Massentourismus: Jetzt sollen Influencer schöne Orte geheimhalten

Simon Binz
Simon Binz

Bern,

Influencer machten Orte wie den Oeschinensee erst zum Hotspot. Jetzt setzen viele auf #nogeotag, um Overtourism zu stoppen.

Massentourismus
Eine Influencerin fotografiert einen See – mit dem Hashtag #nogeotag wollen viele nun verhindern, dass solche Orte zum Massentourismus-Hotspot werden (Symbolbild). - Getty

Das Wichtigste in Kürze

  • Orte wie der Oeschinensee wurden durch Influencer-Posts zu Touristenmagneten.
  • Nun setzen manche Influencer auf #nogeotag, um Naturorte zu schützen.
  • Experten sehen in gezielter Social-Media-Lenkung die bessere Lösung.

Wer den Oeschinensee bei Kandersteg BE oder das Berggasthaus Aescher im Appenzell auf Social Media sieht, kennt die menschenleeren Traumbilder. Genau solche Aufnahmen sorgten dafür, dass beide Orte viral gingen – und kurz darauf von Touristenmassen überrannt wurden.

Nun wehren sich immer mehr Influencerinnen und Influencer gegen genau diesen Effekt: Mit dem Hashtag #nogeotag verzichten sie bewusst auf den genauen Standort in ihren Posts.

Besuchst du Orte, wenn sie viral gehen?

Für Tourismusforscher Stefan Forster von der ZHAW ist Social Media dabei Fluch und Segen zugleich, wie er gegenüber «SRF» sagt. Dass Orte vom Geheimtipp zum Hotspot werden, sei nämlich kein neues Phänomen.

«Ganz früher gab es beispielsweise die Postkarte aus Grindelwald, später kam der Reiseführer Lonely Planet aus Thailand. Heute sind es Influencer, die spektakuläre Orte wie den Oeschinensee bekannt machen.»

Schweiz Tourismus lehnt #nogeotag ab

Nicht alle halten #nogeotag für die richtige Lösung. Schweiz Tourismus etwa lehnt es ab, Orte bewusst zu verschweigen. Die Organisation schreibt laut «SRF»: «Gerade in Zeiten von AI-generiertem und zunehmend austauschbarem Content sind Transparenz, Kontext und eine nachvollziehbare Quellen- bzw. Ortsangabe wichtiger denn je.»

Beim Schweizerischen Alpenclub SAC hat man mit dem Thema bereits Erfahrung. 2021, mitten in der Coronazeit, lancierte der Club eine Kampagne gegen Wildcampen und sensibilisierte dabei auch für #nogeotag.

berggasthaus aescher-wildkirchli
Das Gasthaus Aescher-Wildkirchli im Kanton Appenzell Innerrhoden kämpft wegen Influencern seit einigen Saisons gegen den Massentourismus. (Archivbild) - Keystone

«An Orten, die schon bekannt sind, wie beispielsweise dem Matterhorn, ist das zwar kein Problem, wenn man den Ort taggt. Wenn man aber will, dass es ein Geheimtipp bleibt, sollte man das eben nicht tun.» Das sagt Philippe Wäger, Ressortleiter Hütten und Umwelt beim SAC.

Wichtig sei, dass sich jede und jeder überlege, ob man einen konkreten Ort oder nur eine ganze Region tagge. Laut Wäger wächst die Zahl jener, die für das Thema sensibilisiert sind – Einheimische ebenso wie Touristinnen, Kletterer und Wanderer.

Komplette Geheimhaltung «macht den Ort noch geheimnisvoller»

Tourismusforscher Forster sieht in kompletter Geheimhaltung allerdings keine Lösung: «Wenn man nicht genau angibt, wo ein Ort ist, werden die Begehrlichkeiten nur noch grösser. Dann macht es den Ort noch geheimnisvoller.»

Sinnvoller sei gezielte Lenkung, wie sie an manchen Orten bereits existiere. So setzen manche Nationalparks auf sogenannte Social-Media-Ranger. Diese würden frühzeitig erkennen, wenn ein Ort viral gehe, und so helfen, Besucherströme zu regulieren.

Oeschinensee
Der Oeschinensee im Berner Oberland wird von Touristen regelmässig überrannt. - keystone

Auch Schweiz Tourismus verfolgt mit der Initiative «Travel Better» dieses Ziel: Besucherinnen und Besucher sollen künftig nicht mehr nur an den Hotspots landen, sondern über das ganze Land verteilt werden.

Mehr zum Thema:

Kommentare

User #2828 (nicht angemeldet)

Ich wurde beauftragt, mehr Werbung für Oberiberg zu machen

User #4832 (nicht angemeldet)

Wer braucht den heutzutage noch ein offensichtliches Händy zum Filmen gibt ja schon Brillen mit Kamera‘s

Weiterlesen

Graffiti Tourismus Protest Mallorca
3 Interaktionen
Trotz Protesten
Mallorca
244 Interaktionen
«Geht nach Hause»
tourismus schweiz
11 Interaktionen
Trotz Aescher-Puff

MEHR AUS STADT BERN

Uni Bern Reiseagentur Nordpol
«Wüste oder Nordpol»
yb
26 Interaktionen
3 (!) YB-Traumtore
bahnhof
498 Interaktionen
«Konsequenzen»