Coiffeur kassiert Ein-Stern-Bewertungen – dann meldet sich «Helfer»
Coiffeur Ricardo aus Basel kämpft gegen gefälschte schlechte Bewertungen seines Geschäfts. Er wittert dahinter eine Betrugs-Masche.
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Das Wichtigste in Kürze
- Coiffeur Ricardo aus Basel erhält für sein Geschäft plötzlich viele unerklärbare negative Google-Bewertungen.
- Kurz darauf meldet sich eine angebliche Helfer-Firma bei ihm. Sie bietet an, die Google-Bewertungen gegen Geld löschen zu lassen.
- Darauf geht Ricardo nicht ein. Denn: Er wittert hinter der Aktion eine neue Betrugsmasche.
Es ist im digitalen Zeitalter der Albtraum jedes Geschäfts: eine schlechte Bewertung auf Google. Noch schlimmer ist es, wenn man es gleich mit mehreren Ein-Stern-Bewertungen zu tun hat.
So geht es aktuell dem Coiffeur-Geschäft von Ricardo aus Basel. Der Salon kämpft mit schlechten Bewertungen.
Diese sind jedoch nicht Folgen von schlechtem Service oder zerschnittenen Frisuren. Bei den Ein-Stern-Bewertungen handelt es sich um Fake-Rezensionen!
«Ich weiss nicht einmal, auf wen ich wütend sein soll»
Ein Problem für Ricardo, der seinen Coiffeursalon seit 26 Jahren betreibt. Gegenüber Nau.ch erklärt er, die schlechten Bewertungen hätten nicht nur Auswirkungen auf seinen Schlaf, sie brächten ihm auch Herzrasen.

Ricardo berichtet, er sei wütend. Das Schlimmste dabei: «Ich weiss nicht einmal, auf wen ich wütend sein soll.»
Dieser Salon sei sein Lebenswerk, so Ricardo. «Für die Kundenzufriedenheit tue ich fast alles.»
Coiffeur vermutet hinter den Fake-Bewertungen «Gauner aus dem Internet»
Darum seien die fünf Ein-Stern-Bewertungen ein Schock gewesen. «Vor allem, weil man weiss, dass es weder die Kundschaft noch die Konkurrenz war.»
Für Ricardo ist klar: Hinter den schlechten Bewertungen für seinen Coiffeur-Salon stecken «Gauner aus dem Internet». Diese seien hinter seinem Geld her.
Grund für die Annahme liefert Ricardo eine Mail, die kurz nach Auftauchen der schlechten Bewertungen in sein Postfach flattert.
In dieser Mail bietet die Website «bewertungsanwalt.ch» an, die schlechten Google-Bewertungen löschen zu lassen. Der Haken: Dafür verlangt die Seite pro schlechter Bewertung 400 Franken.
«Für mich ist so ein Angebot nicht seriös»
Ein Angebot, auf das Coiffeur Ricardo nicht eingeht. Er wendet sich direkt an Google – und lässt zwei der negativen Bewertungen löschen.
«Wenn es nach der Website geht, habe ich so 800 Franken gespart», meint Ricardo. Er hat eine klare Meinung zu «bewertungsanwalt.ch»: «Für mich ist so ein Angebot nicht seriös.»

Für ihn sind die Preise für die Dienstleistung schlicht zu hoch.
Und: «Ich verstehe nicht, wie das Unternehmen nach nur ein paar Minuten wusste, dass mein Coiffeur-Salon mit Fake-Bewertungen zu kämpfen hat.»
«Das Muster ist allgemein bekannt»
Ricardo wittert hinter den Fake-Bewertungen und dem Angebot von bewertungsanwalt.ch Betrug. Deshalb hat er vor, zur Polizei zu gehen und Anzeige gegen Unbekannt zu stellen.

Ricardo ist nicht allein.
Nau.ch hat bei der Kriminalprävention nachgefragt. Diese erklärt: «Ja, das Muster ist allgemein bekannt. Gefälschte Bewertungen werden seit einigen Jahren eingesetzt, um Unternehmen zu schädigen oder unter Druck zu setzen.»
Achtung bei Bezahl-Angeboten
Das Vorgehen selbst – zuerst Schaden zuzufügen und dann mit einem vermeintlichen Hilfsangebot aufzuwarten – kenne man aus dem Online-Anlagebetrug.
Ob es sich im Fall von Ricardo tatsächlich um Betrug handle, sei schwer abzuschätzen.

Aber auch der Kriminalprävention kommt es spanisch vor, dass das «Hilfsangebot» kurz nach Auftauchen der schlechten Bewertungen kommt. Sie spricht von einem «Warnsignal».
Die Kriminalprävention rät, bei Bezahl-Angeboten skeptisch zu sein und Fake-Bewertungen bei Google zu melden. Im Zweifelsfall sollte man die Polizei einschalten.
Website wehrt sich
Nau.ch hat bei «bewertungsanwalt.ch» nachgefragt. Wie sieht das Unternehmen mit Sitz in Zypern die Betrugsvorwürfe?
Auf die Anfrage reagiert «bewertungsanwalt.ch» nicht. Doch: Auf der Website nimmt das Unternehmen Stellung zu bereits erhobenen Betrugsvorwürfen. Denn auch da ist Ricardo nicht der erste.
Dort heisst es, es gebe «keinen belegten Erpressungsversuch». Zudem gebe es keinen Nachweis dafür, dass «bewertungsanwalt.ch» «negative Rezensionen erstellt, beauftragt oder manipuliert» habe.
Quartier hilft Coiffeur
Derweil kämpft Ricardo noch immer gegen die Fake-Bewertungen. Obwohl er zwei hat löschen lassen, bleiben weitere bestehen.
Bei diesen ist eine Überprüfung von Google noch hängig, wie der Coiffeur schildert.

Immerhin: Ricardo und sein Coiffeur-Salon können sich auf das Quartier verlassen.
Dort seien die schlechten Bewertungen das Thema Nummer eins. Und man würde ihm lauter Fünf-Sterne-Bewertungen ausstellen.














