Nach trockenem Sommer: Jetzt magern schon unsere Forellen ab!

    Fische fressen bei extremer Hitze kaum noch. Das Resultat: Magere Forellen. Doch die Folgen könnten noch viel weiter reichen.

    Fische
    Diese Ende August in Interlaken BE geangelte Forelle ist mager. Kein Einzelfall. - Screenshot Facebook / Flussfischer

    Das Wichtigste in Kürze

    • Das Nahrungsangebot in überhitzten und ausgetrockneten Gewässern ist stark geschrumpft.
    • Auch die Fortpflanzung könnte leiden, weil Eier weniger gut heranreifen.
    • Die Folgen des Hitzesommers 2026 dürften noch mehrere Jahre zu spüren sein.

    «Katastrophal», klagt Alexander Roschi vom Schweizerischen Fischereiverband. «Anders lässt sich der Hitzesommer 2026 für viele unserer Gewässer und Fischbestände kaum beschreiben.»

    Hohe Temperaturen, tiefe Wasserstände, weniger Rückzugsräume: Fische sind «massiv unter Druck geraten», sagt er.

    «Etliche Millionen Fische» verendet

    Für viele bedeutetet der Sommer den sicheren Tod. Wie viele genau, lässt sich nicht beziffern.

    Das Fischereiinspektorat des Kantons Bern spricht davon, dass «auf jeden Fall etliche Millionen Fische» den Hitzesommer nicht überlebt hätten. «Darunter viele Jungfische, die in diesem Jahr aus den Fischeiern geschlüpft sind.»

    Fischst du?

    Über 100’000 Fische konnten im Kanton Bern auf über 100 Kilometer Gewässerlänge gerettet werden.

    Doch Bilder von Anglern zeigen: Auch Forellen, die überlebt haben, leiden. Einige von ihnen sind magerer als üblich.

    Das Berner Fischereiinspektorat bestätigt: «In von Hitze und Trockenheit betroffenen Gewässern muss angenommen werden, dass die Fische magerer sind.»

    Grund: «In absoluten Stresssituationen stellen die Fische die Nahrungsaufnahme ein. Das ist ähnlich wie bei Bäumen in den Jahrringen ablesbar, die sich auf den Fischschuppen befinden.»

    Folgen noch Jahre spürbar

    Zudem dürfte auch die Fortpflanzung in diesem Herbst und Winter nicht gleich erfolgreich sein. Die Eier in den weiblichen Tieren sind nicht gleich gut herangereift wie in «normalen» Jahren.»

    Die Auswirkungen des Hitzesommers dürften «noch mehrere Jahre spürbar sein», mahnt der Kanton Bern.

    Auch Alexander Roschi vom Fischereiverband hält es für plausibel, dass die Fische nach den Hitzeperioden in schlechterem Zustand sind.

    Fische haben weniger zu fressen

    Nicht nur schalten die Fische in einen Sparmodus, indem sie sich weniger bewegen und weniger fressen.

    «Es ist Tatsache, dass das Nahrungsangebot durch die hohen Temperaturen und ausgetrockneten Bereiche stark reduziert wurde. Das hilft den Fischen natürlich gar nicht», sagt er.

    Zugleich warnt Roschi vor Verallgemeinerungen. «Ein einzelner Fang oder einzelne Beobachtungen lassen noch keine Aussage über den Zustand eines gesamten Bestandes in einem Gewässer zu.»

    Es brauche längerfristige und systematische Daten, um sagen zu können, wie viel Gewicht Fische durch Hitzeperioden tatsächlich verlieren.

    Mehrere befristete Fischereiverbote verhängt

    Wegen der gravierenden Zustände ist der Fang zurzeit gar nicht erlaubt.

    In Kantonen wie Bern, Solothurn und Basel‑Landschaft ist Fischen in einzelnen Fliessgewässern und Abschnitten verboten.

    «Ein Fischereiverbot ist für Fischerinnen und Fischer natürlich eine Einschränkung», weiss Roschi. Gleichzeitig seien diese nachvollziehbar und notwendig.

    «Schutz der Fische hat Vorrang»

    Die «überwiegende Mehrheit der Fischerinnen und Fischer» engagiere sich für den Schutz der Gewässer und der Lebensräume. Und verstehe sich nicht nur als Naturnutzer.

    Er betont: «Deshalb ist es für viele selbstverständlich, in einer ausserordentlichen Situation wie nach dem Hitzesommer 2026 auf die Fischerei zu verzichten.»

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    Kieselsteine statt Fluss: Drohnenbilder zeigen, wie trocken es schon ist in der Schweiz. (Video vom 8. Juli 2026) - Nau.ch / Nico Leuthold

    Denn: «Der Schutz der Fischbestände und ihre Erholung haben in einem solchen Moment Vorrang», so Roschi.

    Auch das Berner Fischereiinspektorat bestätigt: «Wir stellen fest, dass die Fischenden in diesem Jahr sehr stark sensibilisiert sind. Wir gehen davon aus, dass sie in den verbliebenen offenen Gewässern zurückhaltend auf Forellen fischen.»

    Fischereiverband nimmt Politik in Pflicht

    Für Alexander Roschi vom Schweizerischen Fischereiverband ist nach der Hitze und Trockenheit klar: «Dieser Sommer muss aus unserer Sicht ein Weckruf sein.»

    Macht die Politik genug für den Gewässerschutz?

    Die Gewässer bräuchten mehr Revitalisierung, genug Wasser, Schatten und natürliche Rückzugsorte, damit sie dem Klimawandel besser standhalten können.

    Der Verband sieht daher die Politik in der Pflicht. Und er behält sich vor, eine Volksinitiative für mehr Gewässerschutz zu lancieren.

    Kommentare

    User #4811 (nicht angemeldet)

    Das Fischereiinspektorat des Kantons Bern ist völlig unglaubwürdig. Es spricht von Millionen toten Fischen, und verhängt für ein paar wenige Gewässer ein paar Wochen ein Fangverbot. Bei einer solchen Schwächung der Bestandes ist es zwingend dass mind. 1 Jahr (2027) ein umfassendes Fischverbot im ganzen Kt. ausgesprochen wird; und es würde den Fischereiverbänden gut anstehen, dasselbe einzufordern. Katastrophen in dieser Grössenordnung müssen umfassend geregelt werden, da reicht ein netter Apell, etwas weniger Forellen zu fangen nicht!

    User #1917 (nicht angemeldet)

    Haben die Fische wegovy gespritzt? LOL

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