutung ausgesagt. «Einige der Hauptstrassen waren einfache Kiesstrassen.»

Ausserdem mussten die beiden Teams stets nach Tankstellen Ausschau halten. «Wir haben zwischen einem und dreimal pro Tag getankt», verrät Ivan Gschwend.

Mit dem Jeep haben er und Alfred Ehrbar über die 16 Tage insgesamt 1300 Liter Benzin verbraucht. Für den Notfall hatten sie noch einen 20-Liter-Kanister dabei.

Das Volvo-Team musste zusammengerechnet knapp 900 Liter tanken. «Am teuersten war es auf der deutschen Autobahn, auf dem Weg zum Startpunkt. Dort haben wir 2,48 Euro pro Liter bezahlt. In Polen waren die Preise mit umgerechnet 1,30 Euro deutlich tiefer.»

Knapp ist das Benzin bei beiden Teams nie geworden.

Beim Rasenmähen helfen

Eine grössere Herausforderung waren die verschiedenen Challenges, die unterwegs absolviert werden konnten. Pro Tag gab es drei Aufgaben, die die Teilnehmenden für Punkte absolvieren konnten.

«Wir haben ungefähr die Hälfte davon gelöst», so Ivan Gschwend. Um alle Challenges lösen zu können, müsse man ein erprobter Rallyefahrer sein.

«Es war schon schwierig, bestimmte Orte oder Denkmäler nur mit analoger Karte zu finden», gibt Ivan Gschwend zu.

Es galt aber nicht nur, Orte zu finden, sondern auch Aufgaben zu erledigen: So mussten die Rallyefahrer beispielsweise 100 Kilometer mit einer geöffneten Büchse Surströmming (fermentierter Hering) zurücklegen, einem einheimischen Norweger beim Rasenmähen helfen oder zum «Berg der Kreuze», einem Wallfahrtsort in Litauen, ein eigenes Kreuz beisteuern.

In der Ortschaft Marijampolé in Litauen mussten die Teilnehmenden ihre Fahrzeuge zu einem Peace-Zeichen formieren.

Rallye
Knapp die Hälfte der 120 teilnehmenden Teams bildeten bei einer der Challenges eine Peace-Formation. - zVg

Stinkender Surströmming

Punkte sammeln konnte auch, wer anderen Teilnehmenden bei einer Autopanne hilft. Das Jeep-Team hat zweimal bei kleineren Reparaturen ausgeholfen.

Am eigenen Auto musste es das Werkzeug nur einmal zur Hand nehmen, um den Auspuff zu reparieren. Bei Ramon Gschwend und Samuel Wick gab es keine grösseren Zwischenfälle.

«Ausser als ich mich vor dem Öffnen des Surströmmings nicht darüber informiert habe, dass die Büchse unter Druck steht», lacht Ramon Gschwend. «Das war eine ziemliche Sauerei.»

«Ich hatte dafür vom langen Sitzen und Gasgeben irgendwann einen Krampf in der rechten Pobacke», schmunzelt sein Vater.

Ohne Tempomat habe er deshalb zwischendurch den Fuss am Gaspedal wechseln müssen. Alfred Ehrbar habe mit zunehmender Müdigkeit eine leichte Rechts-Links-Schwäche entwickelt.

Könntest du dir vorstellen, an einer solchen Rallye teilzunehmen?

«Das war vor allem beim Kartenlesen im städtischen Verkehr ungünstig», ergänzt er. «Vielleicht mussten wir da einmal spicken – wenn dem so wäre, würden wir das aber nicht verraten.»

«Nordkap ist nichts Schönes»

Am besten gefallen hat den vier Ostschweizern die Strecke durch Schweden und Norwegen. Die Natur entlang der Atlantikküste sei beeindruckend und sehr abwechslungsreich gewesen, schwärmt Ramon Gschwend.

Ganz im Gegensatz zum eigentlichen Ziel der Route: «Das Nordkap ist nichts Schönes. Es kostet viel Eintritts- und Parkgebühren, war windig und kalt», so Ivan Gschwend.

«Nach 30 Minuten sind wir gerne wieder gegangen.» «Wir können nun sagen, dass wir mal dort waren, aber der Weg dahin war bedeutend schöner», so Samuel Wick.

Auf die Frage, ob sich die vier Ostschweizer noch eine Rallyeteilnahme vorstellen können, sind sich alle einig: Ausschliessen tun sie es nicht, allerdings nicht gleich in den nächsten paar Jahren.

Den Ländern im Norden hingegen, denen wollen sie auf jeden Fall einen weiteren Besuch abstatten.

Hinweis

Dieser Artikel ist zuerst in den «Wiler Nachrichten» erschienen.

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