Neuer Trend: Jugendliche lassen sich ihre Postleitzahlen tätowieren

    Cheri Reinhardt
    Cheri Reinhardt

    Oberwallis,

    Vier Zahlen als Heimatbekenntnis: Junge Menschen lassen sich immer öfter die Postleitzahl ihres Wohnorts auf die Haut stechen.

    Tattoos stechen
    Tattoos sind beliebt – neu landet bei Jugendlichen auch die Postleitzahl auf der Haut. - pexels

    Das Wichtigste in Kürze

    • Jugendliche lassen sich die Postleitzahl ihrer Heimat tätowieren.
    • In Raron VS zum Beispiel wurde die Zahl «3942» bereits 46 Mal gestochen.
    • Die Zahlen stehen für Heimat, Zugehörigkeit und Verbundenheit.
    • Der Trend zeigt sich auch auf Social Media und in der Rap-Szene.

    Postleitzahlen waren früher vor allem eines: praktisch. Als Briefe noch zum Alltag gehörten, sorgten die vier Ziffern dafür, dass die Post im richtigen Dorf oder in der richtigen Stadt landete.

    Später tauchten die Zahlen immer öfter auch an Hauswänden auf. Jugendliche sprayten die Postleitzahl ihres Quartiers oder Wohnorts hin, als Zeichen von Zugehörigkeit und Reviergefühl.

    Und jetzt geht der Trend noch einen Schritt weiter: Die eigene Postleitzahl landet auf der Haut.

    Tattoo stechen
    Beim Tätowieren wird das Motiv dauerhaft unter die Haut gebracht. Bei manchen Jugendlichen sind es inzwischen sogar die vier Ziffern ihrer Postleitzahl. - pexels

    Junge Menschen lassen sich die vier Ziffern ihres Heimatorts tätowieren und machen daraus ein dauerhaftes Bekenntnis zu ihrer Herkunft.

    In Raron VS tragen schon Dutzende «3942»

    Besonders sichtbar ist der Trend im Walliser Dorf Raron. Wie die «WOZ» berichtet, hat Tätowiererin Svenja Roten die Postleitzahl 3942 bereits 46 Mal gestochen.

    Begonnen habe alles als Gag. Danach sei daraus eine richtige Dynamik entstanden. Die Kundschaft kommt teilweise sogar in Gruppen. Die Jüngsten sind 18 Jahre alt, die Ältesten Ende 50.

    Würdest du dir deine Postleitzahl tätowieren lassen?

    «Die Älteren sagen: ‹Nicht zu gross, nicht dass man das sieht.› Die Jüngeren hingegen: ‹Mach das gross und dick auf den Oberschenkel›», erzählt Roten der Zeitung.

    Auch sie selbst trägt die vier Ziffern auf dem Unterarm.

    Für viele steckt Heimat dahinter

    Für die Trägerinnen und Träger geht es dabei nicht einfach um eine Zahlenkombination.

    Lewin Bregy (28) ist in Raron aufgewachsen, lebt heute in Bern und trägt die 3942 als einziges Tattoo auf seinem Oberarm.

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    Mia Madisson glaubt, dass die Leute sie aufgrund ihrer Tattoos anders behandeln. - Instagram / @shhhmadisson

    «Für mich ist es eine Erinnerung an eine schöne Kindheit und an meinen Freund. Ich verbinde viel mit Raron», sagt er gegenüber der «WOZ».

    Viele der Menschen mit einem solchen Tattoo leben inzwischen gar nicht mehr in ihrem Heimatort. Die Zahlen bleiben trotzdem.

    Auch auf Social Media sind Postleitzahlen überall

    Das Phänomen beschränkt sich nicht auf Raron.

    Auf Social Media schreiben Jugendliche die Postleitzahl ihres Wohnorts in Bios oder Kommentarspalten. Im Rap dienen Zahlen schon länger als Erkennungszeichen für Quartiere und Herkunft.

    Hast du Tattoos?

    Ein Video des Deutschschweizer Influencers Joel Weyer über den «Postleitzahlfetisch der Schweizer Jungs» erreichte rund 330'000 Aufrufe.

    plz
    Auch Influencer Joel Weyer hat schon über den «Postleitzahlfetisch von Schweizer Jungs» gesprochen. - Screenshot Tiktok/@joelweyer0

    Unter dem Video hinterliessen zahlreiche Nutzerinnen und Nutzer die Zahlen ihres Wohnorts.

    Warum ausgerechnet vier Zahlen?

    Kulturwissenschaftler Walter Leimgruber von der Universität Basel sieht dahinter ein Bedürfnis nach Zugehörigkeit.

    Die räumliche Verortung könne jungen Menschen Orientierung geben. Mit der Postleitzahl werde symbolisch gezeigt: Hier komme ich her, hier gehöre ich dazu.

    Das spiele besonders bei Jugendlichen mit Migrationsgeschichte eine Rolle.

    «Mit der Postleitzahl sagen Jugendliche, dass sie an einen Ort gehören, genau wie Familien, die schon seit sieben Generationen da wohnen», erklärt Leimgruber.

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    Kommentare

    User #3926 (nicht angemeldet)

    Sonst finden sie vermutlich nicht mehr nach hause.

    User #4025 (nicht angemeldet)

    Als nächstes tätowieren sie ihre Todesanzeigen !

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