Nach dem historischen Urnengang in Moutier können die Kantone Bern und Jura die nächsten Schritte planen. Bis Moutier eine jurassische Stadt ist, werden aber noch Jahre vergehen.
Moutier Jurafrage Kantonszugehörigkeit
Die Separatisten von Moutier BE feiern nach dem «Ja» zum Kantonswechsel. - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Ja aus Moutier ebnet den Weg zum Kantonswechsel.
  • Beide Kantone müssen jedoch noch ihr Volks-Ja zum Wechsel geben.
  • Im Kanton Bern schrumpft die französische Sprachminderheit deutlich.

Zunächst muss das Abstimmungsergebnis aus Moutier rechtskräftig werden. 54,9 Prozent der Stimmenden hatten sich am Sonntag für den Wechsel zum Jura ausgesprochen, dies bei einer hohen Stimmbeteiligung von 88 Prozent.

Gibt es keine Beschwerden gegen das Resultat oder werden allfällige Beschwerden abgewiesen, können sich die Kantone Bern und Jura an die Arbeit machen. Sie müssen die praktischen Einzelheiten des Kantonswechsels in einem Konkordat aushandeln. Dieses Konkordat muss dann gleichzeitig den Stimmberechtigten beider Kantone vorgelegt werden.

Zweimal Kantons-Ja benötigt

Sagt das Volk in beiden Kantonen Ja, geht das Konkordat zur Genehmigung an die Bundesversammlung. Sagt der eine Kanton Nein, endet das Verfahren, ohne dass Moutier zum Jura wechseln könnte. Allerdings deutet im Moment nichts auf ein solches Volks-Nein hin.

Realität werden könnte Moutiers Wechsel auf den 1. Januar 2026, hofft die jurassische Regierung. Der bernische Staatsschreiber Christoph Auer schloss am Sonntag vor den Medien nicht aus, dass es 2027 werden könnte.

Die Regierungsstatthalterin des Berner Juras, Stéphanie Niederhauser, gab am Montag auf Anfrage bekannt, abgesehen von einem bereits im Februar eröffneten Beschwerdeverfahren seien derzeit keine weiteren Rekurse hängig.

Französischsprachige Minderheit in Bern verliert an Grösse

Der Kanton Bern wird mit dem Wegzug Moutiers rund 7400 Einwohner verlieren. Gemessen an der gesamten Einwohnerzahl des Kantons von rund einer Million Menschen ist das wenig. Das «Adieu» von Moutier ist aber schmerzhaft für die französischsprachige Minderheit im Kanton Bern, die etwa zehn Prozent der Bevölkerung ausmacht.

5,4 Prozent der Französischsprechenden leben im Berner Jura, die anderen anderswo, etwa im zweisprachigen Biel.

Die bernischen Behörden betonten am Montag, sie wollten die Zweisprachigkeit weiter fördern. Schliesslich sei Bern ein Brückenkanton zwischen Deutsch- und Westschweiz. «Das Erreichte wird nicht in Frage gestellt», betonte der französischsprachige Vizestaatsschreiber David Gaffino.

Das zeigt sich auch im Sonderstatutsgesetz, das der Grosse Rat vor wenigen Wochen revidiert hat. Dadurch wird die Stellung des Berner Juras und der französischsprachigen Bevölkerung im Kanton Bern gestärkt.

Weniger Romand-Einfluss im Berner Parlament?

In Frage gestellt werden dürfte aber das politische Gewicht des Berner Juras, der in der Regierung und im Grossen Rat überrepräsentiert ist. Die Kantonsverfassung garantiert dem Berner Jura zwölf von 160 Parlamentssitzen und einen Sitz in der Kantonsregierung.

Dieser «Jura-Sitz» entscheidet über die Mehrheitsverhältnisse in der Kantonsregierung. Lange Jahre war er in SP-Händen, womit Rotgrün über insgesamt vier der sieben Sitze verfügte. 2016 schaffte Pierre Alain Schnegg (SVP) den Sprung in den Regierungsrat, der seither bürgerlich dominiert ist.

In Moutier selber ist wieder Ruhe eingekehrt. Am Montagmorgen erinnerte in der Kleinstadt nur noch wenig an den Trubel vom Vortag.

Vom projurassischen Fest des Sonntagabends war bloss noch eine Menge Abfall vor dem Bahnhof und auf dem Rathausplatz zu sehen. Die Jura-Fahne, die am Sonntag an der Fassade des Rathauses aufgehängt worden war, wurde am Montagmorgen wieder entfernt.

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