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Leon wird Opfer von Betrüger-Website – Google lässt sie stehen

Vivian Balsiger
Vivian Balsiger

Basel,

«Höchst problematisch»: Google lässt eine betrügerische Website trotz Meldung stehen – und versieht sie lediglich mit einem Hinweis.

flugreise
Nau.ch-Leser Leon beantragte die Einreisegenehmigung für England auf einer Betrüger-Website. (Symbolbild) - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Nau.ch-Leser Leon F. wurde Opfer einer fiesen Betrüger-Website.
  • Trotz Anzeige bleibt die Website bei Google weiterhin prominent in den Suchergebnissen.
  • Nun enthält die Seite jedoch einen Vermerk: «Keine Website einer Behörde.»
  • Für den Konsumentenschutz ist das «höchst problematisch» – der Vermerk reiche nicht aus.

Die Vorfreude auf den Trip ist riesig – doch kurz vor dem Abflug wird's richtig teuer.

Der Basler Nau.ch-Leser Leon F.* (19) will mit zwei Freunden nach England reisen. Für die Einreise brauchen sie eine Einreisegenehmigung. Leon übernimmt die sogenannte ETA für alle – und zahlt auf einer Website 300 Franken.

Am Flughafen Zürich folgt der Schock: Die Genehmigung existiert gar nicht. Alles fake!

Zum Glück reagiert die Gruppe schnell und kann die Reise trotzdem antreten. Doch die Frage bleibt: Wie kann so eine Betrüger-Seite ganz oben bei den Google-Suchergebnissen landen?

Auf Anfrage erklärte Google damals gegenüber Nau.ch: Eine Website könne erst nach einer Anzeige bei Google entfernt werden. Also erst, wenn User die Fake-Website bei Google melden.

Trotz Anzeige: Google handelt nur minim

Die Google-Mediensprecherin: «Wann immer wir eine gegen unsere Richtlinien verstossende Anzeige entdecken oder darauf aufmerksam gemacht werden, handeln wir rasch: Um diese zu entfernen und gegebenenfalls das Konto des Werbetreibenden zu sperren.»

Doch zwei Monate später das Déjà-vu: Wer «eta uk» (also ETA für das Vereinigte Königreich) googelt, sieht erneut genau diese Fake-Seite prominent platziert – noch vor der offiziellen ETA-Seite. Trotz Anzeige bei Google!

Einziger Unterschied: Neu prangt auf der Seite ein Hinweis: «Keine Website einer Behörde.»

Reicht der Hinweis von Google?

Warum dieser Mini-Warnhinweis statt einer Löschung? Google bleibt vage. Man verweist lediglich auf einen Support-Artikel. «Auf Ihre spezifischen Fragen kann Google nicht eingehen.»

Und was steht auf der Support-Seite? Google erkenne die Seite nicht als offizielle Regierungs-Website. Daher werde sie mit einem Warnhinweis versehen – aber nicht blockiert.

«Höchst problematisch»

Reicht der Hinweis? Für Livia Kunz, Leiterin Recht bei der Stiftung für Konsumentenschutz, ist die Antwort klar: «Nein.»

Gegenüber Nau.ch erklärt sie: Der Hinweis könne helfen, «ist aber erfahrungsgemäss nicht ausreichend, Konsumenten davon abzuhalten, die entsprechenden Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen.»

gesetz
Ein neues Gesetz soll in Zukunft für mehr Fairness und Transparenz sorgen. - www.uvek.admin.ch

Dass Google die betrügerische Website weiterhin so prominent platziert, stösst beim Konsumentenschutz auf scharfe Kritik: «Es ist höchst problematisch, dass Google hier keine Verantwortung übernimmt. Aus Sicht des Konsumentenschutzes müsste Google betrügerische Websites gar proaktiv entfernen, zumindest aber auf Meldung.»

Das Problem: Noch fehlt die gesetzliche Pflicht dazu.

Neues Gesetz in Arbeit

Doch es besteht Hoffnung – ein neues Gesetz ist in Arbeit, erläutert die Rechts-Expertin: «Mit dem neuen Gesetz über Kommunikationsplattformen und Suchmaschinen, welches sich gerade in der Vernehmlassung befindet, würden Google und weitere Dienste in ebendiese Pflicht genommen.»

Grosse Plattformen und Suchmaschinen wie Google, Facebook, X und TikTok sollen so künftig zu mehr Transparenz und Verantwortung gezwungen werden.

Doch bis dahin gilt: Vorsicht beim Klicken. Kunz rät, betrügerische Seiten lieber direkt beim «Bundesamt für Cybersicherheit» zu melden – und nicht bei Google.

*Name der Redaktion bekannt.

Kommentare

User #4005 (nicht angemeldet)

Solang google und co an den Betrügereien kräftig mitverdienen, werden sie es nicht ändern.

User #5384 (nicht angemeldet)

Unsere Justiz ist durchwegs überfordert. Konsumentenschutz ist nur eine lukrative Staatsstelle mehr wo Steuergelder versickern. Solche Webseiten könnten staatlich gesperrt werden. Aber der Wille fehlt und 70% wählen Mitte Links

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