Milliarden-Ausbau der Armeelogistik vor Herausforderungen

Keystone-SDA
Keystone-SDA

Bern,

Die Finanzkontrolle fordert beim Ausbau der Armeelogistik Nachbesserungen.

armee
Die Armee plant einen milliardenschweren Umbau der Logistik. - keystone

Die Schweizer Armee muss ihre Logistik kriegstauglich machen – ein Milliardenvorhaben. Die Finanzkontrolle bescheinigt dem Projekt grundsätzlich die nötige Reife. Sie verlangt aber Nachbesserungen bei der Finanzierung, der zivilen Vernetzung und der IT-Sicherheit.

Die Schweizer Armee vollzieht einen grundlegenden Paradigmenwechsel. Sie ebnet den Weg von einer auf Effizienz getrimmten Verwaltung, hin zu einer kriegstauglichen, dezentralen Einsatzlogistik. Das entsprechende Projekt, die «Gesamtkonzeption Armeelogistik», ist laut der Eidgenössischen Finanzkontrolle (EFK) im Grossen und Ganzen auf Kurs, wie sie in einem am Mittwoch veröffentlichten Prüfbericht schreibt.

Künftig sollen Bevorratung, Schutz, Sanität und Infrastruktur der Armee auf Krisen- und Konfliktlagen ausgerichtet sein. Insgesamt 144 Einzelmassnahmen sind geplant, die bis nach 2035 umgesetzt werden sollen. Intern rechnet die Verwaltung mit Gesamtinvestitionen von bis zu zehn Milliarden Franken bis ins Jahr 2040.

Offene Baustellen

Aufgrund der finanziellen Tragweite des Vorhabens stellen die Finanzprüfer der Armeeführung vier Empfehlungen aus. So müsse die Logistikbasis der Armee eine konsolidierte Übersicht aller Massnahmen samt Kosten, Zeitplänen und Abhängigkeiten erstellen und eng mit dem Armeestab abstimmen. Auch eine systematische Abstimmung der Abhängigkeiten von zivilen Lieferketten, Kantonen und Bundesämtern sei notwendig, weil die Schweizer Armee zu über neunzig Prozent von ausländischen Rüstungsgütern abhängig sei.

Das Generalsekretariat im Verteidigungsdepartement (VBS) muss laut der EFK zudem die Gesamtkonzeption in sein übergeordnetes Monitoring aufnehmen, um die finanzielle Kohärenz abzusichern. Schliesslich sollten bei der Vergabe von Logistik- und Instandhaltungsaufträgen an den bundeseigenen Rüstungskonzern Ruag MRO die Verantwortlichen im VBS und beim Bundesamt für Rüstung (Armasuisse) frühzeitig einbezogen werden.

Beim Verteidigungsdepartement stösst dies auf offene Ohren. Robert Scheidegger, Chef Planung, Controlling, Digitalisierung und Sicherheit beim VBS, unterstrich in Bern vor den Medien gleichzeitig die Notwendigkeit des Umbaus: «Wir haben heute ein hocheffizientes System, das die Logistik sehr schnell verwaltet. Wir sind aber verwundbar, insbesondere im Kriegsfall.» Deshalb müsse die Logistik dezentraler, sicherer und frontnaher gestaltet werden.

«Lösung des armen Mannes»

Dass die Gesamtkonzeption zeitlich vor der übergeordneten Sicherheitspolitischen Strategie 2026 erarbeitet wurde – eine Kritik der EFK -, begründete Scheidegger damit, dass ein anderes Vorgehen das Projekt unnötig verzögert hätte: «Wenn wir zuerst die Gesamtstrategie abgewartet hätten, wäre das Armeelogistik-Konzept wieder überholt gewesen.»

Auch Michael Nussli, stellvertretender Chef der Logistikbasis der Armee, betonte an einem Fachgespräch die Dringlichkeit der Reform: Die Konzeption sei der zwingende Vorbereitungsschritt, um die Logistik aus betriebswirtschaftlichen Denkmustern in eine durchhaltefähige Kriegslogistik zu überführen.

Die Verantwortlichen wollen aber pragmatisch vorgehen, weil eine vollständige Umsetzung aller Massnahmen angesichts der aktuellen Finanzlage der Armee als nicht realisierbar gilt. Angestrebt werde eine Grunddezentralisierung, aber nicht ein Vollausbau, der fünf bis zehn Milliarden Franken kosten würde. Nussli sprach in diesem Zusammenhang von einer «Lösung des armen Mannes». Die Bedürfnisse der Armeelogistik stünden in Konkurrenz zu anderen Vorhaben der Armee und müssten über das ordentliche Budget finanziert werden.

Suche nach der Krisensoftware

Ein wesentliches Element der angestrebten Dezentralisierung betrifft die Infrastruktur. «Ziel ist es, unterirdisch die wichtigsten Systeme einzulagern», sagte Nussli. Diese Anlagen seien jedoch nicht alle in tüchtigem Zustand.

Eine zentrale Herausforderung bleibt auch die IT-Infrastruktur. Zwar läuft das SAP-Standardsystem seit Anfang 2025 im Alltagsbetrieb stabil, wie die Verantwortlichen festhielten. Im Ernstfall aber – etwa bei Cyberangriffen oder gekappten Leitungen – stosse das System an seine Grenzen, da die Rechenzentren nicht ausreichend geschützt seien und das System nicht autonom betrieben werden könne.

Die ursprünglich geplante Lösung für den autonomen Betrieb erwies sich als nicht machbar und wurde verworfen. Nun wird wieder verstärkt auf geschützte, autonome SAP-Architekturen gesetzt, was aber Zeit braucht. Scheidegger verteidigte das Vorgehen, nachdem die EFK den Verzug kritisiert hatte: «Es wäre falsch, Software zu beschaffen, bevor wir wissen, wie wir arbeiten wollen. Die Anforderungen sind nun bekannt.» Geplant sei, das Teilprojekt ins Rüstungsprogramm 2027 zu integrieren.

Mehr zum Thema:

Kommentare

Weiterlesen

Lara Gut-Behrami
275 Interaktionen
Ski-Rücktritt
wc
182 Interaktionen
Kein Konsumzwang

MEHR AUS STADT BERN

YB
5 Interaktionen
Gerücht aus England
YB Frauen
1 Interaktionen
3:4 in Österreich
Kantonspolizei Bern
2 Interaktionen
Gewitter
2 Interaktionen
Bern