Nur noch 1-2 % der 15-jährigen Schüler sind besser als ChatGPT

Nicolas Eggen
Nicolas Eggen

Bern,

ChatGPT übertrifft mittlerweile die meisten 15-jährigen Schüler in Leistungstests. Diese Entwicklung stellt das Bildungssystem vor grosse Herausforderungen.

ChatGPT
ChatGPT erzielt in Tests mittlerweile bessere Leistungen als die meisten 15-jährigen Schülerinnen und Schüler. (Symbolbild) - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • ChatGPT übertrifft mittlerweile die meisten 15-jährigen Schüler in Leistungstests.
  • In der Schweiz handhaben die Kantone den Umgang von KI in der Schule unterschiedlich.
  • Jetzt werden Forderungen nach nationalen Regelungen laut.

Künstliche Intelligenz wird immer besser: Das KI-Tool ChatGPT schneidet in Leistungstests mittlerweile besser ab als die meisten 15-jährigen Schülerinnen und Schüler.

Bildungsökonom Stefan Wolter präsentiert im neusten Bildungsbericht Schweiz erschreckende Zahlen. Darin wurden OECD-Auswertungen veröffentlicht, die zeigen, dass nur noch 1 bis 2 Prozent der 15-Jährigen besser als ChatGPT abschneidet. Dies betrifft das höchste Niveau des Pisa-Tests, wie SRF berichtet.

«Seit der Lancierung von ChatGPT schlägt die KI nicht nur durchschnittliche Schülerinnen und Schüler, sondern auch hochbegabte», sagt Wolter.

Nutzt du KI-Tools?

Die Bildungsdirektorin von St. Gallen, Bettina Surber (SP), sieht die Schulen unter Druck: «KI entwickelt sich in einem Tempo, das uns alle leicht überfordert», erklärt sie gegenüber SRF.

Braucht es eine landesweite Regelung?

Wie handhaben die Kantone das Thema KI in der Schule? Eine SRF-Umfrage bei grösseren Kantonen zeigt ein uneinheitliches Bild. Während manche Kantone sich mit dem KI-Thema bisher kaum beschäftigt haben, entwickeln andere bereits konkrete Strategien.

Thomas Minder präsidiert den Verband der Schulleiterinnen und Schulleiter der Schweiz.

Er fordert eine landesweite Regelung: «Es wäre nicht schlecht, wenn wir auf der schweizerischen Ebene einen Rahmen hätten, ein Framework, das uns unterstützt. Was soll man machen? Was soll man nicht machen?»

Die St. Galler-Bildungsdirektorin Surber unterstützt Minders Forderung nach nationalen Lösungen. Die Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektorinnen und -direktoren (EDK) oder der Bundesrat sollten deshalb aktiv werden.

«Ja. Es ist richtig, wenn man sich interkantonal und national Gedanken macht rund um den Umgang von KI auf allen Schulstufen.» Das erklärt die St. Galler Regierungsrätin Bettina Surber.

Doch nicht alle sind dieser Meinung: Beispielsweise im Aargau sieht man das anders. Bildungsdirektorin Martina Bircher (SVP) lehnt eine koordinierte KI-Strategie ab. Jeder Kanton solle sein eigenes Tempo gehen, findet sie.

Bircher will keine Vorschriften «von oben herab», wie sie gegenüber SRF erklärt. In ihrem Kanton möchte sie das Thema gemeinsam mit den Schulen entwickeln.

Ohne eigene Denkarbeit nützt selbst die beste KI nichts

Seit dem Jahr 2010 erarbeitet die Schweizerische Koordinationsstelle für Bildungsforschung (SKBF) alle vier Jahre einen Bildungsbericht Schweiz. Sie tut dies im Auftrag des Bundes und der EDK.

Der neuste Bericht wurde am Montag in Bern Bundespräsident Guy Parmelin und dem Walliser Staatsrat Christophe Darbellay übergeben. Eine weitere Erkenntnis: Die Schweiz verfehlt ihr Bildungsziel immer mehr.

Das Thema KI in der Bildung wurde auch Ende letztes Jahr an einer KI-Tagung an der Uni Bern intensiv besprochen.

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Manfred Pfiffner, Professor für Berufspädagogik und KI, mahnt: «Menschliche Kompetenzen kann die KI nicht.» - Nau.ch/Riccardo Schmidlin

Damals waren sich die Forschenden einig: Ohne eigene Denkarbeit nützt selbst die beste KI nichts.

Kommentare

User #5138 (nicht angemeldet)

Das war abzusehen. Wir müssen uns auch nicht mit LLMs messen, was wir allerdings müssen, ist LLMs verstehen lernen. Was sie können und was nicht und insbesondere die Fähigkeiten dazu behalten einordnen zu können, was sie uns vorsetzen. Die engstirnige Gärtchendenkenhaltung von Bircher und der SVP verspricht das Gegenteil. Man wird nicht "besser" weil jeder sein eigenes Süppchen kocht, wenn das Problem eigentlich überall dasselbe ist. Man würde eher besser wenn man zusammenarbeitet und eine Richtlinie definiert was Schülerinnen und Schüler können müssen und wie es ihnen möglich gemacht werden kann LLMs nicht einfach als magische Blackbox anzutreffen in die man irgendeine Anfrage reinsteckt und aus denen dann die vermeintliche "Wahrheit" rauskommt. Dafür muss man nicht mehr alles im Detail können, aber die Grundprinzipien und kritisches Denken müssen weiter gelernt und gelehrt werden. Und vor allem ist es wichtig den Schülern so früh wie möglich zu vermitteln was LLMs können und warum sie trotzdem all das lernen müssen. Wenn sie den Eindruck bekommen LLMs seien einfach immer besser und es mache keinen Sinn mehr irgendetwas zu lernen, dann bringt der strengste und engstirnigste Lehrer nichts, der versucht es einem mit Gewalt reinzupeitschen. So gesehen ist es kein Wunder will gerade die SVP keine Strategie gegen solcherlei Vorgehen...

User #4467 (nicht angemeldet)

Und nächstes Jahr sind es 0%

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