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    SCB – Hughes: «Hätte eigentlich die Rückennummer von Renato Tosio»

    Nicola Berger
    Nicola Berger

    Bern,

    Connor Hughes (30) soll die stolze Goalie-Tradition des SC Bern fortführen. Im grossen Interview erklärt er, wie er beim SCB gelandet ist.

    SC Bern
    Connor Hughes trägt beim SCB die Nummer 30. - keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Seit dieser Saison steht Connor Hughes beim SC Bern zwischen den Pfosten.
    • Eigentlich würde der Kanadier gerne die Rückennumer 31 tragen – aber das geht nicht.
    • Im grossen Interview spricht Hughes auch über Startschwierigkeiten in seiner Karriere.

    Nau.ch: Connor Hughes, Sie haben im Sommer 2025 in Lausanne einen Fünfjahresvertrag unterschrieben. Wie kommt es, dass Sie im Juni zum SC Bern transferiert wurden?

    Connor Hughes: Ich hatte den Eindruck, dass die Öffentlichkeit über die Vorgänge besser Bescheid wusste als ich selbst. Als während der Saison in den Medien die ersten Gerüchte über ein mögliches Tauschgeschäft auftauchten, rief ich sofort meinen Agenten an. Lausanne versicherte uns, dass da nichts dran sei.

    Aber die Stimmen verstummten nie. Nach der Saison eröffnete mir der Sportchef John Fust, dass man sich überlege, mich zu einem anderen Team zu transferieren. Es war keine Überraschung mehr, aber ich dachte trotzdem: «Wow, okay».

    Lausanne HC
    John Fust ist Sportchef beim Lausanne HC. - keystone

    Nau.ch: Es hiess, es gebe Differenzen zwischen Ihnen und dem Konkurrenten Kevin Pasche, mit dem Sie sich um die Nummer-1-Position balgten. Und dass Pasches Agent eine Vertragsverlängerung davon abhängig gemacht haben soll, dass man Sie wegtransferiert.

    Hughes: Kevin und ich waren bestimmt nicht beste Freunde, unser Verhältnis war eher professioneller Natur. Sonst kann ich dazu nicht viel sagen. Mein Fokus lag darauf, einen Klub zu finden, der mir vertraut und auf mich setzt.

    Schafft es der SCB heuer in die Playoffs?

    Nau.ch: Der SCB bemühte sich monatelang um Sie…

    Hughes: Ja, und das hat mir imponiert. Wenn ich ehrlich bin, hatte ich nicht das allerbeste Bild von diesem Klub. Verstehen Sie mich nicht falsch: Es ist ein grosser, traditionsreicher Verein mit phänomenalem Publikum. Aber von aussen hatte ich den Eindruck, dass der SCB ein bisschen in der Vergangenheit lebt.

    Es gab viele Wechsel, die Resultate waren nicht besonders gut. Aber Martin Plüss hat mir seine Vision aufgezeigt, die hat mich überzeugt. Und ich bin seit meinem Wechsel sehr beeindruckt davon, wie hier gearbeitet wird. Wir Spieler werden in vieles einbezogen, unsere Meinung gilt etwas, das schätze ich.

    SC Bern
    Einst als Spieler im Einsatz ist Martin Plüss heute Sportdirektor beim SC Bern. - keystone

    Im Sommer veranstaltete der Klub einen «Ausländerbrunch», bei dem sich die Familien der Jungs kennenlernen konnten, die nicht aus der Schweiz stammen. Es sind kleine Dinge. Aber sie helfen der Identifikation, dem Zusammenhalt. Ich glaube an die Perspektiven des SCB, wir befinden uns auf dem richtigen Weg.

    Nau.ch: Der SCB hat eine sagenumwobene Torhütertradition. Was wissen Sie darüber?

    Hughes: Meine Rückennummer ist eigentlich die 31, das ist das Jahr, in dem mein inzwischen verstorbener Grossvater geboren wurde. Aber in Bern hängt diese Nummer unter dem Hallendach. Ich habe Renato Tosio leider nie spielen gesehen. Aber ich höre seinen Namen ständig. Von Fans, von Mitspielern, von Journalisten.

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    Renato Tosio ist eine grosse Goalie-Legende des SCB. - keystone

    Inzwischen habe ich auch einen Videoausschnitt mit seinem legendären Siegesjubel gesehen. Und bin selbstverständlich gerne auf die Nummer 30 ausgewichen. Aber persönlich habe ich eher zu Leonardo Genoni einen Bezug. Er war in Bern, als ich 2017 in die Schweiz gekommen bin. Und war fast unüberwindbar.

    Nau.ch: Sie haben den Schweizer Pass, hatten mit dem Land bis zu Ihrem Wechsel nach Ambri respektive den Ticino Rockets aber kaum Berührungspunkte.

    Hughes: Das stimmt. Mein Grossvater wanderte einst aus der Schweiz via England nach Kanada aus. Er betrieb in Ontario eine Farm, auf der überall Schweizer Fahnen wehten. Und er war der einzige Bauer, dessen Milchkühe mit Kuhglocken ausgestattet waren. Was in der Nachbarschaft, glaube ich, nicht überall gut ankam.

    Connor Hughes
    Connor Hughes im Einsatz für das Team Canada beim Spengler Cup 2025. - keystone

    Aber ja, ich wusste wenig über die Schweiz und das hiesige Eishockey. Ambris damaliger Goalietrainer Michael Lawrence entdeckte mich in Kanada eher zufällig an einem Turnier. Ich hatte nie auf höchstem Niveau gespielt und wusste zwar, dass ich Talent habe, aber mir fehlte das Coaching, entsprechend hatte ich viele Schwächen in meinem Spiel.

    Ich sah die Schweiz als Abenteuer und dachte: Jetzt probierst Du es mal zwei Jahre. Und wenn’s nicht klappt, gehst Du halt wieder nach Hause.

    Nau.ch: Bei den Ticino Rockets verdienten Sie anfänglich so wenig, dass Sie es sich nur einmal im Monat leisten konnten, eine Pizzeria zu besuchen.

    Hughes: Haha, die Pizza-Geschichte. Darauf werde ich ständig angesprochen. Aber es stimmt, ja, es war ja quasi eine «Eishockey-Lehre», die ich dort absolvierte.

    Nau.ch: Nach zwei Jahren bei den Rockets wäre die Karriere beinahe zu Ende gegangen, ehe sie richtig beginnen konnte.

    Hughes: Das stimmt. Ich spielte keine sonderlich gute Saison und im Sommer waren dann nur noch zwei Jobs offen: Einer in Olten, das sich für meinen Rockets-Teamkollegen Silas Matthys entschied. Und Langenthal. Wenn ich dort keinen Vertrag erhalten hätte, wäre ich vermutlich zurück nach Kanada gegangen, um dort mein Betriebswissenschaftsstudium fortzusetzen.

    Connor Hughes
    Connor Hughes blickt auf seine bisherige Karriere zurück. - keystone

    Nau.ch: Stattdessen klopften Sie 2024 plötzlich an die Türe der NHL und unterschrieben einen Vertrag bei den Montreal Canadiens. Sie spielten die ganze Saison über für das AHL-Farmteam Laval, wie nahe waren Sie dem NHL-Debüt?

    Hughes: Es war ein Traum, diese Chance zu erhalten. Leider habe ich sie nicht genutzt. Auch, weil ich Fehler machte.

    Als Montreal andere Goalies in die NHL beorderte, reagierte ich schlecht. Ich war frustriert und dachte mehr darüber nach, was in der Schweiz auf mich wartet als darüber, mir mit guten Leistungen einen Call-Up zu verdienen. Da fehlte mir die emotionale Reife. An ihr arbeite ich mit einem Mentaltrainer.

    Nau.ch: Machen Sie Fortschritte?

    Hughes: Auf jeden Fall. Fragen Sie mal meine Freundin, wie ich vor fünf Jahren am Morgen nach einem schlechten Spiel drauf war. Und wie heute. Da liegen Welten dazwischen.

    Nau.ch: Sie haben bisher vier Partien für die Schweizer Nationalmannschaft absolviert. Träumen Sie noch von einer WM-Teilnahme?

    Hughes: Es ist jetzt schon ein paar Jahre her, seit ich berücksichtigt worden bin. Aber klar, ich hoffe, dass ich noch einmal eine Möglichkeit erhalte, mich zu beweisen. Die Schweiz war und ist wahnsinnig gut zu mir, ich empfinde eine grosse Dankbarkeit. Fürs Nationalteam zu spielen, wäre eine schöne Gelegenheit, etwas zurückzugeben.

    Nati
    Mit Reto Berra und Leonardo Genoni hat die Hockey-Nati ein starkes Goalie-Duo. - keystone

    Aber man muss auch sagen: Die Nationalmannschaft befand sich mit Reto Berra und Leonardo Genoni über Jahre in den allerbesten Händen. Ich kann nur den Hut davor ziehen, was die beiden in ihrem Alter immer noch leisten.

    Nau.ch: Sie haben im Tessin gelebt, in der Romandie und in der Deutschschweiz. Haben Sie einen Lieblingsort im Land?

    Hughes: Ich sage das wirklich nicht, um meinem Arbeitgeber zu gefallen, aber wenn Familie und Freunde zu Besuch kamen, sind wir immer nach Bern gefahren, weil ich die Altstadt mit ihren Läden in den Kellergewölben so mag. Daneben: Die Weinreben von Lavaux. Wunderbar!

    Nau.ch: Französisch lernten Sie in Kanada einst in der Schule. Wie sieht es mit Deutsch aus?

    Hughes: In ein paar Wochen starten meine Lektionen. Ich glaube, die meisten Leute werden mich immer eher als Kanadier denn als Schweizer sehen. Aber ich bemühe mich um meine Integration.

    Zur Person: Connor Hughes

    Geburtsdatum: 10.09.1996

    Grösse: 193 cm

    Gewicht: 102 kg

    Vertrag in Bern bis: 2031

    Bisherige Klubs: Bern, Lausanne, Laval Rocket (AHL), Martigny, Sierre, Servette, Gottéron, Langenthal, Ticino Rockets.

    Familie: Sein drei Jahre jüngerer Bruder Aidan spielte in der Saison 2023/24 für Bellinzona und Arosa, ehe er die Karriere wegen Rückenbeschwerden beenden musste. Er arbeitet heute in Kanada als Torhütertrainer.

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