Kräuterschwein soll Image von «Schwinigs» aufpolieren
Schweinefleisch verliert in der Schweiz an Boden: Das «Kräuterschwein» soll mit frischen Kräutern im Futter zu einer grösseren Beliebtheit beitragen.

Das Wichtigste in Kürze
- Das «Kräuterschwein» soll Schweinefleisch auch Skeptikern schmackhaft machen.
- Das Label setzt auf frische Kräuter im Futter für einen besseren Geschmack.
- Eine Gesundheitsexpertin sagt: Schweinefleisch hat seinen schlechten Ruf nicht verdient.
Die Schweizerinnen und Schweizer essen immer weniger Schweinefleisch. Waren es 2015 noch 22,82 Kilo pro Kopf, waren es 2024 nur noch 19,17 Kilo.
Ein Grund dafür ist der schlechte Ruf des «Schwinigs»: Zusammengepferchte Tiere, Allesfresser und ein hoher Antibiotikaeinsatz in der Schweinemast prägen das Image. Auch geschmacklich überzeugt Schweinefleisch nicht alle.
Genau hier setzt das Label «Kräuterschwein» an. Die Idee dahinter: Schweine werden mit frischen Kräutern gefüttert. Das soll Qualität und Geschmack des Fleisches deutlich verbessern.

Das Label gibt es zwar schon seit 2015, doch erst seit Kurzem sind «Kräuterschwein»-Produkte auch im Detailhandel erhältlich. Zuvor beschränkte sich der Vertrieb auf die Gastronomie, den Grosshandel und lokale Metzgereien.
Seit November letzten Jahres verkauft Denner Hackfleisch und Kotelett mit dem Label «Kräuterschwein». Das Interesse daran sei gross, bestätigt der Discounter gegenüber Nau.ch.
«Erste Rückmeldungen und Analysen fallen sehr positiv aus», sagt Denner-Sprecher Mathias Kaufmann. Man blicke entsprechend zuversichtlich in die Zukunft. «Wir erwarten, dass die Nachfrage mit zunehmender Bekanntheit der Produkte weiter ansteigen wird.»
Kräuter-Schweinefleisch ist saftiger
Zum Geschmack berichtet Kaufmann: «Das Fleisch der Kräuterschweine wird als saftig und aromatisch wahrgenommen.»
Zudem bleibe das Aroma länger erhalten und die Lager- sowie Haltbarkeitsdauer sei im Vergleich zu herkömmlichem Schweinefleisch höher. «Ein weiterer Vorteil ist, dass das Fleisch der Kräuterschweine beim Lagern und Kochen wesentlich weniger Wasser verliert.»
Das Ergebnis sei: «Spürbar zarteres und saftigeres Fleisch und ein runder Geschmack», sagt der Denner-Sprecher.
Doch nicht nur der Geschmack überzeugt die Kundschaft – auch die Tierhaltung spielt offenbar eine Rolle.
«Kundinnen und Kunden, die Wert auf nachhaltige und verantwortungsvolle Produktion legen, verbinden IP-Suisse mit ethischen und umweltfreundlichen Standards», so Kaufmann. «Dies hebt die Produkte von herkömmlichem Schweinefleisch ab und verbessert das Image.»
Doch was steckt konkret hinter dem angeblich besseren Schweinefleisch? Nau.ch hat beim Präsidenten des Kräuterteams nachgefragt.
Peter Stadelmann verweist gegenüber Nau.ch auf die jahrzehntelange Forschung seiner Firma «Fors-Futter» zur Wirkung von Kräutern auf Gesundheit und Leistung von Tieren.
Anfang der Nullerjahre folgte eine weitere Erkenntnis: Die Kräuter beeinflussen auch den Geschmack des Fleisches positiv.
«Antwort auf negatives Image von Schweinefleisch»
Aus diesem Durchbruch entstand eine klare Idee. «Konkret war die Idee, eine Premiummarke im Schweinefleisch zu schaffen, die sich geschmacklich und qualitätsmässig vom normalen Schweinefleisch abhebt.»
Damit wolle man auch «auf das leider vielfach negative Image von Schweinefleisch eine Antwort geben».
Die Kräuter verlangsamen konkret die Oxidation von Fetten. «Das ist unter anderem auch an der bleibenden hellen Farbe des Fettes zu sehen, die auch nach Wochen anhält. Die Oxidation von Fetten verringert die Lagerfähigkeit von Fleischprodukten und sorgt für unerwünschte geschmackliche Veränderungen.»
Kräutermischung «bleibt Geheimnis»
Das wirke sich auch positiv auf die Gesundheit aus.
«Aus gesundheitlicher Sicht ist es interessant, wenn wir möglichst wenige Nahrungsmittel mit oxidierten Cholesterinen aufnehmen. Zahlreiche Untersuchungen haben gezeigt, dass Kräuterfleisch signifikant tiefere Werte an Cholesterinoxidasen aufweist», erklärt Stadelmann.
Welche Kräuter genau verfüttert werden, bleibt allerdings geheim. «Das ist und bleibt unser Geheimnis», sagt Stadelmann. «Unsere Mitbewerber warten sehnsüchtig darauf, die Formel zu erfahren.»
Auch geschmacklich überzeuge das Fleisch. «Wir haben festgestellt, dass dem Kräuterfleisch auch im Ansatz der typische Schweinegeschmack fehlt. Konsumenten haben es schon oft mit Kalbfleisch verwechselt», verrät Stadelmann.
Saftiges Kräuter-Kotelett hat auch saftigen Preis
So könne man «Schwinigs» auch Menschen schmackhaft machen, «die in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen mit Schweinefleisch gemacht haben».
Allerdings hat das «Kräuterschwein» seinen Preis: Das Schweins-Kotelett bei Denner kostet pro 100 Gramm 2.97 Franken.
Zum Vergleich: Ein herkömmliches Kotelett in IP-Suisse-Qualität kostet pro 100 Gramm 1.80 Franken.
Expertin: «Schweinefleisch ist wichtiger Nährstofflieferant»
Trotz seines schlechten Rufs gilt: Schweinefleisch ist nicht per se ungesund.
Stéphanie Bieler, Expertin bei der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung (SGE), sagt zu Nau.ch: «Schweinefleisch ist ein wertvoller Nährstofflieferant wie die anderen Fleischsorten auch. Ich würde es weder als gesünder noch als ungesünder als andere Lebensmittel bezeichnen.»
Fleisch gehört – wie Hülsenfrüchte oder Eier – zur drittobersten Stufe der Lebensmittelpyramide. «Die zentrale Botschaft lautet: ‹Abwechslung geniessen› und das in jeder Hinsicht», sagt Bieler.

«Pro Woche wird empfohlen, maximal zwei- bis dreimal Fleisch zu verzehren, inklusive Geflügel und verarbeitetes Fleisch.» Eine Portion Fleisch entspricht dabei 100 bis 120 Gramm.
Bieler bestätigt zudem: «Die Haltung und Fütterung hat unter anderem Einfluss auf den Gehalt verschiedener Fettsäuren in tierischen Produkten.»
Kräuterfleisch ändert nichts an Gesundheits-Empfehlung
Auch bei Milchprodukten zeige sich dieser Effekt, wenn Tiere mit frischem Gras gefüttert werden, statt überwiegend im Stall zu stehen.
Die Ernährungsexpertin mahnt jedoch: «Grundsätzlich bin ich kein Fan davon, Lebensmittel als ‹gesünder› als andere zu bezeichnen. Wenn das Fettsäureprofil durch eine Anpassung des Futters optimiert werden kann, ist das sicherlich eine gute Sache. Sofern die Fütterung auch artgerecht ist.»
Und sie betont augenzwinkernd: «Die Empfehlung der Schweizer Lebensmittelpyramide, maximal zwei- bis dreimal wöchentlich Fleisch zu konsumieren, bleibt aber auch beim Kräuterfleisch bestehen.»













