Exklusive Zahlen: Schweizer finden immer weniger günstige Neuwagen
Das Angebot unter 20'000 Franken ist seit 2021 um über einen Drittel geschrumpft. Neue Technik und tiefe Margen setzen Billigautos unter Druck.

Das Wichtigste in Kürze
- Günstige Neuwagen unter 20’000 Franken werden in der Schweiz seltener.
- Seit 2021 sank die Zahl klassischer Baureihen von 35 auf 23.
- Strengere Sicherheitsregeln, Komfortansprüche und Elektrifizierung treiben Preise an.
Wer in der Schweiz einen günstigen Neuwagen sucht, findet immer weniger Modelle.
Eine exklusive Auswertung des Fahrzeugdaten-Spezialisten Auto-i-DAT für Nau.ch zeigt: Vor fünf Jahren standen noch 35 klassische Neuwagen-Baureihen für weniger als 20'000 Franken zur Auswahl. Heute sind es 23 – das entspricht einem Rückgang von mehr als einem Drittel.
Noch deutlicher ist die Entwicklung im niedrigsten Preissegment: Im September 2021 gab es acht Modelle für weniger als 15'000 Franken. Heute sind es noch drei.

Für die Erhebung verglich Auto-i-DAT den Schweizer Personenwagenkatalog jeweils im September der Jahre 2021 bis 2026.
Gezählt wurde jede Baureihe einmal – unabhängig davon, wie viele Motorisierungen oder Ausstattungsvarianten erhältlich waren.
Sehr leichte Fahrzeuge wie Citroën Ami, Fiat Topolino oder Microlino wurden herausgerechnet. Sie seien mit einem klassischen Kleinwagen nur bedingt vergleichbar, erklärt Auto-i-DAT.
Fiesta weg, Micra fast doppelt so teuer
Wie stark sich der Markt gewandelt hat, zeigt ein Blick auf einst verbreitete Kleinwagen.
Der Ford Fiesta kostete 2021 in der günstigsten Version 15'900 Franken. Heute ist er verschwunden. Ford bietet laut Auto-i-DAT inzwischen gar kein Modell mehr unter 25'000 Franken an.
Ähnlich beim VW up!: Vor fünf Jahren war er ab 17'000 Franken zu haben. Einen direkten Nachfolger unter 20'000 Franken gibt es nicht.
Andere Modelle existieren zwar noch, kosten aber wesentlich mehr.
Der Nissan Micra war 2021 ab 14'990 Franken erhältlich. Heute beginnt er bei rund 28'200 Franken. Beim Mazda2 stieg der Einstiegspreis von 17'900 auf rund 28'750 Franken.
Auch bekannte Modelle wie der Toyota Yaris oder der Škoda Fabia haben die 20'000-Franken-Grenze inzwischen deutlich überschritten.
Neue Technik trifft günstige Autos besonders stark
Warum verschwinden ausgerechnet die günstigen Autos?
Ein Grund sind strengere Vorschriften. Neue Autos müssen heute deutlich mehr Sicherheitstechnik an Bord haben als früher.
Frank Keidel vom Branchenverband Auto Schweiz verweist auf die seit 2024 obligatorischen Notbrems- und Rückfahrassistenten. Solche Systeme brauchen zusätzliche Sensoren und elektronische Bauteile.

Hinzu kommen höhere Ansprüche der Kundschaft. «Auch bei Kleinwagen wollen viele Kunden Komfortfeatures, die es früher nur in der Mittelklasse gab», sagt Keidel zu Nau.ch. Als Beispiel nennt er die Klimaanlage.
Solche Komfortmerkmale treiben die Kosten ebenso in die Höhe wie die obligatorischen Sicherheitsassistenten.
Das Problem: Die zusätzliche Technik fällt bei kleinen Autos stärker ins Gewicht als bei einem teuren Fahrzeug. «Bei Kleinwagen machen diese Kosten prozentual mehr aus, sie belasten die Marge unmittelbar», erklärt Keidel.
Schweizer kaufen lieber teurer
Doch nicht nur die Kosten spielen eine Rolle.
Auch die Nachfrage ist entscheidend. Laut Keidel suchen in der Schweiz mit ihrer hohen Kaufkraft vergleichsweise wenige Kunden gezielt nach einem Neuwagen unter 20'000 Franken.
«Während in der EU der Dacia Sandero das meistverkaufte Auto ist, stehen in der Schweiz höherpreisige Modelle auf dem Podest.»
Die Spitzenposition belegt im laufenden Jahr der VW Golf (ab zirka 33'000 Franken). Auf den Plätzen zwei und drei folgen Mercedes GLC (ab ca. 73'000 Fr.) und VW Tiguan (ab ca. 42'000 Fr.).
Für Hersteller stellt sich deshalb die Frage, wie attraktiv das günstige Segment in der Schweiz überhaupt ist. Anders gesagt: Wo die Nachfrage klein ist, dünnt auch das Angebot aus.
Hyundai i10 verschwindet
Wie schwierig das Geschäft mit günstigen Kleinwagen geworden ist, zeigt etwa Hyundai.
Der Hersteller hat die Produktion des i10 (ab ca. 15'200 Fr.) eingestellt. In der Schweiz sind derzeit noch Lagerfahrzeuge erhältlich.
Laut Lukas Hasselberg vom Schweizer Hyundai-Importeur Astara Switzerland spielten dabei strengere Sicherheits- und Emissionsvorgaben sowie die zunehmende Elektrifizierung eine Rolle. Sie erhöhen den technischen Aufwand und verteuern die Fahrzeuge.

Der Sprecher erklärt: «Da Kleinstwagen traditionell zu sehr wettbewerbsfähigen Preisen angeboten werden, lassen sich diese Mehrkosten nur begrenzt an Kundinnen und Kunden weitergeben.»
Mit dem elektrischen Inster bietet Hyundai weiterhin ein kleines Einstiegsmodell an. Dieses ist jedoch rund 9000 Franken teurer (ab ca. 24'000 Fr.) als der i10.
«Der wichtigste Kostenfaktor eines Elektrofahrzeugs ist nach wie vor die Batterie», sagt Hasselberg. Dazu kommen Kosten für Software, Elektronik und Fahrerassistenzsysteme.
Dacia zeigt, dass es auch anders geht
Dass günstige Neuwagen trotzdem noch möglich sind, zeigt Dacia.
Der Sandero ist aktuell ab 15'290 Franken erhältlich. Auch der elektrische Spring und der Sandero Stepway bleiben unter 20'000 Franken.
Der Hersteller setzt unter anderem auf bewährte Technik aus dem Renault-Konzern, standardisierte Bauteile, wenige Varianten und hohe Stückzahlen.
Zudem verzichtet Dacia bewusst auf Ausstattungen, die den Preis erhöhen, von vielen Kunden aber kaum genutzt werden.

Karin Kirchner, Sprecherin von Dacia Schweiz, sagt: «Wir konzentrieren uns auf das Wesentliche und investieren dort, wo Kundinnen und Kunden tatsächlich einen Mehrwert sehen.»
Doch auch Dacia spürt den Kostendruck: Neue Sicherheitsvorschriften, strengere Abgasregeln, Elektrifizierung sowie höhere Rohstoff-, Energie- und Entwicklungskosten verteuern besonders günstige Autos, so Kirchner.
Zuletzt kamen wieder einige Billigautos hinzu
Trotz des starken Rückgangs gibt es inzwischen Anzeichen für eine leichte Gegenbewegung.
Während es 2023 und 2025 jeweils nur 20 klassische Baureihen unter 20'000 Franken gab, sind es heute wieder 23.
Auch bei den Einstiegspreisen zeigt sich eine Erholung: 2021 kostete der billigste klassische Neuwagen, ein Dacia Sandero, 9990 Franken. Bis 2025 war der Preis des günstigsten Modells auf 15'090 Franken gestiegen.
Heute liegt er wieder tiefer: Auto-i-DAT führt den elektrischen JAC e-JS1 mit einem Basispreis von 12'989 Franken als günstigstes Modell.
Neue Anbieter und günstige Elektroautos füllen damit einen Teil der entstandenen Lücke.
Von früheren Verhältnissen ist der Markt aber weiterhin weit entfernt: Die Auswahl an günstigen Neuwagen bleibt deutlich kleiner als vor fünf Jahren.












