Nur 30 Prozent ausgeschöpft: Schweizer wollen kein US-Fleisch
Das US-Fleisch ist voller roter Kleber: Zufall? Coop sagt ja. Doch die Zahlen sprechen Bände: Das neue Zollfrei-Kontingent wird bei weitem nicht ausgeschöpft.

Das Wichtigste in Kürze
- Die Schweiz musste ihr Importkontingent für US-Fleisch erhöhen. Das macht es hier nicht beliebter.
- Ein Bild aus einer Coop-Filiale zeigt, wie alle US-Entrecôtes kurz vor dem Ablaufdatum um 40 Prozent reduziert angeboten werden.
- Coop spricht von einer Momentaufnahme, das konkrete Entrecôte verkaufe sich grundsätzlich gut. Solche Produkte würden aber gezielt nur vereinzelt nachgefragt.
- Und: Trotz dem neuen Zollfrei-Kontingent verkaufen sowohl Coop als auch andere Händler nicht mehr US-Fleisch.
Wir erinnern uns: Die Schweiz hat vor rund einem Jahr das Kontingent für US-Fleisch im Rahmen des Zoll-Deals mit den USA erhöht. Damit kam sie einer Forderung der US-Regierung unter Donald Trump entgegen. Im Gegenzug senkten die USA ihre Zusatzzölle auf Schweizer Produkte von 39 auf 15 Prozent.
Konkret gewährt die Schweiz den USA jährlich zollfreie Kontingente für 500 Tonnen Rindfleisch, 1000 Tonnen Bisonfleisch und 1500 Tonnen Geflügelfleisch. Vorher gab es solche spezifischen Zollfrei-Kontingente für US-Fleisch nicht.

Das Ziel des Deals zwischen Wirtschaftsminister Guy Parmelin und der US-Regierung von Donald Trump ist klar: Die Amis wollten mehr Fleisch in die Schweiz verkaufen.
Chlor-Hühner sorgten für Aufschrei
Damals sorgte die News in der Schweiz für wenig Begeisterung. Besonders viel Kritik und Sorgen gab es wegen den sogenannten «Chlor-Hühnern».
In den USA ist es erlaubt, Poulet nach der Schlachtung durch ein chlorhaltiges Wasserbad zu ziehen, das Krankheitserreger abtöten soll. Bei uns ist das Verfahren verboten.
Nun, ein Jahr später, hat sich die US-Fleisch-Situation in den Regalen der Schweizer Detailhändler kaum verändert, wie sie selbst sagen. Trotz zollfreier Kontingente scheint das Fleisch nach wie vor auf wenig Begeisterung zu stossen.
Beispielhaft zeigt das ein Bild aus einer Coop-Filiale im Berner Oberland. In Heimberg BE bietet der Detailhandels-Riese Rindfleisch aus Argentinien, Irland und den USA an. Sofort fällt auf: Das US-Fleisch ist durchs Band im Sale und steht kurz vor dem Ablaufdatum.
Zufall oder Ausdruck einer eidgenössischen Ami-Steak-Appetitlosigkeit?
Coop: US-Fleisch wird nur vereinzelt nachgefragt
Das Bild selbst soll Zufall sein. Das ändert jedoch nichts daran, dass viele Schweizer kein Interesse an US-Fleisch haben – Trump-Deal hin oder her.
Auf Anfrage von Nau.ch heisst es bei Coop, dass sich die betroffene US-Fleischsorte «einer sehr guten Nachfrage» erfreue. «Bei der festgehaltenen Situation handelt es sich um eine Momentaufnahme», betont Lara Beugger von der Medienstelle.
Andererseits gibt es laut Beugger nur vereinzelt Kundinnen und Kunden, die ausgewählte Edelstücke gezielt aus Amerika nachfragen.
Coop habe das US-Fleisch-Angebot seit dem neuen Zollfrei-Kontingent nicht erhöht. Kurz: Die Nachfrage nach US-Fleisch ist weder gestiegen noch besonders gross.
Rind zu 30 Prozent ausgeschöpft – Poulet 0, Bison 2,2
Klar ist: Für Staunen sorgen die Bilder bei der Branchenorganisation der Schweizer Fleischwirtschaft, Proviande, nicht.
Auch, wenn Sprecher Christophe Hutmacher betont, dass sich von dem Bild allein nicht ableiten lässt, wie sich US-Fleisch verkauft: Die Zahlen des Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit BAZG, die Proviande bestens kennt, vermitteln ein Bild von fehlender Begeisterung.

Das neue zollfreie Kontingent für US-Rindfleisch beträgt 500 Tonnen pro Jahr. Bislang wurden davon erst rund 153 Tonnen beziehungsweise rund 30 Prozent ausgeschöpft, wie die Übersicht des BAZG zeigt. Und das im November.
Poulet wurde gar keins aus den USA importiert – und beim Bisonfleisch ist das Kontingent nur zu 2,2 Prozent ausgeschöpft.
Zum Vergleich: Das gesamte Fleischangebot an Rindfleisch in der Schweiz lag 2025 in einer Grössenordnung von rund 105’000 Tonnen pro Jahr. «Die über das neue Kontingent eingeführten rund 153 Tonnen entsprechen rund 0,15 Prozent des jährlichen Schweizer Rindfleischangebots», sagt Hutmacher.
Letztes Jahr kam 77,4 Prozent aus Schweiz
Die Konkurrenzsituation auf dem Schweizer Rindfleischmarkt hat sich also seit dem Zollfrei-Kontingent «nicht grundlegend» verändert, so der Proviande-Sprecher. «2025 stammten 77,4 Prozent des verfügbaren Rindfleischangebots aus Schweizer Produktion.»
Importe ergänzen grundsätzlich laut Hutmacher lediglich die Schweizer Inlandproduktion, wenn diese die Nachfrage nicht vollständig decken kann.
Bislang gibt es aber noch keine repräsentativen Daten dazu, ob sich die Nachfrage nach US-Fleisch seither verändert hat. Aus der Ausschöpfung des Zollkontingents lasse sich nicht direkt auf die Nachfrage im Detailhandel schliessen.
«Sie zeigt, welche Menge im Rahmen des neuen Kontingents eingeführt wurde», sagt Hutmacher. «Nicht aber, wie rasch diese Ware im Detailhandel verkauft wird. Oder aus welchen Gründen Konsumentinnen und Konsumenten ein bestimmtes Produkt wählen.»
Trotz Deal: Aldi, Lidl und Denner verkaufen kein Ami-Fleisch
Dass der grosse Run auf US-Fleisch wie erwartet ausgeblieben ist, zeigt sich auch bei den anderen Detailhändlern.

«Der US-Deal hat keinen Einfluss auf die Beschaffung unseres Fleischsortiments», heisst es dort auf Anfrage. «Die Schweizer Herkunft hat weiterhin höchste Priorität.»
Auch Aldi, Lidl und Denner betonen, dass das Zollfrei-Kontingent keine Auswirkungen auf das Fleischsortiment habe. Alle drei Discounter bieten weiterhin gar kein US-Fleisch an.













