Lehrer fehlt? Schüler müssen in Wil SG nach Hause!
Eine neue Schulregel in Wil SG sorgt für Diskussionen: Bei Lehrerausfall am Nachmittag bleiben Kinder ab der dritten Klasse nun zu Hause – aus Spargründen.

Das Wichtigste in Kürze
- In Wil SG sorgt eine neue Sparmassnahme an den Schulen für hitzige Diskussionen.
- Fällt eine Lehrperson am Nachmittag aus, haben Kinder ab der dritten Klasse frei.
- Mit der Reduktion der Stellvertretungen sollen jährlich 90’000 Franken eingespart werden.
In Wil SG sorgt eine neue Sparmassnahme an den Schulen für hitzige Diskussionen unter den Eltern.
Ab der dritten Primarklasse gilt neu: Fällt eine Lehrperson am Nachmittag aus, gibt's für die Kinder frei. Eine Stellvertretung für den Nachmittagsunterricht wird nicht mehr organisiert.
Der Grund? Eine Sparmassnahme. Mit der Reduktion der Stellvertretungen sollen jährlich 90’000 Franken eingespart werden. Die Eltern wurden im Januar per Schreiben informiert, wie die «Wiler Zeitung» berichtet.
Der spontane Unterrichtsausfall am Nachmittag dürfte viele Kinder freuen. Für berufstätige Eltern sorgt er jedoch für ein Organisations-Chaos.
Lediglich für Eltern, die die Wiler Tagesstrukturen nutzen, entfällt dieses Problem. Kinder, die für das Mittagsmodul und das Modul ab 15.30 Uhr angemeldet sind, werden auch bei Unterrichtsausfall betreut. Diese Strukturen sind allerdings kostenpflichtig.
Die Eltern sollen bei einem Lehrpersonenausfall am Nachmittag spätestens bis um 8 Uhr morgens am gleichen Tag informiert werden. «Im Idealfall schon am Vortag», heisst es im Schreiben.
Auf «Einzelfälle» eingehen
Zusätzlich wird im Brief erwähnt: «In Einzelfällen können wir Ihr Kind bis zum Ende des Schultages betreuen.» Eltern, die die Kinderbetreuung nicht organisieren können, sollen sich an die Schulleitung wenden.
Auf Anfrage der «Wiler Zeitung» erklärt Donat Ledergerber, Leiter des Departements Bildung und Sport in Wil SG: «Einzelne Kinder können wir auch in anderen Klassen unterbringen.» Dies gilt in vielen anderen Gemeinden als Standard. Für ganze Klassen sei dies jedoch nicht umsetzbar.
Ledergerber geht davon aus, dass die neue Regelung für rund 90 Prozent der Familien kein Problem darstellt.
Können alleine zu Hause bleiben
Für viel Zündstoff sorgt eine Aussage im Schreiben: «Wir sind der Meinung, dass ein Kind ab der dritten Klasse durchaus ein bis zwei Stunden alleine zu Hause bleiben kann.» Diese Einschätzung bekräftigt Ledergerber auch auf Anfrage der Zeitung.
Gleichzeitig stellt er klar: Bei einem längerfristigen Ausfall einer Lehrperson, spätestens ab dem zweiten oder dritten Tag, werde wieder eine Stellvertretung organisiert.
Sollte sich die neue Regelung als nicht praktikabel erweisen, sei man offen für Anpassungen.











