Nationalfeiertag bereitet dem Bündner Feuerwehrinspektor Sorgen

Keystone-SDA Regional
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Chur,

In mehreren Ländern Europas wüten aktuell heftige Waldbrände. Der bevorstehende Nationalfeiertag macht aufgrund der Trockenheit auch dem Bündner Feuerwehrinspektor Conradin Caduff Sorgen. Im Interview mit Keystone-SDA spricht er über die aktuelle Situation in Graubünden und sagt, wie gut die Bündner Feuerwehr auf Waldbrände vorbereitet ist.

Die Feuerwehr in Graubünden hat aus dem Grossbrand 2016 in Misox ihre Lehren gezogen.
Die Feuerwehr in Graubünden hat aus dem Grossbrand 2016 in Misox ihre Lehren gezogen. - KEYSTONE/TI-PRESS/GABRIELE PUTZU

Conradin Caduff ist seit über 30 Jahren in der Feuerwehr aktiv. Seit Ende 2020 ist er Bündner Feuerwehrinspektor und Leiter Feuerwehr bei der Gebäudeversicherung Graubünden. Mit seinem Team ist er unter anderem für Planungen, Richtlinien und die Ausbildung der Feuerwehrleute zuständig. Weiter unterstützt die Feuerwehrabteilung zusammen mit den Bezirksinspektoren die Feuerwehren im Einsatz.

In vielen Regionen Graubündens herrscht ein absolutes Feuerverbot im Freien. Am Samstag wird der Nationalfeiertag gefeiert, bei dem Feuer und Feuerwerke eine grosse Rolle spielen. Sind Sie besorgt?

Ja, ich bin besorgt. Ich hoffe, dass die Menschen vernünftig und vorsichtig sind und vor allem die Verbote der Behörden respektieren, damit es nicht zu einem schlimmen Ausgang kommt.

Nicht nur die Böden sind trocken, auch die Pegel von Seen und Flüssen sind niedrig. Ist das ein zusätzlicher Faktor, der die aktuelle Situation auch für die Feuerwehr noch schwieriger macht?

Die Wasserverfügbarkeit ist entscheidend für die Brandbekämpfung. Wenn es keine Wasserquellen in der Nähe gibt, dann wird es schwieriger und aufwendiger, Feuer zu bekämpfen. Wenn das Wasser in der Nähe ist, sind beispielsweise die Helikopter-Rotationen kürzer, was die Effizienz deutlich steigert.

Wie sieht es aktuell mit der Wasserverfügbarkeit im Kanton aus?

Das Amt für Wald und Naturgefahren führt eine Karte mit möglichen Wasserentnahmestellen, welche der Feuerwehr im Brandfall für die Einsatzplanung dient. Zurzeit gibt es Regionen, in denen nur wenig Wasser verfügbar ist und Bäche teilweise ausgetrocknet sind. Die lokalen Akteure, insbesondere die Forstfachleute, aber auch die Feuerwehrleute, kennen die aktuellen Verhältnisse und die verfügbaren Wasserentnahmemöglichkeiten jedoch gut und können situative Anpassungen vornehmen.

Hat sich die Ausbildung der Feuerwehr in den letzten Jahren verändert, um den zukünftigen Herausforderungen – beispielsweise längeren Dürreperioden und Hitzewellen – gerecht zu werden?

Ja, sie ist stärker geworden. In den 90er- und Anfang der 2000er-Jahren war das Thema Waldbrandbekämpfung im Süden des Kantons stärker präsent als im Norden, auch weil dieser mehr davon betroffen war. In den 90er-Jahren und auch davor gab es im Süden immer wieder grosse Waldbrände, zum Beispiel 1997 in Brusio und im Misox und dann 2003 in Santa Maria Val Calanca. Als Reaktion darauf wurden die Waldbrandstützpunkte verstärkt und auf das gesamte Kantonsgebiet ausgeweitet.

Welche Lehren hat man aus den Waldbränden im Misox vor etwa zehn Jahren gezogen?

Die Brände im Misox und im Calancatal 2016 haben dann noch einmal einen zusätzlichen Impuls gegeben. Der Kanton hat daraufhin die Strategie «Waldbrandprävention 2030» vorgestellt, die über 20 Millionen Franken in die Löschinfrastruktur, also den Bau oder die Erweiterung von Löschwasserbecken oder -teichen sowie in Feuerwehrmaterial für die Waldbrandbekämpfung investieren will. Ein Grundsatz dieser Strategie ist, dass man möglichst schnell ein Feuer in einem Schutzwald per Helikopter löschen kann.

Im Bereich des Feuerwehrmaterials war das Ziel, ausreichend Löschmaterial bereitzustellen, um gleichzeitig zwei Waldbrände in einer Grössenordnung wie jener im Misox im Jahre 2016 bewältigen zu können. Aus meiner Sicht ist der Kanton Graubünden mit all diesen Massnahmen im Bereich der Waldbrandbekämpfung heute gut aufgestellt.

In den letzten Wochen mussten mehrere Feuerwehrleute, die bei der Brandbekämpfung tätig waren, wegen Herz-Kreislauf-Problemen medizinisch betreut werden. Ist das ein neues Phänomen für Sie?

Nein, das ist es nicht. Die genannten Fälle beziehen sich auf Gebäudebrände. In diesen Fällen tragen die Feuerwehrleute Brandschutzbekleidung, die sehr hohen Temperaturen standhält. An heissen Tagen und bei schwerer Arbeit kann die Bekleidung durchaus zu einem Hitzestau führen. Bei Waldbränden tragen die Feuerwehrleute hingegen leichtere Brandschutzbekleidung.

In der Ausbildung wird immer wieder auf diese Problematik hingewiesen. Gegenmassnahmen sind, genügend Wasser zu trinken und, wenn möglich, auch Pausen einzulegen, respektive für genügend Ablösungen zu sorgen.

Im vergangenen Jahr haben Sie in einem Interview mit der «Engadiner Post» gesagt, dass es langfristig notwendig sein werde, alternative Möglichkeiten zur Brandbekämpfung zu prüfen. Liegen solche Alternativen inzwischen vor?

Wir diskutieren darüber. Zum Beispiel, wie man das vorhandene Wasser am besten einsetzt. In diesem Sinne haben wir bereits Hochdrucklöschanlagen im Einsatz, bei denen viel weniger Wasser als beim herkömmlichen Vorgehen verwendet wird.

Letztlich müssen die vorhandenen Mittel gezielt eingesetzt und Prioritäten gesetzt werden. Ein weiterer Ansatz könnte die Prüfung des gezielten Einsatzes von Brandverzögerungsmitteln sein, die im Ausland bereits Anwendung finden. Wir müssen aber auch schauen, was auf dem Markt verfügbar ist. Die eingesetzten Produkte müssen ausserdem auch dem Bundesgesetz über den Wald gerecht werden, welches unter anderem besagt, dass man keine umweltschädlichen Substanzen in Wäldern einsetzen darf.

Haben Sie bereits Tests durchgeführt?

Wir haben noch keine durchgeführt. Mein Ziel ist, dass dieses Thema auf nationaler Ebene diskutiert wird. Wir können hier durchaus als Vorreiter fungieren und die Prüfung vorantreiben. Aber am Ende sollte es eine nationale Strategie geben. Wir müssen auf jeden Fall die Erfahrungen aus den Nachbarländern, zum Beispiel Frankreich, Italien und Österreich, in unsere Überlegungen einbeziehen.

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